Albanien: Proteste wegen Luxusprojekt von Kushner und Ivanka Trump

Albanien: Proteste wegen Luxusprojekt von Kushner und Ivanka Trump

Stand: 18.06.2026 • 10:06 Uhr

Ein geplantes Luxusresort mit Beteiligung der Trump-Tochter Ivanka und ihres Ehemanns hat in Albanien eine Protestbewegung ausgelöst. Kritisiert wird nicht nur das Projekt, sondern auch die eigene Regierung.

David Freches

Es begann Ende Mai an einem Strand in Südalbanien mit Zusammenstößen zwischen Polizei, Sicherheitskräften und Demonstranten. Daraus ist ein täglicher Protest in der Hauptstadt Tirana geworden, zu dem jeweils Tausende Menschen kommen. Der Auslöser ist ein sehr umstrittenes Bauprojekt für ein luxuriöses Urlaubsresort und einen Jachthafen.

Der amerikanische Investor Jared Kushner ist daran beteiligt, er ist der Ehemann von Donald Trumps ältester Tochter Ivanka. Für dieses Bauprojekt soll nicht nur die unbewohnte Insel Sazan ausgebaut werden, sondern auch ein Stück Festland gegenüber: der Strand bei Zvernec, ganz in der Nähe der Narta-Lagune.

Diese Lagune ist ein wichtiges Rastgebiet für Flamingos, die zum Wappentier der Proteste geworden sind und ihnen den Spitznamen verpasst haben.

Proteste richten sich auch gegen die Opposition

Aber wer sich unter den Menschen dort umhört, erfährt: Es geht nicht mehr nur um Umweltschutz. Demonstrantin Selma sagt, sie sei dort, um Albanien zu befreien. “Wir haben tausend Probleme: Bildung, Gesundheit.” Mit dem System sei alles falsch.

Auch Teilnehmer Antonio sagt, er protestiere für ein Land, das man ihnen wegnehmen wolle. “Irgendwelche Milliardäre wollen das Land und die Insel kaufen. Wir protestieren gegen die Regierung, die Opposition, für die Natur und für ein besseres Land.” Auch Teilnehmerin Anisa findet, es gebe zu viele Probleme. Insbesondere durch Korruption und im Bereich der Bildung. Sie sagt: “Wir haben diesen Premier seit zwölf Jahren. Wir wollen ihn nicht mehr.”

Viele Demonstrierende kritisieren sowohl die Regierung, als auch die Opposition.

Ivanka Trump spricht offen über das Bauprojekt

Viele Menschen auf der Straße fordern, dass Edi Rama zurücktritt. Er ist seit 2013 Premierminister, und seine sozialistische Partei regiert mit absoluter Mehrheit.

Auf die Proteste hat er zuletzt harsch reagiert. Auf einer internationalen Pressekonferenz unterstellt er Journalisten Lügen. Und er sorgte für Verwirrung mit Andeutungen, dass es überhaupt kein Bauprojekt gebe – obwohl Trump-Tochter Ivanka offen darüber spricht.

“Ich arbeite gemeinsam mit meinem Mann an einem außergewöhnlichen Projekt. Eine wunderschöne Privatinsel im Mittelmeer. 1.400 Hektar”, sagte sie. “Wir hatten die Möglichkeit, das Potenzial zu erschließen und die Insel weiterzuentwickeln.”

Außerdem, sagt sie, gehe es nicht nur um die Insel. Denn direkt gegenüber besitzen sie und ihr Ehemann einen acht Kilometer langen Küstenabschnitt: eine wunderschöne Halbinsel mit einer Lagune auf der einen Seite und dem Meer auf der anderen, mit herrlichen weißen Sandstränden, schwärmt Trump.

Premierminister Rama: “Es gibt keine Bauanträge”

Premier Rama verteidigt sich damit, dass die Insel in Staatsbesitz sei, dass sich Albanien nicht zwischen Naturschutz und Entwicklung entscheiden müsse und dass Luxustourismus das Land vor Massentourismus bewahren würde. Am Dienstag sagte er auf einer Konferenz in Berlin, dass die Proteste von falschen Informationen ausgingen, und suggerierte: Es gebe bislang weder für die Insel Sazan noch die Narta-Lagune Bauanträge.

“In meinem Land hat vor Kurzem ein Vorschlag zur Entwicklung des Küstentourismus einen internationalen Sturm der Entrüstung ausgelöst”, sagte Rama. Die drohende Umweltkatastrophe sei als erwiesene Tatsache präsentiert worden – und die daraus resultierende Empörung habe Millionen von Klicks generiert, bevor die Fakten auf dem Tisch gewesen seien.

Den Protesten fehlt eine klare Linie

Die Äußerungen Ramas sorgen bislang nicht dafür, dass die Proteste nachlassen. Auffällig ist, dass die Menschen, die dort sowohl die Regierung als auch die Opposition kritisieren, unterschiedlich alt sind und politisch unterschiedlich ticken.

Ben Andoni analysiert im albanischen Fernsehen die politische Lage im Land. Er sagt, weder Ramas Partei noch die Demokraten von Oppositionsführer Sali Berish profitierten von der aktuellen Situation. Das tue die Zivilgesellschaft, denn ein großer Teil der Bevölkerung habe die Angst überwunden und bewiesen, dass man Rama die Stirn bieten könne.

Für Andoni steht fest: Die Proteste gehen mindestens bis Ende des Monats weiter. Ein Problem könnte aber sein, dass die Leute dort so heterogen sind. “Es fehlt eine Führungspersönlichkeit, die den Protest tragen und ihm eine klare Richtung geben kann”, sagt Andoni. Dieser Protest habe weder eine logische noch eine ideologische Linie, das erschwere den Verlauf.

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