Während Putin in Kasan Gäste empfängt, trifft einer der wohl schwersten ukrainischen Drohnenangriffe eine Raffinerie in Moskau. Doch zu den Attacken, die zunehmend der russischen Wirtschaft schaden, kommt kein Wort vom Kremlchef.
Aufnahmen aus Moskau: Man hört das typische Brummen einer Drohne, die russische Luftabwehr. “Mein Gott”, ruft eine Frau.
Die Bilder wurden von oppositionellen russischen Medien veröffentlicht. Die Videos zeigen große Brände und dicke schwarze Rauchwolken. Die Ölraffinerie von Moskau wurde getroffen. Sie liegt nur etwa 15 Kilometer vom Kreml entfernt.
Rauch steigt über der getroffenen Ölraffinerie in Moskau auf. Der Angriff sei Teil der Bemühungen, Putin an den Verhandlungstisch zu zwingen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Im ersten russischen Fernsehkanal schafft es diese Meldung nur auf Platz fünf von neun Nachrichten: “Das Verteidigungsministerium berichtete über die Abwehr eines massiven Angriffs auf die russischen Regionen”, heißt es darin. Es seien mehr als 500 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. “Die Ziele der Terroristen sind zivile Objekte, auch in Moskau und im Moskauer Gebiet”, heißt es weiter.
Einer der schwersten Gegenangriffe
Mehr als 500 ukrainische Drohnen – das ist mit anderen Worten einer der schwersten Gegenangriffe auf russische Ziele, seit Kremlchef Wladimir Putin vor mehr als vier Jahren den Angriff auf die Ukraine befahl. Im Großraum Moskau gab es Verletzte und Sachschäden. Und die russische Wirtschaft, die zu einem großen Teil auf Gas- und Ölproduktion basiert, leidet zunehmend unter den ukrainischen Attacken.
So ist die getroffene Moskauer Ölraffinerie laut ihrer offiziellen Internetseite eine der größten Raffinerien Russlands. Sie deckt mehr als ein Drittel des Kraftstoffbedarfs der Hauptstadtregion ab.
Putin simuliert Normalität
Während seine Hauptstadt unter ukrainischem Beschuss stand, war Putin zwar in der Russischen Föderation, aber mehr als 700 Kilometer entfernt: in Kasan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan.
Dort sind auch andere Staats- und Regierungschefs zu Gast, nämlich die der Vereinigung Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN. Mitglieder sind zum Beispiel Brunei, Kambodscha, Thailand oder die Philippinen. Auch wegen einer zunehmend schwieriger werdenden wirtschaftlichen Lage will das politische Moskau die wirtschaftlichen Beziehungen zu den ASEAN-Staaten vertiefen.
Putin simulierte Normalität:
Die Vereinigung Südostasiatischer Nationen genießt nicht nur im asiatisch-pazifischen Raum, sondern auch weltweit Autorität. Sie hat sich bewährt und ein System der Zusammenarbeit aufgebaut. Das beruht auf allgemein anerkannten völkerrechtlichen Normen und gemeinsamen Interessen. Diese Prinzipien bilden die Grundlage für die Beziehungen Russlands zur ASEAN.
Kein Wort zu Moskau
Außerdem begrüßte Putin die jüngst getroffene Einigung zwischen den USA und Iran. Zu den Drohnenangriffen auf Moskau hingegen und dem Druck, dem Russland zunehmend ausgesetzt ist – von Putin kein Wort, ganz so, als wäre nichts passiert.
Aber einer seiner Propagandisten meldete sich zu Wort: Wladimir Solowjow. Während seiner Morgensendung kritisierte er die Reaktion mancher Menschen in Moskau. Er sagte: “Wir müssen in unserer Armee strengste Ordnung und eiserne Disziplin durchsetzen. Panikmacher und Feiglinge müssen auf der Stelle ausgerottet werden.”


