Marktbericht
Lange sah es nicht so aus, als könne der DAX die Marke von 25.000 Punkten retten. Doch dank einer positiven Wall Street und weiter sinkender Ölpreise erholte sich der deutsche Leitindex wieder.
Erst startete der DAX schwungvoll über 25.000 Punkten in die neue Woche. Mangels neuer Kurstreiber driftete er dann aber bis auf 24.900 Punkte ab. Am Nachmittag teilte dann das US-Finanzministerium mit, es habe im Zuge des Rahmenabkommens die Sanktionen gegen iranisches Öl für 60 Tage ausgesetzt. Die Ölpreise gaben daraufhin weiter nach.
Der DAX schwang sich wieder über die runde Marke und schloss 0,6 Prozent höher bei 25.139 Punkten.
Am vergangenen Freitag war der deutsche Leitindex mit 24.985 Punkten aus dem Handel gegangen.
Die Wall Street startete angesichts der jüngsten Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Iran und den USA mit leichten Gewinnen in den Tag. Aber die Lage bleibt angespannt – nicht zuletzt wegen des Streitthemas Libanon. Der Dow Jones legte im frühen Handel rund 0,4 Prozent zu. Am Freitag wurde in New York nicht gehandelt.
Vor allem starke Kursgewinne bei Technologieaktien hatten zuletzt in Japan und den USA für Rekordstände gesorgt. Der erfolgreiche Börsengang des Raumfahrtkonzerns SpaceX hatte die KI-Euphorie weiter geschürt. In Japan übersprang der Nikkei heute deshalb auch die Marke von 72.000 Punkten. Vor einem Jahr hatte der japanische Leitindex noch bei rund 40.000 Punkten notiert, daraus ergibt sich ein Plus von fast 90 Prozent.
Die Notierung für Brent-Öl gab nach der Aussetzung der Ölsanktionen gegen Iran weiter nach und notierte am frühen Abend bei 77,40 Dollar pro Barrel.
Allerdings läuft der so wichtige Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nur verhalten an. Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank befürchtet, dass sich die Lage erst mittelfristig entspannen wird. “Man darf nicht übermütig werden, es dürfte bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis der Ölpreis wieder sein Vorkriegsniveau von knapp 70 Dollar erreicht”, glaubt der Experte. Seeminen müssten erst geräumt, die Produktion wieder hochgefahren und Lager wieder aufgefüllt werden.
Wie sehr auch Unternehmen, die in traditionellen Branchen tätig sind, von der KI-Fantasie profitieren können, zeigt Hochtief: Der Baukonzern gehört seit heute zu den 40 führenden börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Dafür musste die VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE den DAX verlassen.
Hochtief profitiert ebenfalls vom Megathema KI: Großaufträge für den Bau von milliardenschweren Rechenzentren haben den Kurs steil ansteigen lassen. Binnen eines Jahres hat sich der Börsenwert verdreifacht. Aktuell liegt er bei rund 40 Milliarden Euro.
Die DAX-Erholung wurde von Infineon mit einem Plus von 4,8 Prozent angeführt. Inspiriert von der Halbleiter-Rally in Asien näherte sich der Chip-Titel wieder seinem Mehrjahreshoch von Anfang Juni.
Nach Infineon war Zalando zweitstärkster Wert im DAX. Großaktionär und Aufsichtsratsmitglied Anders Holch Povlsen hat seinen Anteil für mehrere Millionen Euro aufgestockt, wie aus Stimmrechtsmitteilungen hervorgeht.

