Andy Burnham will den zurückgetretenen Premier Starmer beerben. Erst vergangene Woche war der 56-Jährige bei einer Nachwahl als Abgeordneter ins Parlament gewählt worden – die Voraussetzung, um Starmer nachzufolgen.
Als Premierminister Keir Starmer in der Downing Street seinen Rückzug vom Amt des Labour-Parteivorsitzenden und somit als Premierminister bekannt gab, war der bei einer Nachwahl frisch gewählte Labour-Abgeordnete Andy Burnham in Manchester gerade auf dem Weg zum Bahnhof, um nach London zu fahren, wo er am Nachmittag als neuer Parlamentarier vereidigt wurde.
Bei der Ankunft in London-Euston bestätigte er, was er zuvor auf der Plattform X geschrieben hatte – nämlich, dass er sich wie erwartet um Starmers Nachfolge bewerbe. Und er dankte Starmer für seine Arbeit. “Keir hat unserem Land große Dienste erwiesen. Seine Entscheidung markiert den Beginn eines Übergangs, und es ist wichtig, dass dieser Prozess geordnet und verantwortungsvoll abläuft”, so Burnham. Er werde sich im Rahmen dieses Prozesses zur Wahl stellen.
Starmer hatte angekündigt, dass er die Regierungsgeschäfte bis zur Parlamentssommerpause weiterführen werde. Anfang Juli können sich nun Konkurrenten um Starmers Nachfolge die notwendigen Mehrheiten in der Labourfraktion sichern und dann um den Posten des Premierministers ringen.
Es sieht nach einem Durchmarsch aus
Doch nachdem der zurückgetretene Gesundheitsminister Wes Streeting und die ehemalige Partei-Vize-Chefin Angela Reyner, denen ebenfalls Ambitionen auf den Top-Job nachgesagt wurden, ihre Unterstützung für Burnham bekundet haben, sieht es nach einem Durchmarsch für den ehemaligen Bürgermeister von Greater Manchester aus, meint nicht nur der Politikwissenschaftler Jonathan Tonge von der Uni Liverpool in der BBC. Schon am 16. Juli könnte Burnham die britische Regierung führen.
Der 56-Jährige wird dem linken Parteiflügel zugerechnet, gilt als volksnah und punktete etwa mit einer Reform des Busverkehrs in der Metropole Manchester – mit niedrigen Fahrpreisen: Das brachte ihm in den Medien den Spitznamen “King of the North”, König des Nordens, ein.
Ob das Erfolgsmodell aus der Region allerdings auch als landesweite Politik funktioniert, wird Burnham erst beweisen müssen, meint Politikwissenschaftler Tonge. Man wisse schließlich nicht, was für ein Premierminister Burnham wohl werden könnte. In Manchester habe er private Investoren angezogen und das Wirtschaftswachstum sei besser gewesen als andernorts. So habe er als Mr. Nice Guy günstige Bustickets verteilen können.
Aber was Burham landesweit wirklich erreichen könne, das müsse man erst einmal abwarten, so der Experte.
Farage fordert Neuwahlen
Würde Burnham in wenigen Wochen Starmers Nachfolger, dann wäre er der fünfte britische Premierminister, der ins Amt kommt. In einem Zeitraum, in dem nur eine einzige Parlamentswahl stattgefunden hat. Die war 2024 und Labour gewann sie mit einem Erdrutschsieg. Doch der glücklose Starmer konnte diesen Erfolg nicht ausspielen und zieht nun die Konsequenzen.
Als in der konservativen Partei zwischen 2022 und 2024 die Premierminister von Boris Johnson über Liz Truss bis Rishi Sunak den Staffelstab parteiintern weitergaben, forderte Labour Neuwahlen. Jetzt ist es Nigel Farage, der Chef der rechtspopulistischen Reform-Partei, der möchte, dass gewählt wird: Das Land liege am Boden, seine Partei stehe bereit und die Menschen im Land würden es auch tun, so Farage.
Reform UK führt in den Meinungsumfragen vor allen anderen Parteien. Und darum wird Burnham wohl auf keinen Fall vorzeitige Neuwahlen riskieren, auch wenn diese vielen ungewählten Premierminister wie ein demokratisches Defizit wirken würden, meint Jonathan Tonge. Doch Burnham habe mit über 400 Abgeordneten eine deutliche Mehrheit im Parlament. Und die werde er nicht riskieren.


