Der Kurs der Hochtief-Aktien geht seit Monaten nach oben. So stark, dass der Essener Baukonzern ab heute im DAX gelistet ist. Der Volkswagen-Großaktionär Porsche SE rutscht dafür in den MDAX ab.
Der Baukonzern Hochtief ist seit heute im deutschen Leitindex DAX vertreten. Das Unternehmen wird damit zu den 40 führenden börsennotierten Firmen in Deutschland gezählt. Hochtief verdrängt dort den Volkswagen-Großaktionär Porsche SE, der in den Index für mittelschwere Werte MDAX absteigt.
Porsche SE mit hohem Verlust
Die Porsche SE meldete im ersten Quartal einen Verlust von über 900 Millionen Euro. Grund ist eine milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung am Volkswagen-Konzern – quasi eine Wertberichtigung. Das hat dem Börsenwert geschadet, der ein wichtiges Kriterium für den Verbleib im DAX ist.
Im vergangenen Jahr war schon der Sportwagenbauer, also die Porsche AG, nach einem starken Wertverlust der Aktie aus dem DAX geflogen. Die Autobranche hat gerade mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen – vor allem durch die Konkurrenz aus China und dem Umbruch der ganzen Industrie.
Aufstieg von Hochtief kommt nicht überraschend
Hochtief steigt dagegen zum ersten Mal in den deutschen Leitindex auf. Der Essener Baukonzern profitiert vor allem in den USA massiv vom Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI). Eine Unternehmenstochter ist im Bundesstaat Indiana etwa an einem Zehn-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum der Facebook-Mutter Meta beteiligt. Doch der Erfolg liegt nicht nur an KI, sondern auch an Infrastrukturprogrammen in Milliardenhöhe und steigenden Verteidigungsausgaben in vielen Ländern.
Hochtief hatte im Mai “hohe Gewinnzuwächse” und einen “Rekord-Auftragsbestand” vermeldet. Deshalb war der Aufstieg nicht überraschend. Denn auch der Aktienkurs hat sich innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Ein Börsenwert von knapp 40 Milliarden Euro reicht nun für den DAX, auch wenn nur circa 21 Prozent der Hochtief-Aktien im Streubesitz sind. Knapp 76 Prozent liegen in den Händen des spanischen Bau- und Infrastrukturriesen ACS, der schon seit Mitte 2011 das Sagen hat.
Die Hochtief AG in Essen ist die Konzernobergesellschaft für ein weltweit verzweigtes Geflecht von großen Baufirmen. Gebaut wird fast alles: Wolkenkratzer und Krankenhäuser, Straßen und Brücken, Tunnel und Flughäfen. Aber auch Anlagen für die Energiewende wie Solarparks, Rechenzentren, Bergbauanlagen und militärische Infrastruktur errichten die zu Hochtief gehörenden Unternehmen.
Wechsel schon seit Anfang Juni bekannt
Alle drei Monate wird überprüft, welche Unternehmen in die Indizes DAX, TecDAX, MDAX und SDAX aufgenommen werden oder sie verlassen müssen. Die Wechsel in den Indizes hatte die Deutsche Börse schon Anfang Juni bekanntgegeben. Im MDAX gibt es neben der Porsche SE drei weitere neue Mitglieder, die aus dem kleineren SDAX aufgestiegen sind: Anlagenbauer Suss Microtec, Chip-Entwickler Elmos Semiconductor und Siltronic, ein Hersteller von Wafern (Siliziumscheiben) zur Halbleiter-Produktion.
Das Trio ersetzt im MDAX den Arzneimittel-Versender Redcare Pharmacy (“Shop Apotheke”), den Außenwerber Ströer und den Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich. Wichtig sind die Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes real nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgeschichtet und umgewichtet werden. Die Aufnahme in den DAX folgt genau festgelegten Regeln. Entscheidend für Auf- oder Abstieg sind der Wert der Streubesitzaktien an einem bestimmten Tag sowie die Handelsumsätze an der Börse.

