Streit um Armeeeinheit: Selenskyj nicht bei Konferenz in Polen

Streit um Armeeeinheit: Selenskyj nicht bei Konferenz in Polen

Stand: 23.06.2026 • 17:49 Uhr

Zwischen Warschau und Kiew verschärft sich der Streit: Grund ist die Umbenennung einer ukrainischen Einheit, die in Polen Empörung auslöste. Einer wichtigen Konferenz in Danzig bleibt Präsident Selenskyj nun fern.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist wegen eines Konflikts mit Polen nicht zu einer Wiederaufbaukonferenz nach Danzig. Stattdessen leitet Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko die ukrainische Delegation bei der gemeinsam mit Polen ausgerichteten Konferenz, wie sie im Messengerdienst Telegram mitteilte. Zu dem Treffen über den Wiederaufbau der Ukraine wird am Donnerstag auch Bundeskanzler Friedrich Merz erwartet.

Polen ist einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine. Allerdings sind die Beziehungen derzeit wegen eines Streits über die Umbenennung einer ukrainischen Militäreinheit angespannt.

UPA-Kämpfer ermordeten Zehntausende Polen im Weltkrieg

Die Regierung in Kiew benannte die Einheit nach den Kämpfern der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Diese kämpfte im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjets, ermordete aber unter deutscher Besatzung auch Zehntausende Polen im heutigen Westen der Ukraine. Deshalb rief der Name in Warschau große Empörung hervor.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog Selenskyj einen polnischen Orden. Selenskyj und andere ukrainische Politiker gaben daraufhin polnische Auszeichnungen zurück.

Erkundungssarbeiten an einem Ort, an dem polnische Zivilisten von SS-Truppen unter Beteiligung von Einheiten der UPA getötet wurden.

Streit hat auch innenpolitische Komponente

Der Konflikt droht alle Bereiche der strategisch wichtigen Kooperation zwischen den beiden Ländern zu erfassen. Dabei hat der Streit in Polen auch eine innenpolitische Seite. Die Wiederaufbaukonferenz ist Sache der linksliberalen Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk.

Der Rechtspopulist Nawrocki versucht, Tusks Vorhaben zu erschweren; er macht sich dabei eine wachsende Ukraine-Müdigkeit in der polnischen Gesellschaft zunutze. Medien beider Länder riefen zu Besonnenheit auf.

Die Konferenzen zum Wiederaufbau der Ukraine mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft haben seit dem ersten Kriegsjahr jährlich an wechselnden Standorten stattgefunden. Selenskyj war 2022 in Lugano und 2023 in London zugeschaltet. Für die Konferenzen 2024 in Berlin und 2025 in Rom reiste er persönlich an.

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