Seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen den Piusbrüdern und dem Vatikan. Sie lehnen zentrale kirchliche Reformen ab. Doch nun spricht der Papst ein Machtwort und schließt sie aus der Kirche aus.
Die offizielle Mitteilung aus der Glaubensbehörde des Vatikans kommt nur einen Tag nach der Zeremonie im schweizerischen Écône. In dem Schreiben werden die Führung der Piusbruderschaft und ihre formellen Mitglieder exkommuniziert. Und nicht nur das, wenn von Priestern der Bruderschaft die Beichte abgenommen oder eine Ehe geschlossen wird, dann ist das in Zukunft nicht mehr gültig.
Es ist eine scharfe Linie, die Papst Leo XIV. hier zieht. Denn Papst Benedikt XVI. war noch auf die Piusbrüder zugegangen, hatte 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen aufgehoben. Sein Nachfolger, Papst Franziskus, hatte den Priestern der Gemeinschaft die Vollmacht für die Ehe und die Beichte erteilt.
Papst Leo XIV. dagegen bleibt hart, auch wenn Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin betont: “Zunächst einmal empfinde ich einen großen Schmerz. Es ist ein großer Schmerz, weil hier zutiefst die Einheit der Kirche verletzt wird.”
“Papst wird gedemütigt”
Trotz dieser Verletzung hoffe er, so Parolin weiter, dass man mit der Piusbruderschaft in einen Dialog treten könne, dass eine Lösung gefunden werden könne. Ähnlich hatte sich der Papst einige Tage zuvor ausgedrückt. In einem Brief an die Leitung der Piusbruderschaft hatte er diese aufgerufen, umzukehren und von der geplanten Bischofsweihe abzusehen. Noch sei die Kirche offen für einen Weg des Dialogs.
Doch der Appell verhalte. Man sehe sich in der Pflicht, Bischöfe in der wahren Gesinnung zu weihen, sagte der Generalobere der Piusbruderschaft, Davide Pagliarani, zu Beginn der vom Vatikan nicht genehmigten Bischofsweihe im schweizerischen Écône. Die römischen Institutionen seien seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren von einem Geist beseelt, der der wahren Tradition der Kirche entgegenstehe.
Und in seiner Predigt betonte er, ihnen werde vorgeworfen, den Papst nicht zu lieben, ihn nicht zu respektieren. “Doch gerade weil wir den Papst aufrichtig lieben, als Stellvertreter Christi, als Oberhaupt der Kirche, wollen wir nicht länger mit ansehen, wie er neben falschen Hirten, Vertretern falscher Religionen gedemütigt wird. Wie oft haben wir das in all den Jahren schon erlebt.”
Traditionalisten lehnen Reformen ab
Die Fronten bleiben damit verhärtet. Die Traditionalisten lehnen seit ihrer Gründung nicht nur die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, die sie erst kürzlich wieder als “moderne Irrtümer” bezeichnet haben, sondern auch jede Form der Ökumene und der Religionsfreiheit.
Dass Papst Leo XIV. für diese Haltung kein Verständnis hat, hat er schon zu Beginn der Woche am Hochfest Peter und Paul angedeutet. In seiner Predigt hatte er die Sorge um die Einheit der Kirche mit einem Schlüssel verglichen. Ein Schlüssel reiße keine Türe nieder, sondern öffne und schließe sie, sodass die Räume miteinander verbunden werden – und aus vielen isolierten Zimmern ein einziges einladendes Haus entstehe.
Möglicher Dialog in weiter Ferne
Weiter sagte er: “Auf die gleiche Weise entsteht die Gemeinschaft in der Kirche nicht dadurch, dass man sich auf seine eigene Position versteift, sondern indem man in den Herzen aller die Berührungspunkte in der Wahrheit sucht.”
Doch diese Berührungspunkte wollen die Traditionalisten der Piusbruderschaft ihren Aussagen zufolge nicht finden. Der Vatikan hat sie nun exkommuniziert, damit ist ein möglicher Dialog in weite Ferne gerückt.
Was steckt hinter dem Konflikt?
Seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. – so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft – und dem Vatikan. Die Gemeinschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt Reformen in der Kirche generell ab, auch die des Zweiten Vatikanischen Konzils vor mehr als 60 Jahren. Dieses Konzil veränderte etwa die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zur Laienwelt grundlegend und erlaubte die Messe in Landessprachen statt auf Latein. Doch die Piusbrüder lehnen die Religionsfreiheit und den Dialog mit anderen Kirchen und Religionen ab.
