Neue Stationen in Rom: Mit dem Metro-Ticket zu antiken Stätten

Neue Stationen in Rom: Mit dem Metro-Ticket zu antiken Stätten

Stand: 17.12.2025 10:51 Uhr

Nach 13 Jahren sind im historischen Herzen Roms zwei neue U-Bahn-Stationen fertig geworden. Bei den Ausgrabungen wurde auch ein antikes Gebäude entdeckt. Um es zu sehen, braucht man nur ein Metroticket.

Von Anna Giordano, ARD-Studio Rom

Es sind eine Menge Journalisten, die sich vor der neuen U-Bahnstation Porta Metronia versammelt haben. Es ist eine neue Station im römischen Verkehrsnetz, eine Zwischenstation zwischen der bisherigen U-Bahn-Linie C, die in den Osten Roms führt, und dem Kolosseum. Erstmals fährt heute eine U-Bahn diese und die neue Kolosseumshaltestelle an – nach 13 Jahren Bauzeit.

Lautstark versucht ein Mitarbeiter der römischen Verkehrsgesellschaft ATAC, das Gewusel zu bändigen: “Kommen Sie her, hier wird das mit der Kaserne erklärt, hier bekommen sie Infos.”

Antikes Gebäude entdeckt

Mit der Kaserne meint er ein antikes Gebäude, das beim langwierigen Bau dieser U-Bahnstation entdeckt wurde. Es liegt in einer Tiefe von etwa siebeneinhalb Metern unterhalb der Erdoberfläche, wie Simona Morretta, eine Wissenschaftlerin, die für die Ausgrabungen verantwortlich war, erklärt: “In dieser Tiefe sind die oberen Teile der Mauern der Kaserne, dieser Soldatenunterkunft, gefunden worden. Es ist ein militärischer Komplex, den die antiken Quellen nicht erwähnen. Man kann ihn auf die Zeit von Kaiser Trajan datieren, also den Anfang des 2. Jahrhunderts nach Christus.”  

Derzeit sind einige Überreste der Kaserne durch eine große Fensterscheibe, die in die U-Bahn-Station eingelassen ist, zu sehen. Irgendwann soll daraus ein richtiges Museum werden. Jetzt geht es aber erst einmal noch eine Rolltreppe runter, zur Jungfernfahrt mit der U-Bahn.

Archäologische Funde gesichert

Etwa zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt, bis sich an der ebenfalls neuen Kolosseums-Station die Türen wieder öffnen. Dort steht schon der für den Bau zuständige Ingenieur Marco Cervone: “Die größte Herausforderung war es sicherlich, diese U-Bahnstation in einem archäologisch so bedeutsamen Umfeld, ganz in der Nähe des Forum Romanums, zu realisieren”, erklärt er. Dabei hätten alle archäologischen Funde gesichert und gleichzeitig sichergestellt werden müssen, dass alles oberhalb des U-Bahn-Schachtes auch erhalten bleibt.

Die neue U-Bahnstation Kolosseum besteht aus vier Ebenen, auf jeder werden Ausstellungsstücke aus teils unterschiedlichen Epochen gezeigt. So sind etwa Brunnenschächte zu sehen, die im 5. bis 2. Jahrhundert vor Christus gebaut und von privaten Haushalten genutzt wurden, inklusive antiker Schöpfgefäße. Oder es sind Teile eines antiken Hauses aus republikanischem Zeitalter zu sehen. Es sind zwei voneinander abgetrennte Bereiche, die wie Schwimmbäder aussehen. 

Archäologin Elisa Cella sagt: “Das, was ihr hier hinter mir seht, ist das sogenannte Balneum, sozusagen eine kleine private Therme, buchstäblich ein Spa-Bereich.”

Man braucht nur ein Metroticket

Um all das zu besichtigen, braucht es ab sofort nur ein Metroticket. Trotz ausführlicher Erklärtafeln soll keine zusätzliche Museumsgebühr erhoben werden. Ein Konzept, das auch Roms Bürgermeister Gualtieri lobt, der zur Eröffnung vorbeigekommen ist: “Heute verbinden wir einen großen Teil Roms, seine äußerste Peripherie und das ganze östliche Rom mit dem Stadtzentrum, und wir schenken der Stadt und den Römern gleichzeitig einen großartigen kulturellen Ort.”

Neben den Ausgrabungen gibt es noch eine Besonderheit in der neuen Station Kolosseum: nämlich einen Übergangsbereich zur Metrolinie B, eine Art unterirdischen Fußweg. Geht man diesen entlang, so ist an einer Stelle ein Fenster in die Decke eingelassen. Dadurch schaut man nach oben – direkt auf das Kolosseum.

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