Nirgends ist die iranische Diaspora-Community so groß wie in Los Angeles. Tausende haben dort am Wochenende gegen das Regime demonstriert. Aber sie sind sich in einem wichtigen Punkt nicht einig.
Am Wochenende haben sich etwa 100 Menschen am Santa-Monica-Pier in Los Angeles versammelt. Viele von ihnen sind im Iran geboren, leben aber seit Jahrzehnten in den USA. Sie wollen derer gedenken, die das Regime im Iran in den letzten Wochen während der Proteste getötet hat.
Eine der Demonstrierenden ist Mitra Samani: Zum ersten Mal, seitdem die Regierung im Iran Internet- und Telefonleitungen kappte, habe sie nun mit ihrem Bruder im Iran gesprochen. Er habe gesagt, dass Menschen getötet würden und sie Hilfe bräuchten.
Als politische Gefangene in Teheran
Die Menschenrechtsaktivistin und Mitorganisatorin der Proteste wurde selbst in Teheran geboren. Seit Anfang der 90er-Jahre lebt sie in den USA und ist längst Amerikanerin. Mit der Demo wolle sie US-Bürger darüber aufklären, was die Menschen in ihrer Heimat Iran durchmachen müssen.
Viele Jahre lang habe sie dies auch am eigenen Körper erfahren: In den 80er-Jahren haben sie im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis gesessen, erzählt sie. Als politische Gefangene, weil sie sich als Schülerin für die Gleichberechtigung von Frauen eingesetzt habe. Das Gefängnis sei von dem früheren Diktator, dem Schah, gebaut worden und werde nun vom Mullah-Regime weiter betrieben.
Die Menschen, die für einen Wandel im Iran kämpfen, bräuchten Hilfe, sagt Samani. Aber: “Damit meine ich keine Invasion von anderen Ländern, sondern moralische Unterstützung, das bringt ihnen Hoffnung.”
Nicht alle wollen offen sprechen
Und was, wenn das Regime im Iran tatsächlich zusammenbrechen sollte? In den letzten Wochen hat sich Reza Pahlavi, der in den USA lebende Sohn des Schahs, für einen politischen Übergang angeboten. Samani ist dagegen: “Er ist ein Witz. Wir wollen eine demokratische, freie und säkulare Republik und keinen König mehr.”
Viele der Menschen aus der Community, die hier im Westen von Los Angeles leben, wollen ihre Meinung hingegen nicht öffentlich kundtun – auch aus Sorge um Familienmitglieder im Iran. Etwa 140.000 Menschen mit iranischen Wurzeln leben in der Region Westwood, sie gilt als Zuhause der größten iranischen Gemeinschaft außerhalb des Iran.
Ein Mann auf der Straße, der seinen Namen nicht sagen möchte, ist sich sicher, dass die Regierung im Iran früher oder später gestürzt werde. Wie es dann weitergehe, müsse allein das Volk entscheiden – und zwar friedlich.
Teile der Community wünschen sich Militäraktion
Bei einer weiteren Demonstration am Sonntag mit Tausenden Menschen vor dem Rathaus von Los Angeles spielt Reza Pahlavi aber eine größere Rolle. “Er wird ein Mann des Übergangs sein und den Menschen im Iran helfen, zu entscheiden, was sie wollen”, sagt Arezo Rashidian. Sie ist eine politische Aktivistin und eine der Organisatorinnen.
Einige tragen hier die MIGA-Mützen – “Make Iran great again” – und manche auch US-Fahnen. Auch Donald Trumps Bild ist auf einigen Plakaten zu sehen. Seine Intervention im Iran ist hier ausdrücklich erwünscht. Das könne auch strategische Militäraktionen gegen das Regime beinhalten, meint Rashidian. Ein anderer Demonstrant sagt: “Ohne US-Militärschläge werden Tausende weitere massakriert.”
Über das Ziel ist sich die iranische Community in Los Angeles einig: “Nieder mit der Islamischen Republik!” Wie der Weg dahin aussehen soll und wie es weitergehen könnte, darüber gibt es in “Tehrangeles” unterschiedliche Ansichten.


