Marktbericht: DAX nimmt wieder Kurs auf 25.000 Punkte

Marktbericht: DAX nimmt wieder Kurs auf 25.000 Punkte


marktbericht

Stand: 22.01.2026 10:27 Uhr

So schwankend wie die Ansagen von US-Präsident Trump sind auch die Aktienkurse: Die Entschärfung im Zollstreit mit den USA bringt den DAX zurück in die Gewinnspur. Vor allem Autowerte legen zu.

Der Zoll-Rückzieher des US-Präsidenten Donald Trump sorgt für Erleichterung an den Börsen. Der DAX klettert im frühen Handel um 1,2 Prozent auf 24.850 Punkte. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,6 Prozent auf 24.560 Punkten aus dem Handel gegangen – fast 1.000 Punkte tiefer als das Allzeithoch bei 25.507 Stellen.

Die Gewinne des Jahresstarts waren damit praktisch ausradiert. Jetzt setzt der DAX dazu an, immerhin die Marke von 25.000 Punkten zurückzuerobern.

“Die Trump-Volatilität ist zurück auf dem Frankfurter Parkett”, stellt Jochen Stanzl fest, Marktbeobachter bei der Consorsbank. “Die extreme Rhetorik des US‑Präsidenten fügt sich in ein bekanntes Muster ein: Auf maximal formulierte Positionen folgen später moderatere Signale, wodurch anfängliche Verluste schnell wieder aufgeholt werden.”

Ob die Wende im Zollstreit den DAX wieder dauerhaft in die Gewinnspur bringen wird? Bislang ist nicht geklärt, wie eine künftige Einigung über Grönland im Detail aussehen wird. Derzeit ist nur von einer Rahmenvereinbarung die Rede.

Die Finanzmärkte interessieren die geopolitischen Aspekte des Streits derzeit aber nicht: “Ob das Grönland-Thema dauerhaft zur Zufriedenheit aller gelöst werden kann, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen”, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Für das Erste feiern die Börsen aber die neue Faktenlage.” Michael Brown, Stratege beim Broker Pepperstone, meint: Für die Märkte seien die Details des Rahmenabkommens zweitrangig, entscheidend sei allein der Verzicht auf Zölle.

Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades, rät den Anlegerinnen und Anlegern trotzdem, wachsam zu bleiben: “Die Verhandlungstaktiken der US-Regierung sind extrem dynamisch. Was heute als ‘fantastischer Deal’ gefeiert wird, kann morgen durch einen einzigen Social-Media-Post wieder infrage gestellt werden.”

Insbesondere die besonders exportabhängigen Autowerte wie VW, BMW und Mercedes reagieren mit deutlichem Kursplus. Sie legen viel stärker zu als der Gesamtmarkt. Der europäische Auto-Branchenindex war am Montag auf das tiefste Niveau seit Oktober abgerutscht.

Die Aktie von Volkswagen profitiert auch von einem hohen Mittelzufluss: Der Volkswagen-Konzern hat zum Jahresschluss bei der Kassenlage im Gesamtjahr besser abgeschnitten als gedacht. Der sogenannte Netto-Cashflow im Bereiche Automobile – also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet – liege 2025 mit rund sechs Milliarden Euro eine Milliarde über dem Vorjahreswert teilte das Management mit.

Neben dem Zollstreit bleibt das Thema der Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve wichtig. Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat deutliche Zweifel am Versuch von Trump, die US-Notenbank-Vorständin Lisa Cook sofort zu entlassen.

Bei einer Anhörung äußerten Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern Skepsis gegenüber den Vorwürfen der Regierung und betonten die besondere verfassungsrechtliche Stellung und Unabhängigkeit der Fed.

Hinter der Personaldebatte steht die grundsätzliche Frage, inwieweit ein US-Präsident Einfluss auf die Notenbank nehmen darf und ob Trump mit seinem Entlassungsversuch die Grenzen seiner Macht überschritten hat.

Der Dollar hat einen Teil der jüngsten Kursverluste wieder aufgeholt. “Eine Eskalation des Konflikts und eine sich abzeichnende Zollspirale zeichnet sich derzeit nicht ab, sodass die US-Währung einen Teil der zuletzt erlittenen Kursverluste wieder aufholen kann”, heißt es dazu von der Helaba.

Devisenanalysten hatten die Dollar-Einbußen mit sogenannten “Sell-America-Trades” begründet: Das bedeutet, dass wegen der Eskalation des Grönland-Konflikts amerikanische Aktien, Staatsanleihen und eben der Dollar verkauft werden.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *