marktbericht
Gestern überwog noch die Erleichterung über die Entspannung im Zollstreit, heute hoffen die Investoren auf frische Impulse von den Unternehmensbilanzen. Bislang bleibt der Schwung aus, der DAX dürfte kaum bewegt starten.
Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vor Handelsbeginn etwas höher bei 24.894 Punkten. Gestern war der DAX mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 24.856 Punkten aus dem Handel gegangen, weil US-Präsident Donald Trump von seiner Drohung abgerückt war, im Streit um Grönland Strafzölle gegen acht europäische Staaten zu verhängen.
“Für einen Anstieg über 24.900 Punkte wollen die Anleger jetzt die Rückversicherung der Unternehmen haben, dass ihre starken Gewinnerwartungen für 2026 realistisch sind”, erläutert Jochen Stanzl, Marktexperte bei der Consorsbank. “Die nachlassende Grönland-Angst eröffnet Anlegern dabei die Möglichkeit, sich stärker der anstehenden Berichtssaison zu widmen.”
Im Fokus der Investoren am Aktienmarkt dürfte deshalb heute BASF stehen. Der weltgrößte Chemiekonzern hat im vergangenen Jahr netto rund 1,6 Milliarden Euro verdient. Im Vorjahr waren es noch 1,3 Milliarden. Der Umsatz sank 2025 von 61,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 59,7 Milliarden Euro. Während die Mengen leicht gestiegen seien, hätten negative Währungseffekte und leicht rückläufige Verkaufspreise die Erlösentwicklung belastet, hieß es.
Die deutsche Chemieindustrie steht unter Druck. Sie bekommt die weltweit schwache Nachfrage deutlich zu spüren. Auch die hohen Energiepreise machen der Branche zu schaffen. Der Branchenverband VCI warnte unlängst gar vor einem Kollaps der deutschen Chemieindustrie.
Trotz der aktuellen Entspannung im Grönland-Streit legt Gold weiter zu. Gold gilt in Krisenzeiten als ein “sicherer Hafen”. Aber es dürfte auch andere Gründe für den außergewöhnlichen Anstieg der vergangenen Monate geben: “Die aktuelle Hausse ist beeindruckend und beängstigend zugleich”, sagt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. “Viele Anleger dürften derzeit nicht aus Überzeugung einsteigen, sondern aus Sorge, etwas zu verpassen.”
In den USA schloss der Dow Jones gestern 0,6 Prozent fester bei 49.384 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,5 Prozent auf 6.913 Zähler und der technologielastige Nasdaq zog um 0,9 Prozent auf 23.436 Stellen an. Grund für die gute Stimmung war, dass US-Präsident Trump frühere Drohungen mit Zöllen auf europäische Waren zurückgenommen hatte. Trotzdem bleibt die Unsicherheit.
“Es ist sehr seltsam, jeden Tag als Vermögensverwalter aufzuwachen und nicht zu wissen, ob Weihnachtsmorgen oder Freitag der 13. ist”, sagte Gregg Abella, Chef von Investment Partners Asset Management. Die geopolitischen Spannungen erforderten eine stärkere Diversifizierung der Portfolios, um Risiken abzufedern, so seine Einschätzung.
Der Chipkonzern Intel hatte gestern nach US-Börsenschluss seine Quartalsbilanz vorgestellt. Die Erlöse sanken um vier Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 591 Millionen Dollar nach roten Zahlen von 126 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.
Intel kann derzeit wegen Lieferengpässen bei Rohstoffen die wachsende Nachfrage nach Server-Prozessoren nicht bedienen. Deshalb fiel die Prognose für das laufende Quartal für die Anleger enttäuschend aus.

