Risikofaktor Trump: Ist das deutsche Gold in den USA noch sicher?

Risikofaktor Trump: Ist das deutsche Gold in den USA noch sicher?

Stand: 23.01.2026 12:44 Uhr

Deutschland hat die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Ein Großteil davon wird in den USA gelagert. Könnte das wegen Donald Trump zum Problem werden?

Michelle Goddemeier

In Krisenzeiten investieren viele Menschen in Gold. Auch die Zentralbanken und Staaten besitzen Gold als Reserven. Deutschland zum Beispiel hat die zweitgrößten Goldreserven weltweit, insgesamt etwa 3.550 Tonnen. Diese Zahlen stammen von der Deutschen Bundesbank für Ende 2024.

Davon lagern 1.710 Tonnen in Frankfurt. Der Rest liegt im Ausland. Konkret: 405 Tonnen bei der Bank of England in London und 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve Bank (Fed) in New York. Das bedeutet, dass mehr als ein Drittel der deutschen Goldreserven, nämlich 37 Prozent, in den USA liegt.

Trump übt Druck auf Zentralbank aus

Dort galt das Gold jahrelang als sicher. Denn Zentralbanken sind in aller Regel unabhängig und haben ein großes Vertrauen untereinander. Doch US-Präsident Donald Trump versucht, das zu ändern. In den vergangenen Monaten startete er vermehrt Angriffe mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben. Zuletzt drohte er dem Zentralbank-Chef Jerome Powell mit einer Anklage im Zusammenhang mit der Renovierung von Fed-Gebäuden. Powell selbst hält das nur für einen Vorwand, um Druck auszuüben.

Zuvor versuchte Trump bereits, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen. Der Fall liegt aktuell beim Obersten Gericht. Seit Monaten drängt Trump Fed-Chef Powell zu schnelleren und umfangreicheren Leitzinssenkungen, oft mit beleidigenden Posts auf seiner Plattform Truth Social.

“Je mehr natürlich Zentralbanken unter politischen Druck geraten – und das erleben wir eben gerade in den USA -, desto schwieriger wird es natürlich, diese Vertrauensbasis aufrechtzuerhalten”, sagte Goldexperte Wolfgang Wrzesniok-Roßbach von Fragold in Frankfurt. Man müsse genau beobachten, wie Trump weiter mit der Fed umgehe und wie unabhängig diese in Zukunft sein werde.

“Amerika ist nicht mehr berechenbar”

Die Lagerung des Goldes in den USA könnte somit möglicherweise zum Problem für Deutschland werden. Müssen wir also um die Sicherheit dieser Goldreserve fürchten? “Die Goldreserven sind in den USA aktuell sicher. Es kann aber morgen schon so sein, dass plötzlich die amerikanische Regierung sagt: ‘Wir behalten jetzt die Goldreserven als Faustpfand'”, so Wrzesniok-Roßbach. Der Risikofaktor Donald Trump sei groß. “Derzeit sind die USA kein verlässlicher Partner der EU”, sagt auch der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Unter der Regierung Trump sei das deutsche Gold in den USA nicht mehr sicher, meint Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei ACATIS Investment. “Unter Donald Trump ist Amerika nicht mehr berechenbar. Wir sehen einfach, dass er Europa und insbesondere Deutschland auf dem Kieker hat.” Verlässlichkeiten gebe es keine, so Riße: “Wenn man sich anschaut, was in Grönland passiert, muss man sich schon die Frage stellen, ob für die Regierung Trump überhaupt noch irgendwelche alten Regeln gelten.”

Sollte man das Gold nach Deutschland holen?

Immer mehr Experten sprechen sich deshalb dafür aus, das Gold aus New York nach Deutschland zu holen. So sei man unabhängiger und flexibler. “Das Chance-Risiko-Verhältnis spricht auf jeden Fall für eine Verlagerung der Goldreserven nach Deutschland”, sagt Riße. Wenn das Gold in Deutschland wäre, bestünde eigentlich gar kein Risiko mehr. Solange es in den USA liege, gebe es ein Risiko. Bislang habe man dieses Risiko als so klein erachtet, dass der Aufwand, das Gold nach Deutschland zu bringen, als zu hoch erschienen sei. “Unter Donald Trump muss man das anders betrachten und die Risiken neu bewerten.”

Dabei ist es laut vielen Experten aber auch wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Ifo-Präsident Clemens ‍Fuest warnt in der aktuellen Lage vor einer überstürzten Rückholaktion deutscher Goldreserven aus den Vereinigten Staaten. “Das würde ‌in ‍der aktuellen Lage nur Öl ins Feuer gießen, davon sollte man absehen”, sagte Fuest. “Das sollte man eher in einer Lage angehen, in der es keine akute Konfliktlage gibt.”

Warum ist Gold im Ausland?

Dass sich das Gold im Ausland befindet, hat übrigens vor allem historische Gründe. “Die Reserven sind nicht ins Ausland gebracht worden. Das denkt man oft und spricht ja dann auch davon, dass sie zurückgeholt werden sollen. Tatsächlich waren sie noch nie hier”, sagte Goldexperte Wrzesniok-Roßbach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe Deutschland schnell große Handelsbilanzüberschüsse gehabt und somit Devisen, vor allem Dollar. “Diese Devisen sind mithilfe des sogenannten Bretton-Woods-Systems eingetauscht worden in Gold”, so Wrzesniok-Roßbach. Auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 wurde der Dollar zur Weltleitwährung erklärt und sein Wert an den Goldkurs gekoppelt.

Es habe aber auch sicherheitspolitische Gründe dafür gegeben. “Damals wollte man kein Gold in Deutschland lagern. Denn es drohte bei einem möglichen Krieg, dass das Gold einem Feind in die Hände gefallen wären.”

Im Laufe der Jahre wurde ein Teil des Goldes zurück nach Deutschland gebracht. Zwischen 2013 und 2017 hat die Bundesbank ihre Auslandsbestände abgebaut. Von New York wurden insgesamt 300 Tonnen nach Deutschland verlagert. Die 374 Tonnen, die zuvor in Paris gelagert waren, wurden vollständig übertragen.

Bundesbank plant keine Verlagerung

Die Bundesbank hält von Rückholplänen aktuell nichts. Für sie kommt es nach eigenen Angaben zur Zeit nicht in Frage, die deutschen Goldbestände aus den USA zu verlagern. Entscheidend für die Gewichtung der Goldreserven seien vor allem die Ziele Sicherheit und Handelbarkeit, um Gold bei Bedarf verkaufen oder in Fremdwährungen tauschen zu können.

“Anhand dieser Kriterien bewertet die Bundesbank regelmäßig die Lagerstellen ihrer Goldhaltung. Die New York Fed ist und bleibt in diesem Rahmen eine wichtige Lagerstelle für unser Gold”, teilte die Deutsche Bundesbank der ARD-Finanzredaktion mit. Die deutsche Bundesbank habe keinen Zweifel daran, dass das Gold bei der amerikanischen Fed sicher sei.

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