Chinesischem Blogger droht Abschiebung aus den USA

Chinesischem Blogger droht Abschiebung aus den USA

Stand: 26.01.2026 14:54 Uhr

Der chinesische Videoblogger Guan Heng hat 2020 Informationen über Internierungslager für Uiguren in Xinjiang veröffentlicht. Nach seiner Flucht in die USA beantragte er Asyl. Doch nun droht ihm die Abschiebung.

Benjamin Eyssel

Eine Fahrt mit dem Auto durch den nordwestchinesischen Landesteil Xinjiang – aufgenommen im Jahr 2020 mit einer auf dem Armaturenbrett installierten Dashcam. Der chinesische Videoblogger Guan Heng kommentiert die Aufnahmen. Zu sehen sind Gebäude hinter hohen Mauern am Straßenrand, zum Teil mit Wachtürmen, teils mit vergitterten Fenstern.

Aufnahmen von Gefängnissen und Lagern

Heng hat sich bei seiner Fahrt durch Xinjiang an Satellitenaufnahmen einer Recherche des Online-Portals Buzzfeed orientiert. Er zeigt die Satellitenbilder auch und vergleicht sie mit Online-Karten. Teilweise steigt er aus dem Auto und filmt Gebäude und Wachleute aus der Ferne. Sein Ziel: Außenaufnahmen von mutmaßlichen Gefängnissen und Lagern für Uiguren zu sammeln. Heng selbst nennt diese sogar Konzentrationslager.

“Ausländische Medien haben viel über die Lager berichtet”, sagt er am Ende seines etwa 20-minütigen Videos. “Als ich zuletzt mit dem Fahrrad in Xinjiang unterwegs war, habe ich Chinesen vor Ort darüber gefragt. Mir wurde gesagt, viele Uiguren würden als billige Arbeitskräfte an andere Orte vermittelt. Die, die der Regierung nicht helfen wollen, andere zu überwachen, wurden in Konzentrationslager geschickt, um sie umzuerziehen. In den Schulen ist die uigurische Sprache verboten.”

Weil ausländische Journalisten sich nicht frei in Xinjiang bewegen könnten, habe er Beweise gesammelt, so Heng in seinen Aufnahmen.

“Außergewöhnliche Persönlichkeit”

Der Videoblogger habe mit seiner Arbeit dokumentiert, wie Chinas kommunistische Führung Menschen unterdrücke, so Sophie Richardson von der Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders in den USA. Heng sei eine außergewöhnliche Persönlichkeit, sagt Richardson.

Er habe es sich vor einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, in den Westen Chinas zu reisen, wo die chinesische Regierung Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehe, indem sie Uiguren und andere ethnische Gruppen durch willkürliche Massenverhaftungen ins Visier nehme, sagt die Menschenrechtlerin. Heng sei sich dieser Missstände bewusst geworden und habe beschlossen, selbst nachzuforschen.

Flucht in die USA und Festnahme

Der Videoblogger, der aus dem zentralchinesischen Landesteil Henan stammt, nahm dafür großes Risiko in Kauf. Wäre er bei seinen Recherchen in Xinjiang aufgeflogen, hätte er im Gefängnis landen können. 2021 floh er in die USA und beantragte dort Asyl. Anschließend stellte Heng seine selbst produzierte Dokumentation mit Videoaufnahmen und Standorten von den mutmaßlichen Internierungslagern ins Internet.

Im August vergangenen Jahres wurde der heute 38-jährige von der US-Einwanderungsbehörde ICE bei einer Razzia im Bundesstaat New York festgenommen und sitzt seitdem im Gefängnis. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass er nach China abgeschoben werden könnte. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte Heng vor wenigen Tagen, er würde in China strafrechtlich verfolgt, inhaftiert und gefoltert werden. All das könnte passieren.

Menschenrechtlerin fordert USA auf, Asyl zu gewähren

Richardson von Chinese Human Rights Defenders fordert die US-Behörden auf, Heng Asyl zu gewähren. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass er Auflagen verletzt habe.

“Die chinesische Regierung verfolgt Menschen strafrechtlich, wenn sie im Internet nur über dieses Thema sprechen, geschweige denn eine Doku drehen und diese veröffentlichen”, betont sie. “Deswegen halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass er von den Behörden verfolgt wird, sollte er nach China abgeschoben werden.” Chinas Führung gehe ganz klar gezielt gegen Leute vor, die versuchten, solche Informationen zu verbreiten. Dabei gehe es der Regierung auch darum, andere abzuschrecken.

Massive Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang

Menschenrechtsorganisationen und zahlreiche Regierungen weltweit werfen Chinas kommunistischer Führung massive Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang vor – manche sprechen gar von “kulturellem Genozid”. Die mehrheitlich muslimischen Uiguren in dem nordwestchinesischen Landesteil sollen sich der Mehrheitsgesellschaft anpassen, Hochchinesisch sprechen, ihre Religion nicht öffentlich praktizieren.

In Xinjiang waren nach Angaben von NGOs zwischenzeitlich mehr als eine Million Menschen in Umerziehungslagern eingesperrt – die meisten von ihnen uigurische Männer. Die Regierung in Peking streitet dies ab. Strikte Maßnahmen werden generell mit Anti-Terror-Programmen begründet.

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