Der steigende Wettbewerb zwischen den Banken beschert den Sparern Tagesgeldzinsen von bis zu 3,2 Prozent. Was für ein Tagesgeldkonto spricht, und was es bei Aktionsangeboten zu beachten gilt.
Tagesgeldkonten galten lange als Rendite-Wüste. Doch seit Herbst vergangenen Jahres haben die Tagesgeldzinsen spürbar angezogen. Lag im September 2025 der höchste Aktionszins noch bei 2,7 Prozent, sind es jetzt in der Spitze 3,2 Prozent. Das ist mehr als der Zins, den Banken bei so manchen kurzlaufenden Festgeldangeboten bieten. Marktbeobachter sprechen bereits von einer kleinen Zinsrally beim Tagesgeld.
13 Banken bieten drei Prozent Zinsen oder mehr
Hintergrund ist der steigende Wettbewerb zwischen den Banken, der sich seit dem Jahreswechsel nochmals verschärft hat. “Anfang Dezember hatten noch sieben Banken Tagesgeldangebote von drei Prozent oder mehr – jetzt sind es derer 13, also nahezu doppelt so viele”, betont Ralph Wefer vom Vergleichsportal Verivox im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
Auch deshalb gewinnen Tagesgeldkonten in Deutschland zunehmend an Beliebtheit. Laut einer aktuellen repräsentativen Kantar-Studie für den Bankenverband zählte Tagesgeld im vergangenen Jahr mit 40 Prozent nach Fonds zu den beliebtesten Anlageprodukten. Tendenz steigend: 2026 würden sogar 44 Prozent der Befragten größere Geldbeträge aufs Tagesgeldkonto packen.
Was für ein Tagesgeldkonto spricht
Im Vergleich zum Sparbuch punktet das Tagesgeld mit höheren Zinsen. Zugleich bietet es – im Gegensatz zum Festgeld – eine tägliche Verfügbarkeit des Guthabens. Damit eignet es sich ideal als kurzfristige Geldanlage, etwa für das Sparen auf größere Anschaffungen oder den Aufbau eines Notgroschens – Finanzexperten empfehlen hier mindestens drei Monats-Nettogehälter.
Für den langfristigen Vermögensaufbau sind dagegen andere Anlageformen wie etwa Aktien, Anleihen, Immobilien oder Edelmetalle besser geeignet, liegen doch beim Tagesgeld die durchschnittlichen Zinsen langfristig meist unter der Inflationsrate.
Aufpassen bei Aktionszinsen
Hinzu kommt: Die hohen Zinsen von drei Prozent oder mehr, die aktuell in der Spitze geboten werden, gelten stets nur für einen kurzen “Aktionszeitraum” von sechs, vier oder manchmal sogar nur drei Monaten. Danach sinken sie drastisch auf einen deutlich niedrigeren Standardzins: Der kann dann nur bei 0,5 oder 0,75 Prozent liegen – und jederzeit von der Bank angepasst werden.
Wer auch nach Ablauf der Aktionsfrist von hohen Tagesgeldzinsen profitieren will, muss dann wechseln. Diese Art von Angeboten lohnten sich deshalb nur für Anleger, die bereit seien, ihr Geld immer wieder umzuschichten und von einer Bank zur nächsten zu wechseln, sobald die Neukundenangebote ausgelaufen sind, betont Verivox-Experte Wefer.
Alternative: Banken mit hohen Standardzinsen
Eine Alternative sind Banken, die zwar keinen hohen Aktionszins bieten – dafür aber einen ordentlichen Standardzins, der auch für Bestandskunden gilt. “Da bieten deutsche Banken aktuell beim Tagesgeld auch immerhin bis zu 2,3 Prozent”, unterstreicht Wefer.
Damit liegen die besten Standardzinsen sogar über dem derzeitigen Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent. Doch auch hier gilt: Kommt der Bescheid von der Bank, dass sie die Zinsen anpasst, sollten Kunden besser aktiv werden.
Gilt die europäische Einlagensicherung?
Bei der Auswahl eines Tagesgeldkontos sollten Verbraucher also darauf achten, für welchen Zeitraum der Zins gilt – und ob er an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist: So müssen Kunden manchmal zusätzlich noch ein Girokonto oder Wertpapierkonto eröffnen, um in den Genuss der hohen Tagesgeldzinsen zu kommen.
Wichtig ist auch, ob die Bank eine Einlagensicherung hat. In Deutschland, aber auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten sind Guthaben auf Tagesgeldkonten von bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert. Bei Kontoeröffnungen außerhalb der EU kann diese Summe stark nach unten abweichen.
Tagesgeld oder doch lieber Festgeld?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher lohnt also der Blick ins Detail – und auch eine ehrliche Selbsteinschätzung. Wer keine Lust hat, ständig den Markt nach dem besten Tagesgeldangebot zu scannen und alle paar Monate den Anbieter zu wechseln, fährt womöglich doch mit Festgeld besser. Vorausgesetzt, man ist sich sicher, dass man das Geld in diesem Zeitraum auch nicht benötigt. Alternativ können Verbraucher auch gezielt nach einem Anbieter mit hohen Standardzinsen Ausschau halten.
Für alle Angebote gilt aber: Zinserträge auf Tages- und Festgeld sind kapitalertragssteuerpflichtig. Um steuerliche Freibeträge zu nutzen, kann man beim jeweiligen Kreditinstitut einen Freistellungsauftrag erteilen.


