Zwei helle Sterne bilden das Brüderpaar der Zwillinge. Zu den beiden hat sich derzeit der unübersehbare Riese Jupiter gesellt. Und Sternschnuppen hat das Sternbild auch noch im Gepäck.
In der klaren Winternacht erstrahlt das Sternbild Zwillinge. Erkennbar ist es an dem leuchtenden Doppelpunkt seiner zwei hellsten Sterne, Kastor und Pollux. Ein Zwillingspaar, wie es ungleicher nicht sein könnte, vereint als Sternbild das Sterbliche mit dem Göttlichen untrennbar am Himmel. Schaut man ganz genau hin, ist zu erkennen, dass die beiden Sterne tatsächlich sehr unterschiedlich sind.
Mythologie des Sternbilds Zwillinge
Leda, die Königin von Sparta, ist nach der griechischen Mythologie die Mutter der Zwillingsbrüder Kastor (auch: Castor) und Polydeukes (bei den Römern Pollux), die in inniger Verbundenheit zusammen aufwachsen und zu starken spartanischen Kriegern werden. Mit einem gehörigen Unterschied, denn die beiden Brüder haben der Legende nach nicht den gleichen Vater: Kastors Vater ist Ledas Gatte, König Tyndareos. Doch in der gleichen Nacht, in der Tyndareos Leda besuchte, war auch der Göttervater Zeus in Gestalt eines Schwans bei der Königin zu Gast und zeugte Kastors Bruder Polydeukes.
Die beiden Jungs störte das offenbar wenig, doch als Kastor, Sohn eines Normalsterblichen, sich nach einem tödlichen Kampf in die Unterwelt verabschieden musste, war sein unsterblicher Bruder, Sohn eines Gottes, untröstlich: Er würde ja irgendwann in den Olymp aufsteigen und Kastor niemals wiedersehen. Doch Zeus war gnädig und gewährte den Zwillingen die Möglichkeit, zusammen jeden Tag zwölf Stunden gemeinsam in der Unterwelt und zwölf Stunden im Olymp zu verbringen – als Sternbild am Firmament.
Sternenduo Kastor und Pollux – ein ungleiches Paar
Nach dem Brüderpaar sind die beiden hellsten Sterne des Sternbilds benannt. Sie zählen zu den hellsten Sternen, die über der Nordhalbkugel zu sehen sind: Pollux ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,16 mag auf Rang 12 der hellsten Sterne über Deutschland, der etwas dunklere Kastor erreicht mit 1,58 mag den 17. Platz. Zum Vergleich: Der hellste Stern Sirius, der immer etwas später fünf Handbreit entfernt unter den Zwillingen auftaucht, erreicht -1,46 mag.
Sie sind also zwar nicht die hellsten Sterne, doch die beiden Zwillingsterne sind nur gut zwei Fingerbreit (4,5 Grad) voneinander entfernt. Das macht sie zu einer sehr auffälligen Figur am Himmel: Diesen Doppelpunkt werden Sie leicht wiederfinden, wenn Sie ihn einmal gesehen haben. In galaktischen Dimensionen sind die beiden Sterne uns eher nah: Pollux ist nur etwa 35 Lichtjahre entfernt, Kastor rund 45 Lichtjahre.
Mehr als nur ein Bruder: das Sternensystem Kastor
Wenn Sie ein stark vergrößerndes Fernrohr oder Teleskop zur Hand haben oder in der nächstgelegenen Sternwarte nachfragen, dann lohnt es sich, Kastor genauer unter die Lupe zu nehmen, denn hinter dem Stern steckt in Wirklichkeit eine ganze Sternenbande: Drei Sterne umkreisen dort einander, von denen jeder selbst wieder ein Doppelstern ist. Doch deren kleinere Komponenten können nur spektroskopisch “gesehen” werden. Selbst durch gute Teleskope sind nur drei Sterne Kastors getrennt zu erkennen.
Zwillinge im hellen Wintersechseck
Die Zwillinge befinden sich in besonderer Nachbarschaft: Ringsum stehen einige der hellsten Sterne des ganzen Firmaments, versammelt im Wintersechseck. So heißt die Sternenkonstellation aus den sechs Sternbildern Zwillinge, Fuhrmann, Stier, Orion und Großer und Kleiner Hund. In diesem auffälligen Sternenring finden Sie die Zwillinge am linken Rand: links unter dem hellen Bogen des Fuhrmanns und links über dem Kleinen Hund.
Jupiter jetzt in den Zwillingen
In diesem Winter ist es besonders leicht, die Zwillinge zu finden: Jupiter hält sich gerade in dem Sternbild auf, unterhalb von Pollux. Der größte Planet im Sonnensystem ist so hell, dass er jeden Stern am Himmel übertrifft. Wenn Sie abends nach Osten (im Dezember und Januar, später dann eher Südosten oder Süden) blicken, sehen Sie Jupiter am Himmel prangen – groß und enorm hell. Und nicht weit davon das Sternenpaar Kastor und Pollux.
Das Sternbild Zwillinge – ein fast symmetrischer Burger
Das Sternbild Zwillinge besteht natürlich aus mehr als zwei Sternen. Seine Form – interpretiert als sich umarmendes Brüderpaar – erinnert etwas an einen Burger oder ein Rechteck und erstreckt sich von Kastor und Pollux ausgehend westwärts, nach rechts. Das Sternbild ist knapp zwei Handbreit lang und anderthalb Handbreit hoch und hat eine fast symmetrische Form.
Das nördlichste Sternbild im Tierkreis
Im Tierkreis – den zwölf Sternbildern entlang der Ekliptik, die auch aus der Astrologie bekannt sind – sind die Zwillinge das nördlichste Sternbild und damit dasjenige, das am höchsten steht. Bis zu 70 Grad über dem Horizont befinden sich seine nördlichsten Sterne, wenn das Sternbild seinen höchsten Punkt erreicht (in Norddeutschland ein paar Grad weniger). Das ist höher, als die Sommersonne mittags steht, wenn sie im Juni und Juli durch die Zwillinge zieht.
Nicht nur die Sonne und Jupiter, sondern auch alle anderen Planeten wandern auf dem Tierkreis entlang und damit regelmäßig durch das Sternbild Zwillinge. Dort erreichen sie dann immer ihren höchsten Punkt über dem Horizont.
Die Zwillinge – wo die Geminiden-Sternschnuppen herkommen
Der Dezember ist ein besonderer Monat für das Sternbild Zwillinge, denn dann wird der Sternschnuppen-Regen der Geminiden aktiv. Diese Meteore scheinen direkt aus dem Sternbild Zwillinge (Latein: Gemini) zu kommen. Tatsächlich haben die Geminiden aber mit dieser entfernten Sternenkonstellation weit außerhalb des Sonnensystems gar nichts zu tun. Nur ihr scheinbarer Ausstrahlungspunkt, der Radiant, liegt aus unserer Sicht in oder besser: vor diesem Sternbild.
Die Sternschnuppen selbst sind Teil unseres Sonnensystems. Eigentlich sind sie eine Dreckspur, die diesmal aber ausnahmsweise kein Komet hinterlassen hat, sondern vermutlich ein Asteroid. Die Geminiden sind einer der schönsten Sternschnuppen-Regen des Jahres, mit dem Höhepunkt am 14. Dezember.

