Papst Leo XIV. im Libanon: Ein Besuch zwischen Krieg und Frieden

Papst Leo XIV. im Libanon: Ein Besuch zwischen Krieg und Frieden

Stand: 01.12.2025 17:37 Uhr

Bei seinem Besuch im Libanon betet Papst Leo XIV. für Frieden in Nahost. Auch viele Christen dort sehen in der Reise des Pontifex ein Zeichen der Hoffnung. Doch es droht eine weitere Eskalation des Konflikts mit Israel.

Anna Osius

Die schmale Bergstraße nördlich von Libanons Hauptstadt Beirut ist dicht von Menschen gesäumt, die seit Stunden ausharren. Jubel brandet auf, als der Papst endlich in seinem Papamobil vorbeifährt. Der Himmel meint es nicht besonders gut mit dem Kirchenoberhaupt: In strömendem Regen rollt er zu den ersten Stationen seines Libanon-Besuchs und winkt unter einem großen weißen Schirm den Gläubigen zu. Viele haben schon seit der Nacht angestanden, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen.

“Wir hoffen, dass der Besuch des Papstes Frieden nach Beirut, in den Libanon und in die ganze Welt bringt”, sagt Jean, der sich extra mit einem Papst-Käppi geschmückt hat. Und der wartende Rafik fügt hinzu: “Der Besuch des Papstes ist ein Besuch der Hoffnung und der Erneuerung für den Libanon. Dank Besuchs wird der Libanon einen neuen Weg einschlagen, einen Weg des Friedens, den der Papst uns aufgezeigt hat.”

Tausende Menschen begleiteten den Besuch von Papst Leo XiV. an unterschiedlichen Orten im Libanon.

Besuch mit Friedensbotschaft

Darauf hoffen die Menschen im Libanon: Dass vom Papstbesuch eine Friedensbotschaft ausgeht – in einem Land, das seit Jahrzehnten von Kriegen und Konflikten geprägt ist und immer noch nicht zur Ruhe kommt. Fast täglich gibt es Luftangriffe aus Israel. Sie zielen auf die libanesische Hisbollah-Miliz, treffen aber auch oft Zivilisten.

Am Grab des wundertätigen Mönchs Charbel betet Papst Leo:

Für die Welt bitten wir um Frieden. Wir flehen darum besonders für den Libanon und die gesamte Levante. Doch wir wissen wohl und die Heiligen erinnern uns daran, dass es keinen Frieden ohne eine Umkehr der Herzen gibt. Möge der heilige Charbel uns daher helfen, uns Gott zuzuwenden und für jeden von uns um die Gabe der Umkehr zu bitten.

Im Anschluss gibt es ein Treffen mit Bischöfen und Priestern und eine Zusammenkunft mit katholischen Patriarchen. Später trifft der Papst auf dem Märtyrerplatz in Beirut Vertreter anderer Religionsgruppen. Am Abend folgt dann ein großes Jugendtreffen am Kardinalssitz von Bkerke – mehrere Chöre treten auf, es wird gesungen, rund 15.000 Teilnehmer kommen allein dorthin.

Begeisterung auch unter Muslimen

Der Papst löst im Libanon große Begeisterung aus – auch viele Muslime wollen das Kirchenoberhaupt sehen. Eine kleine Atempause in angespannten Zeiten: Bis Ende Dezember soll die Hisbollah ihre Waffen abgeben. Wenn sie es nicht tut, droht neuer Krieg mit Israel.

“Der Besuch des Papstes findet in einer schicksalhaften und historischen Phase für den Libanon statt, zwischen Krieg und Frieden”, so der libanesisch-christliche Politikanalyst Elias Al Zoghby im Sender Al Hadath. Dies sei eine sehr heikle Lage – und der Papst habe seinen Besuch im Libanon bewusst auf diesen Wendepunkt abgestimmt. “Daher hat sein Besuch, nicht nur eine spirituelle Dimension, sondern auch eine Dimension des schicksalhaften Friedens, der die Zukunft des Libanon bestimmen wird”, fügt Al Zoghby hinzu.

Ob der Besuch im Libanon allerdings mehr ist als nur schöne Bilder und Worte – daran haben viele Beobachter doch gewisse Zweifel. An der festgefahrenen politischen Situation und der drohenden erneuten Eskalation werde wohl auch ein Segen des Papstes im Libanon wenig ändern können. Wobei: Nach dem Sturzregen ist über dem Mittelmeer vor Beirut ein prächtiger Regenbogen zu sehen. Der ein oder andere Gläubige mag das wohl als ein Zeichen von oben sehen.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *