marktbericht
Der Ölpreis bestimmt die Richtung am Aktienmarkt. Steigende Energiepreise könnten die Verbraucherpreise anschieben und gleichzeitig die Konjunktur abwürgen – für den Aktienmarkt kein gutes Szenario.
Der DAX fällt im frühen Handel rund ein halbes Prozent auf 23.540 Punkte zurück. Das bisherige Tief seit Beginn des Iran-Kriegs lag am Montag bei 22.927 Punkten auf dem Niveau vom Mai vergangenen Jahres.
“Solange die Marke von 23.000 Punkten im DAX hält, ist die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts nicht aus dem Markt verschwunden. Die Anleger wollen an ein Konfliktende glauben”, stellt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, fest. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 1,4 Prozent auf 23.640 Punkten aus dem Handel gegangen.
Immer noch ist der Ölpreis das entscheidende Thema: “Die Zeit läuft gegen die Entwicklungen an den Finanzmärkten, und wenn das hohe Preisniveau beim Rohöl weiter anhält, könnte dies zu einer Rezession in Europa führen”, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets.
Die Tanker-Angriffe im Persischen Golf verschärfen die Sorge um einen weiteren Ölpreis-Schock. Die Politik bemüht sich nun, die Folgen der steigenden Energiepreise einzudämmen. Die Internationale Energieagentur will 400 Millionen Barrel ihrer Ölreserven auf den Weltmarkt pumpen. Auch US-Präsident Donald Trump will mit der Freigabe strategischer Reserven den Ölpreis stabilisieren. Bislang bleibt der Erfolg aus, der Anstieg der Ölpreise geht weiter.
Experten befürchten, dass sich die steigenden Energiepreise auch auf die Verbraucherpreise auswirken. Die EU warnt einem Medienbericht zufolge vor einem Anstieg der Inflation auf über drei Prozent im laufenden Jahr. Dies drohe, falls der Krieg im Nahen Osten den Preis für die Ölsorte Brent auf rund 100 Dollar treibe und Erdgas teuer bleibe, meldet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Das Wachstum für 2026 würde dann um bis zu 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen als die prognostizierten 1,4 Prozent.
Anleger schauen deshalb mit Sorge auf die Sitzungen der Notenbanken in der kommenden Woche. Experten zufolge nehmen die Chancen auf sinkende Leitzinsen wegen der gestiegenen Ölpreise ab.
“Die Sorge wächst, dass die Zentralbanken den Konsum drastisch drosseln müssen, um die Inflation einzufangen, ein Szenario, das die Weltwirtschaft und die Erträge der DAX-Konzerne massiv abwürgen könnte”, kommentieren die Marktbeobachter von ActivTrades.
Auch die Fachleute der Helaba äußern sich zum Thema Zinssenkungen: “Bis zum Ende dieses Jahres ist nur noch eine Zinssenkung um 25 Basispunkte vollständig eingepreist. Vor dem Iran-Krieg waren es zeitweise mehr als zwei Schritte.” Auch die EZB-Erwartungen hätten sich in den letzten zwei Wochen verändert, inzwischen werde auf eine Zinserhöhung gesetzt, und nicht mehr auf eine Senkung, so die Analysten.
Der Wirtschaft im Nahen Osten entgehen wegen eines Einbruchs der Reisetätigkeit infolge des Iran-Kriegs nach Schätzung eines Branchenverbands aktuell Einnahmen von rund 600 Millionen US-Dollar pro Tag. Durch die für den internationalen Flugverkehr bedeutenden Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Bahrain kämen normalerweise rund 526.000 Passagiere pro Tag, erklärte der in London ansässige Welttourismusverbands (WTTC).
Nicht nur der Krieg im Irak bestimmt das Marktgeschehen, heute stehen auch Bilanzen von DAX-Konzernen an. Beim Autobauer BMW schrumpfte der Umsatz 2025 um 6,3 Prozent auf 133,45 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben mit 7,45 Milliarden Euro drei Prozent weniger Gewinn übrig. Schwierigkeiten gab es für BMW vor allem in China. Der Absatz dort brach um 12,5 Prozent ein.
Der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gibt Zalando Rückenwind. “Wir können unseren Kunden und Partnern Angebote liefern, die bis vor Kurzem noch undenkbar waren”, sagte Robert Gentz, Co-Chef von Europas größtem Online-Modehändler, am Donnerstag. “Gleichzeitig steigern wir die Effizienz unserer eigenen Abläufe.”
Der Konzernumsatz kletterte 2025 um knapp 17 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 15,6 Prozent auf 591 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Zalando mit 213 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum mit 251 Millionen Euro.

