Nahost-Wirtschaft entgehen pro Tag 600 Millionen Dollar

Nahost-Wirtschaft entgehen pro Tag 600 Millionen Dollar

Stand: 12.03.2026 • 11:44 Uhr

Der Krieg im Iran kostet die Tourismusbranche in den Golfstaaten viele Millionen Dollar täglich. Noch viel bedeutender als der finanzielle Verlust könnte aber der Imageschaden für die Region sein.

Der Krieg im Nahen Osten verursacht dort täglich einen Millionenverlust. Wie der in London ansässige Welttourismusverband (WTTC) heute erklärte, führe der Einbruch der Reisetätigkeit infolge des Iran-Kriegs aktuell dazu, dass der Region jeden Tag Einnahmen von rund 600 Millionen Dollar entgehen.

Die Schätzung stützt sich dabei auf die WTTC-Prognose für den Nahen Osten für das laufende Jahr. Darin wurden vor dem Ausbruch des jüngsten Konflikts Ausgaben internationaler Besucher von rund 207 Milliarden Dollar prognostiziert.

Airlines, Hotels und Gastronomie betroffen

Besonders bedeutend ist der Einbruch in der Luftfahrt: Über die international bedeutsamen Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi, Doha und Bahrain kämen normalerweise rund 526.000 Passagiere pro Tag, so der WTTC. Seit Kriegsbeginn vor knapp zwei Wochen seien die Flughäfen geschlossen oder nur sehr eingeschränkt nutzbar. Darunter leiden vor allem die Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways, denen aktuell massiv Einnahmen wegbrechen.

Und auch für viele Hotels und Restaurants ist die aktuelle Situation ein harter Schlag. Weniger Touristen bedeutet weniger Umsatz in Shops, in Cafés, auf Märkten. Die Region verliert täglich Millionen, die sonst im Wirtschaftskreislauf geblieben wären.

Eine genaue Erfassung der entgangenen Einnahmen für die vom Iran-Krieg und dessen Folgen betroffenen Länder ist aktuell aber nicht möglich, betont der WTTC. Selbst bei groben Schätzungen bleiben viele unbekannte Faktoren.

Golfstaaten bangen um Image

Für die Golfstaaten sind aber nicht nur die tatsächlichen finanziellen Folgen ein Problem, sondern auch der Imageschaden. Sie fürchten um ihren Status als sichere Reiseziele. “Das Siegel ist gebrochen”, sagte der katarische Analyst Ahmed Hilal dem Sender Al Jazeera. Metropolen wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha galten lange als sichere Ziele. Nach Angriffen auf Flughäfen, Hotels und dicht bewohnte Gebiete könnte es dauern, bis sie diesen Status zurückerlangen.

Ob ein Konflikt dem Image einer Destination langfristig schade, hänge vor allem von seiner Dauer ab, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft, Jürgen Schmude: “Je länger er anhält, desto größer sind die Folgen”. Wenn der Konflikt im Nahen Osten schnell ende, könnten die Auswirkungen auf den Tourismus schon nach einem halben Jahr weitgehend vergessen sein.

Bei Reisen in Länder der Golfregion und bei Umsteigeverbindungen über Drehkreuze wie Dubai oder Doha, beobachtet der Reisekonzern TUI bereits eine Zurückhaltung bei Buchungen. “Erfahrungsgemäß setzen die betroffenen Reiseziele alles daran, den Tourismus schnell wieder anzukurbeln und das Vertrauen der Reisenden zurückzugewinnen”, teilte das Unternehmen mit.

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