Die belarussische Freiheitskämpferin erhält am heutigen Samstag in Aachen den Karlspreis, den sie 2022 nicht selbst entgegennehmen konnte.
Die Karlspreisverleihung im Mai 2022 war ein besonderes Ereignis. Die Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja, Veronica Tsepkalo und Maria Kalesnikava wurden für ihren Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in ihrer Heimat Belarus geehrt.
In ihrer Laudatio auf die Preisträgerinnen nannte die damalige Außenministerin Annalena Baerbock sie die “mutigsten Frauen Europas”. Trotz großer persönlicher Opfer hätten sie mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Empathie eine Freiheitsbewegung entstehen lassen. Sie seien Vorbilder für Millionen Frauen auf der ganzen Welt.
Im Gefängnis der Diktatur
Den Preisträgerinnen schlug in Aachen eine Welle der Sympathie entgegen. Nur eine von ihnen bekam davon nichts mit. Denn Maria Kalesnikava saß zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren in ihrer Heimat Belarus im Gefängnis.
Ich habe damals im Gefängnis etwas später von der Auszeichnung erfahren, die für mich ein großes Zeichen der Solidarität mit allen Belarussen war und ist.
Maria Kalesnikava, belarussische Bürgerrechtlerin und Karlspreisträgerin
Sie war als eine der Anführerinnen des Widerstands gegen die Herrschaft des Diktators Alexander Lukaschenko festgenommen und zu elf Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden. An ihrer Stelle nahm ihre Schwester Tatsiana Khomich an dem Festakt im Aachener Rathaus teil.
Khomich hielt stets ein Bild von Maria Kalesnikava in den Händen, um daran zu erinnern, warum ihre Schwester nicht teilnehmen konnte und was ihre Schwester zu diesem Zeitpunkt in den Händen des diktatorischen Regimes in ihrer Heimat erleiden musste.
Unmenschliche Haftbedingungen
Für die belarussische Bügerrechtlerin war die Zeit im Gefängnis eine Qual. Sie musste einen Großteil der Haft in strenger Isolation verbringen. Sogar der Kontakt zu ihrer Familie und ihren Anwälten wurde ihr in dieser Zeit verweigert. Außerdem litt sie unter schweren gesundheitlichen Problemen. Maria Kalesnikava musste wegen eines Magengeschwürs operiert werden und magerte völlig ab.
Nach Angaben der belarussichen Opposition wog sie zeitweise nur noch 40 Kilogramm. Schließlich kam sie, nach über fünf Jahren hinter Gittern, im Dezember des vergangenen Jahres überraschend frei – ein Erfolg von Vermittlungsbemühungen der USA. Nur etwas mehr als drei Monate nach ihrer Entlassung kehrt sie nun auf die europäische Bühne zurück.
Ein Festakt der Solidarität
Die feierliche, nachträgliche Überreichung des Karlspreises soll nach Angaben des Karlspreisdirektoriums mehr als nur eine Geste oder ein formaler Akt sein.
Dass wir Maria Kalesnikava nun in Aachen empfangen dürfen, ist ein starkes Signal für alle, die in Europa für Freiheit und Demokratie eintreten.
Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums
Kalesnikava erklärte, es sei eine “riesige Ehre” diesen Preis zu bekommen.
Im Rahmen des am Samstagmorgen um 11.00 Uhr beginnenden Festakts im Krönungssaal des Aachener Rathauses wird Maria Kalesnikava mit Armin Laschet auch über ihre Zeit im Gefängnis, die Haftbedingungen, den Wert der Freiheit und die Zukunft eines demokratischen Belarus sprechen.
Quellen:
- Katholische Nachrichten Agentur
- AFP
Sendung: WDR.de, Bürgerrechtlerin Kalesnikava bekommt Karlspreis, 13.03.2026, 13.55 Uhr
