marktbericht
Die Eskalation des Iran-Krieges, aber auch gestiegenen Inflationssorgen lasten schwer auf dem Aktienmarkt. Der DAX wird deutlich schwächer erwartet. Im besonderen Fokus stehen heute die Notenbanken.
Der DAX wird heute schwächer erwartet. In ersten Indikationen am frühen Morgen deutet sich ein Rückgang um rund 1,6 Prozent an. Damit setzt sich die extrem nervöse Lage am Aktienmarkt fort. Bereits am Vortag hatte der DAX einen Erholungsversuch abgebrochen und rund ein Prozent leichter geschlossen. Denn im Krieg am Persischen Golf gibt es nach wie vor keine Entspannungssignale. Und auch die Notenbanken rücken zunehmend ins Blickfeld der Investoren.
All großen US-Aktienindizes haben am zur Wochenmitte schwächer geschlossen. Der Leitindex Dow Jones verlor 1,63 Prozent auf 46.225 Punkte. Auch die Technologielastige Nasdaq gab rund 1,4 Prozent nach. Der marktbreite S&P 500 verlor gut 1,3 Prozent.
Die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik angesichts des Nahost-Konflikts hat den US-Anlegern dabei die Laune verdorben. Nachdem die US-Notenbank Fed signalisierte, die Zinsen in diesem Jahr voraussichtlich nur einmal zu senken, bauten die großen Indizes im späten Handel ihre Verluste aus.
Die Währungshüter ließen den Leitzins wie von Experten erwartet zwar unverändert zwischen 3,5 und 3,75 Prozent. Aus den neuen Projektionen geht jedoch hervor, dass der Zins bis Jahresende nur um einen Viertelprozentpunkt sinken dürfte. Einen Zeitplan nannten die Zentralbanker nicht. Sie verwiesen auf die wirtschaftlichen Risiken durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran.
Die Auswirkungen des Kriegs auf die US-Wirtschaft seien “ungewiss”, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch in Washington und fuhr fort: “Kurzfristig werden höhere Energiepreise die Gesamtinflation anheizen”. Es sei aber “noch zu früh, um das Ausmaß und die Dauer der möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft zu kennen”.
Für Unruhe sorgte zudem ein erneuter Sprung des Ölpreises, der auch im frühen europäischen Geschäft weiter bestand hat. Die Referenzsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich auf fast 110 Dollar je Fass, nachdem eine iranische Nachrichtenagentur über Angriffe auf Energieanlagen in Süd-Pars und Asaluyeh berichtet hatte.
Dies schürte an der Wall Street Inflationssorgen. Zuvor hatte das US-Arbeitsministerium mitgeteilt, dass die Erzeugerpreise um 3,4 Prozent gestiegen seien – deutlich stärker als die von Experten erwarteten 2,9 Prozent. Die Fed geht davon aus, dass der Ölpreisanstieg nur vorübergehende Effekte auf die Teuerung hat.
Weiteren Aufschluss erhoffen sich die US-Anleger von neuen Konjunkturzahlen. Am Nachmittag werden die wöchentlichen Erstanträge vom Arbeitsmarkt sowie der Philly-Fed-Index erwartet. Der Philly-Fed misst die Wirtschaftsaktivitäten im Großraum Philadelphia und wird an der Börse als Konjunkturindikator beachtet.
Auch an den asiatischen Märkte sinken die Kurse- In Tokio gibt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index über 2,5 Prozent nach. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um rund 1,0 Prozent.
“Diese jüngste Eskalation fühlt sich wie ein Wendepunkt für die Märkte an, weil der Konflikt nicht mehr nur um militärische Schlagzeilen oder die Schließung der Straße von Hormus geht”, sagte Charu Chanana, Chefanlagestratege bei Saxo in Singapur. “Er trifft jetzt das Fundament des globalen Energiesystems.”
Trotz des Ölpreisschocks dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) eine weitere Zinspause einlegen. Viele Experten erwarten, dass der Einlagensatz vorerst bei 2,0 Prozent gehalten wird, im Sommer allerdings eine Erhöhung folgen könnte. Die europäischen Währungshüter kommen heute in Frankfurt zu ihrer Zinssitzung zusammen. Auch die Bank of England tagt heute.
Gleichzeitig geht hierzulande die Berichtssaison der Unternehmen weiter. Aus dem DAX berichtet der Wohnungskonzern Vonovia seine Jahreszahlen. Aus der zweiten Reihe legen unter anderem der Internetkonzern 1&1, der Infrastrukturkonzern Vossloh sowie der Spezialchemiekonzern Lanxess ihre Jahreszahlen vor.
Einen Blick werden die Anleger auch auf das heutige EU-Gipfeltreffen werfen, bei dem es primär um den Krieg im Nahen Osten geht.

