Der Pakt mit Australien ist Teil eines wachsenden Engagements im indopazifischen Raum. Doch auch sonst hat die EU überall auf der Welt Handelsabkommen. Ein Überblick.
Über 40 Abkommen mit mehr als 70 Partnern hat die Europäische Union (EU) nach Angaben des Europäischen Parlaments geschlossen. Dabei geht es oft um Investitionen und den Abbau von Zöllen.
Heute gab die EU den neuesten Deal mit Australien bekannt. Doch schon in den vergangenen Monaten und Jahren hatte die EU mehrere Abkommen besiegelt, um sich im Welthandel breiter aufzustellen und Lieferketten zu stärken – auch als Reaktion auf die unberechenbare Politik der USA unter Donald Trump.
Indonesien und Indien
So erhöhte die EU zuletzt ihr Engagement im indopazifischen Raum – und hatte kürzlich weitere Handelsabkommen in der Region verhandelt. Ein im September 2025 geschlossener Pakt mit Indonesien sichert Brüssel etwa den Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie Nickel, das für E-Auto-Batterien wichtig ist. Im Januar dieses Jahres wurde außerdem mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, Indien, eine Freihandelszone mit fast zwei Milliarden Menschen vereinbart.
Mercosur
Kurz zuvor hatten die EU-Länder nach mehr als 25 Jahren der Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela und Bolivien) zugestimmt. Trotz einer noch ausstehenden Überprüfung durch den Europäischen Gerichtshof soll es ab dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet werden.
Damit fallen zahlreiche Zölle zwischen der EU und Brasilien, Argentinien sowie Uruguay weg. Mit Paraguay hatte vor wenigen Tagen auch das letzte beteiligte Land aus Südamerika den Vertrag gebilligt, nach Angaben aus Brüssel aber noch keine offizielle Mitteilung an die EU-Kommission geschickt. Geschieht das bis Ende März, sollen auch die Zölle im Handel mit Paraguay zum 1. Mai wegfallen.
Die Mitgliedschaft von Venezuela ist dagegen seit 2017 suspendiert. Und auch Bolivien ist zunächst nicht Teil des Mercosur-Abkommens mit der EU. Das jüngste Mitglied des “Mercado Común del Sur” war nicht an den Verhandlungen beteiligt, kann aber in den kommenden Jahren dem Deal beitreten.
Chile
Die Aktualisierung eines Deals mit einem weiteren südamerikanischen Staat hatte das europäische Parlament im Februar 2024 genehmigt. Damit wurden fast alle Zölle im Handel mit Chile abgeschafft. Außerdem macht das Abkommen wichtige Rohstoffe wie Lithium und Kupfer für die EU zugänglicher.
USA
Nachdem Präsident Trump neue Zölle für Importe aus dem Ausland eingeführt hatte, verhandelte die EU im Sommer 2025 ein Abkommen mit den USA. Im Gegenzug für die zollfreie Einfuhr von US-Industriegütern verpflichteten sich die Vereinigten Staaten, die Zölle auf die meisten EU-Importe auf 15 Prozent zu begrenzen. Doch das Europäische Parlament hatte den Deal Mitte Februar auf Eis gelegt, weil der Oberste Gerichtshof die meisten der von Trump verhängten Zölle für unrechtmäßig erklärt hatte. Dieser kündigte daraufhin umgehend neue an.
Am vergangenen Donnerstag stimmte nun der Handelsausschuss des Europaparlaments doch für das Abkommen – allerdings unter Bedingungen. Bevor es in Kraft treten könne, müsse die US-Seite verbindlich zusagen, die Vereinbarungen einzuhalten und Fortschritte beim Abbau der Extrazölle auf Stahl- und Aluminium-Folgeprodukte vorlegen, teilte der Vorsitzende Bernd Lange (SPD) mit. Das Abkommen muss für die Umsetzung noch von Parlament und Mitgliedstaaten angenommen werden.
Zwischen 2013 und 2016 hatten die EU und die USA zudem über das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP verhandelt. Mit der erstmaligen Wahl Trumps zum US-Präsidenten wurden die Verhandlungen jedoch unterbrochen und seither nicht wieder aufgenommen.
Kanada und Mexiko
Mit Kanada ist dagegen ein Freihandelsabkommen, bekannt als das umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA), schon seit 2017 vorläufig in Kraft. Zwar steht die vollständige Ratifizierung aller EU-Mitgliedstaaten noch aus, es vereinfacht aber schon den Marktzugang für Dienstleistungen und fördert Investitionen durch reduzierte Zölle.
Im Januar 2025 erklärte die EU-Kommission, dass die Verhandlungen mit Mexiko über die Überarbeitung der Handelsbestimmungen des Globalabkommens abgeschlossen wurden. Danach hat Mexiko fast alle Zölle auf die Einfuhr von Waren aus der EU aufgehoben, um sie dort wettbewerbsfähiger und für mexikanische Verbraucherinnen und Verbraucher attraktiver zu machen.
Japan und Vietnam
Mit dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen der EU mit Japan, das im Februar 2019 in Kraft trat, wurden fast alle von europäischen und japanischen Unternehmen gezahlten Zölle aufgehoben. Auch mit Vietnam wurde 2020 ein Deal abgeschlossen. Mit China laufen dagegen dem Europäischen Parlament zufolge keine Verhandlungen über Freihandel.
Im Jahr 2020 einigte sich die EU zwar mit der Volksrepublik auf Abkommen zum Schutz der Ursprungsbezeichnungen und umfassende Investitionen. Nachdem China jedoch viele Beamte, Denkfabriken und Wissenschaftler aus Europa sanktioniert hatte, lehnte das Parlament im Folgejahr die Weiterarbeit ab. Dazu kommen Menschenrechtsbedenken mit Blick auf Xinjiang und Hongkong.
Europa
Die europäischen Länder, die nicht in der EU sind, unterhalten mit ihr enge Handelsbeziehungen. So sind etwa Island, Liechtenstein und Norwegen Mitglieder in der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und regeln die Beziehungen mithilfe des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum.
Die Schweiz ist zwar ebenfalls Mitglied der EFTA. Mit dem Nachbarland Deutschlands gilt aber ein eigenes Freihandelsabkommen aus dem Jahr 1972.
Mit dem Vereinigten Königreich hat die EU nach dem Brexit ein Handels- und Kooperationsabkommen geschlossen, in dem Handelsbedingungen wie Nullkontingente, Nullzölle und Regeln für fairen Wettbewerb festgelegt sind. Es trat im Mai 2021 in Kraft.
Afrika
In Afrika hat die EU nach Angaben des Europaparlaments mit 18 Ländern Vereinbarungen getroffen – wie etwa das 2024 in Kraft getretene Freihandelsabkommen mit Kenia. Dazu kommt, dass viele afrikanische Staaten von der EU-Regelung “Everything But Arms” (EBA) oder übersetzt “Alles außer Waffen” profitieren.
Mit dem EBA-System wurden 2001 Zölle und Kontingente für alle Einfuhren von Waren (mit Ausnahme von Waffen und Munition) abgeschafft, die aus den am wenigsten entwickelten Ländern in die EU eingeführt werden. Dank der verschiedenen Abkommen gelangen den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der Ausfuhren aus Afrika zollfrei in den EU-Binnenmarkt.
Rest der Welt
Zu den EBA-Ländern gehören aktuell auch Afghanistan, Nepal, Bangladesch, Kambodscha oder Laos. Darüber hinaus unterhält die EU viele kleinere Abkommen mit Ländern im Rest der Welt – zum Beispiel im Nahen Osten. 2022 schloss sie zudem mit Neuseeland ein Freihandelsabkommen ab, dem der Rat noch zustimmen muss.


