273 Millionen Kinder können weltweit keine Schule besuchen

273 Millionen Kinder können weltweit keine Schule besuchen

Stand: 25.03.2026 • 14:59 Uhr

Weltweit können Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule gehen. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl immer weiter an. Auch in Deutschland gibt es laut einem UN-Bericht beim Thema Bildungsgerechtigkeit Probleme.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen weltweit, die nicht in die Schule gehen, ist weiter gestiegen. Laut einem neuen Bericht der UNESCO besuchten 2024 weltweit rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche keine Schule. Damit stieg die Zahl schon das siebte Jahr in Folge.

Besonders dramatisch sei die Situation in Konfliktregionen, heißt es in dem UNESCO-Bericht. Mehr als jedes sechste Kind lebe in einem Gebiet, das von Konflikten betroffen ist. Im Nahen und Mittleren Osten etwa hätten die regionalen Spannungen zahlreiche Schulschließungen nach sich gezogen.

Ein weiterer Befund: nur zwei von drei Jugendlichen erreichten einen Sekundarschul-Abschluss. Gründe sind laut der UN-Organisation für Kultur und Bildung Krisen, Bevölkerungswachstum und geringere finanzielle Mittel. UNESCO-Chef Khaled El-Enany sprach von einem beunruhigenden Trend. Besonders stark sei dieser in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Als Grund nennt die UNESCO hier vor allem eine wachsende Bevölkerung.

Jugendliche in Charkiw in der Ostukraine lernen wegen der russischen Angriffe unterirdisch in gesicherten Räumen.

Keine Strategie, die weltweit hilft

Auch die öffentlichen Bildungsfinanzierung der Staaten gehe zurück. Aber kostenfreie Bildung alleine reiche nicht, so die UNESCO-Studie: der Schulbesuch müsse auch verpflichtend sein, um Bildungsgerechtigkeit zu fördern.

Um mehr Kindern Schulbildung zu ermöglichen, gibt es laut UNESCO keine einheitliche Lösung. Vielmehr müssten lokale Gegebenheiten berücksichtigt werden. In einigen Ländern hätten aber eine Schulpflicht und Gesetze gegen Kinderarbeit geholfen. Mädchen sind zudem öfter benachteiligt als Jungen.

Anderswo beobachteten die Fachleute, dass es einen Zusammenhang zwischen Schulessen beziehungsweise Stromversorgung und längerer Schulbildung von Kindern und Jugendlichen gibt.

Es gibt auch positive Beispiele

Hinter den hohen Zahlen derer, die keine Schule besuchen, verbirgt sich aber laut UNESCO auch eine erfreulichere Entwicklung: nämlich stark steigende Einschulungszahlen. Mit weltweit 1,4 Milliarden Schülern im Jahr 2024 ist die Zahl der Einschulungen im Primar- und Sekundarbereich seit dem Jahr 2000 um 327 Millionen gestiegen, was 30 Prozent entspricht.

Auch wenn zuletzt wieder mehr Kinder von der Schule ausgeschlossen waren, sieht die UNESCO seit der Jahrtausendwende teils beachtliche Verbesserungen. In Madagaskar und Togo etwa sei der Anteil der Kinder, die nicht zur Schule gingen, seit 2000 um 80 Prozent zurückgegangen. In Marokko und Vietnam treffe das Gleiche auf Jugendliche zu. Auch in der Elfenbeinküste, der Türkei und Georgien gingen die Zahlen stark zurück.

Kein gutes Zeugnis für Deutschland

Auch Deutschland kommt bei dem UNESCO-Bericht nicht gut weg: Die Bundesrepublik liegt bei der Bildungsgerechtigkeit hinter anderen europäischen Staaten zurück. “Fast vier von fünf Kindern aus wohlhabenden Haushalten, aber weniger als eines von drei Kindern aus benachteiligten Haushalten erhalten eine Gymnasial-Empfehlung”, heißt es im Bericht.

“Der neue UNESCO-Weltbildungsbericht ist ein Weckruf”, sagte die Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer. Es sei daher entscheidend, Benachteiligungen früh abzubauen und öffentliche Mittel so einzusetzen, “dass sie dort ankommen, wo der Unterstützungsbedarf am größten ist”, so Böhmer.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund seien in der beruflichen Ausbildung überrepräsentiert. Immerhin: Der Bericht erkennt an, dass “jüngere Reformen in Deutschland das Ziel verfolgten, benachteiligte Gruppen besser zu unterstützen”.

Im Vergleich zu anderen Ländern verteile Deutschland Schülerinnen und Schüler “deutlich früher” auf verschiedene Schulformen, nämlich im Alter von etwa zehn Jahren. “Die Entscheidungen werden stark vom sozioökonomischen Status der Eltern beeinflusst”, betonen die Autoren des Berichts.

Einkommen der Eltern entscheidet über Bildungschancen

Selbst wenn sie eine Gymnasial-Empfehlung erhalten, entscheiden sich demnach 17 Prozent der Kinder aus benachteiligten Familien gegen den Besuch eines Gymnasiums. Im Jahr 2022 entschied sich mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler aus Familien mit geringem Einkommen für eine Haupt- oder Realschule.

Umgekehrt besuchten 68 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus wohlhabenderen Familien ein Gymnasium. Bei gleicher Leistung wechselten Kinder aus privilegierten Familien häufiger nachträglich auf ein Gymnasium als Kinder aus ärmeren Familien.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *