Deutsche Raumfahrt: Zweiter Test von Isar Aerospace-Rakete

Deutsche Raumfahrt: Zweiter Test von Isar Aerospace-Rakete

Stand: 25.03.2026 • 12:50 Uhr

Das Startup Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München will seine Rakete Spectrum zum zweiten Mal testen. Der erste Start endete nach etwa 30 Sekunden mit einer spektakulären Explosion im Meer.

Sollte Spectrum von der norwegischen Insel Andøya aus eine Umlaufbahn erreichen, wäre das das erste Mal für eine deutsche Rakete. Aber um solche Rekorde geht es Mitgründer und Geschäftsführer von Isar Aerospace Daniel Metzler nicht. Raumfahrt sei essenziell für eine widerstandsfähige Gesellschaft, sagt er, und mit nur acht von weltweit 330 Starts ins All vergangenes Jahr sei Europa in der Raumfahrt hinterher.

Europas Raketenkrise

Mit der Ariane 6 und der Vega C gibt es in Europa zwar eine Schwer- und eine Mittellastrakete, die auch den deutschen Zugang zum All sichern. Doch weil sich die Entwicklung der beiden Raketen länger zog als erwartet, und zu Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine mit Russland ein großer Partner der europäischen Raumfahrt wegbrach, stürzte Europa ab etwa 2022 in die sogenannte Raketenkrise.

“Zeitweise konnte Europa nicht mit eigenen Raketen das All erreichen – ein Weckruf”, sagt Anke Pagels-Kerp, Vorständin für den Bereich Raumfahrt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR. Die kritische Infrastruktur im All müsse durch eigene Kapazitäten aufgebaut und instandgehalten werden können.

Deshalb gibt es auch öffentliche Förderungen für Startups wie Isar Aerospace, etwa von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Der Großteil der Finanzierung des bayerischen Startups stammt allerdings aus privatem Risikokapital.

(Nicht ganz so) kleine Raketen…

Die Spectrum-Rakete könnte allerdings keine Lücken füllen, falls die Ariane 6 oder Vega C ausfallen würden. Um – zum Beispiel – Satelliten des Navigationssystems Galileo ins All zu bringen, ist sie zu klein.

Sie gehört, wie die sich in Entwicklung befindlichen, Raketen der Rocket Factory Augsburg und dem baden-württembergischen Hyimpulse zur Klasse der sogenannten Mikrolauncher. Was sich klein anhört, ist im Falle der Spectrum auf der Startrampe immerhin knapp 30 Meter hoch.

“Mikro” bezieht sich darauf, dass diese Raketen bis zu etwa einer Tonne in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen können. Zum Vergleich: Die Mittellastrakete Vega C kann etwa fünf Tonnen befördern, die Schwerlastrakete Ariane 6 schafft 20 Tonnen. Das US-amerikanische Unternehmen SpaceX will mit seinem Starship künftig bis zu 250 Tonnen auf einmal ins All bringen.

…für (sehr) kleine Satelliten

Ein möglicher Einsatzzweck für Mikrolauncher könnten Erdbeobachtungssatelliten sein, sagt Anke Pagels-Kerp. Ein großer Satellit könnte in Zukunft von mehreren kleinen ersetzt werden, die gleichmäßig verteilt um die Erde kreisen. So kann auch die sogenannte revisit time verkleinert werden, die Zeit zwischen zwei Überflügen eines bestimmten Punktes auf der Erde.

Auch für Kleinstsatelliten, sogenannte CubeSats, können die Spectrum und vergleichbare Raketen in Zukunft eingesetzt werden. In ihrer kleinsten Form sind das würfelförmige Satelliten mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern. Sie sind vergleichsweise günstig herzustellen und zu starten und so auch für kleinere und mittlere Unternehmen und Universitäten erschwinglich. Die Spectrum könnte Dutzende solcher CubeSats auf einmal starten.

Weniger Nutzlast bedeutet mehr Exklusivität

Kleinere Satelliten fliegen derzeit oft mit sogenannten Rideshare-Missionen ins All, bei denen viele Satelliten mit einer Rakete gestartet werden. Kunden können sich zum Beispiel über das Berliner Unternehmen Exolaunch in solche Missionen einkaufen.

Einzelne Kunden haben dann allerdings weniger Einfluss auf den genauen Startzeitpunkt oder die Zielumlaufbahn. Mikrolauncher werden deshalb etwa auch für Forschungssatelliten des DLR interessant sein, sagt Raumfahrtbereichsleiterin Anke Pagels-Kerp. Als einziger Kunde, kann man sehr viel genauer bestimmen, wann und wohin die Rakete startet.

“Eine Frage von Monaten”

Doch noch ist Isar Aerospace nicht so weit. Beim ersten Test der Spectrum vor etwa einem Jahr habe das Unternehmen mehr als in zwei Jahren von Simulationen gelernt, sagt Geschäftsführer Daniel Metzler. Trotzdem tut er sich schwer damit, ein konkretes Ziel für den zweiten Test zu nennen, etwa das Erreichen einer Umlaufbahn oder die Trennung der beiden Stufen.

Ziel sei es, die einzelnen Systeme zu testen, sagt er. Wird dabei ein System über seine Grenzen hinaus getestet, bedeutet das wahrscheinlich wieder eine spektakuläre Explosion. Doch auch dann hat das Unternehmen wieder etwas gelernt. Daniel Metzler glaubt aber, die Frage sei nicht ob, sondern wann man eine Umlaufbahn erreiche. Und das sei “eine Frage von Monaten.”

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