Krieg gegen Ukraine: “Anzeichen für Frühjahrsoffensive der Russen”

Krieg gegen Ukraine: “Anzeichen für Frühjahrsoffensive der Russen”

Stand: 27.03.2026 • 09:09 Uhr

Mit dem Frühlingsbeginn gibt es in der Ukraine wieder intensivere Kampfhandlungen entlang der Front. Doch ukrainische Beobachter glauben nicht, dass die russischen Offensivpläne Aussicht auf Erfolg haben.

In einem Vorort von Kramatorsk betreibt eine ukrainische Einheit eine Werkstatt. Vor einer Baracke machen zwei Soldaten gerade eine Bodendrohne für ihren nächsten Einsatz wieder fit und schweißen Teile des kleinen unbemannten Fahrzeugs.

Es sei für die Versorgung mit Lebensmitteln da, erzählt Jossyp, stellvertretender Kommandant der Einheit. Demnächst solle die Drohne zu den Kampfstellungen fahren und die Versorgung dort sicher stellen.

“Verstärkte Angriffe, wenn Boden trockener wird”

Die Stellungen liegen ungefähr in 20 Kilometer Entfernung. Ein schwieriger Frontabschnitt, sagt Jossyp. Das russische Militär versuche dort, in kleinen Gruppen vorzustoßen. Seine Einheit habe die Situation aber unter Kontrolle.

“Es gibt Anzeichen für eine Frühjahrsoffensive der Russen. Aus öffentlich zugänglichen Quellen wissen wir, dass der Feind in Richtung Kramatorsk eine Panzereinheit mit modernster Ausrüstung konzentriert hat”, sagt der 33-Jährige.

In diesem Abschnitt sammelten sich nun die russischen Truppen und lagerten Ausrüstung und Waffen für die Frühjahrsoffensive. Jossyp rechnet mit baldigen verstärkten Angriffen, wenn der noch schlammige Boden wieder trockener wird.

Schon jetzt intensivere Kämpfe

Der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Olexandr Syrskyj, nimmt schon jetzt wahr, dass mit dem wärmeren Wetter Russland den Druck an mehreren Frontabschnitten verstärkt hat. Es gebe einen deutlichen Anstieg in der Intensität der Kampfhandlungen.

“Den Schwerpunkt legen die Besatzer auf die Richtungen Pokrowsk und Olexandriwka, wo die meisten Angriffe registriert wurden”, schreibt Syrskyj in seinem Telegram-Kanal. “Dank des professionellen und koordinierten Vorgehens der ukrainischen Soldaten konnten die Offensivaktionen des Gegners in mehreren Richtungen gestoppt werden.”

An einigen Frontabschnitten dauerten die Gefechte mit hoher Intensität weiterhin an. Russland sei aber gezwungen, seine Kräfte neu zu gruppieren, so Syrskyj.

Beobachter sehen keine Erfolgsaussichten

Auch ukrainische Beobachter sehen keine Erfolgsaussichten für die russische Frühjahrsoffensive. Laut Oleksij Melnyk, Co-Direktor des ukrainischen Thinktanks Razumkov, ist es der Ukraine gelungen, die Vorbereitungen für die geplante Offensive zu stören. “Die ukrainischen Verteidigungskräfte haben die Intensität und Wirksamkeit ihrer Angriffe auf Ziele in fünfzig oder hundert Kilometern Entfernung verstärkt. Das heißt, derzeit wird der Großteil des russischen Personals und der Ausrüstung vernichtet”, so Melnyk in einem Interview mit der ARD.

Es gebe derzeit für Russland praktisch keine Möglichkeit, Offensivkräfte in der Nähe der Front zu konzentrieren. Nach Angaben des ukrainischen Oberkommandierenden Syrskyj hat Russland so innerhalb einer Woche mehr als 8.700 Soldaten verloren, die getötet oder verwundet wurden.

Russland besetzt weitere Territorien

Der Militärbeobachter Kostjantyn Maschowez rechnet aber mit einem baldigen russischen Angriff auf die Festungsstädte Slowjansk und Kramatorsk. “Er dürfte gegen Ende des Frühlings, Anfang des Sommers stattfinden”, schreibt Maschowez auf seiner Facebook-Seite. Allerdings hält der Beobachter einen solchen Angriff nicht für sehr erfolgversprechend, denn vorher müsse Russland erst die Stadt Lyman einnehmen. Das ist bisher nicht gelungen.

Doch trotz der ukrainischen Erfolge gelingt es Russland weiterhin, Gebiete zu besetzen. Wie die ukrainischen Blogger von Deep State berichten, soll Russland Territorium in der südöstlichen Region Saporischschja erobert haben. Auch im Gebiet Charkiw soll Russland Deep State zufolge in den vergangenen Tagen vorgerückt sein.

Die Ukrainer könnten allerdings größere Erfolge erzielen, hätten sie die ausreichenden Mittel dafür, findet Militärexperte Melnyk. Das ukrainische Militär verfüge über zu wenige Raketen und Marschflugkörper mittlerer Reichweite.

Herausforderungen durch Iran-Krieg

Probleme für die Ukraine verursacht vielen Beobachtern zufolge der gleichzeitig laufende Krieg im Nahen Osten. Die USA könnten der Ukraine weniger Waffen zur Verfügung stellen, weil sie diese selbst im Krieg gegen den Iran benötigen.

Allerdings sei das auch keine Katastrophe, meint Melnyk. “Heute werden immer mehr Bedürfnisse der ukrainischen Verteidigung durch die heimische Industrie und durch die Produktion unserer europäischen Partner gedeckt.” Daher bedeuteten weniger Waffen aus den USA zwar eine zusätzliche Herausforderung, aber es sei kein Wendepunkt im Krieg.

Kommandeur Jossyp in Kramatorsk hofft auf weitere militärische Hilfen aus dem Ausland. “Woran es gerade mangelt, ist die Flugabwehr.” Mehr als vier Jahre nach dem Beginn der russischen Großinvasion seien die Soldaten erschöpft, sagt Jossyp.

“Um ehrlich zu sein, ist die Stimmung ziemlich negativ.” Die meisten würden einberufen, kämen aus dem zivilen Leben, erklärt er. “Sie dachten, der Krieg würde schneller zu Ende gehen.” Trotzdem werden seine Männer durchhalten und ihren Job erfüllen, ist sich Jossyp sicher.

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