Nach einem klaren Wahlsieg ist Balendra Shah als Regierungschef von Nepal vereidigt worden. Viele verbinden mit dem 35-Jährigen die Hoffnung auf Reformen – doch die Herausforderungen sind groß.
Der ehemalige Rapper Balendra Shah ist neuer Regierungschef von Nepal. Drei Wochen nach dem deutlichen Sieg seiner Partei bei der Parlamentswahl legte der 35-Jährige, der auch unter dem Künstlernamen “Balen” bekannt ist, in Kathmandu seinen Amtseid ab. Er ist der bisher jüngste Regierungschef des Landes seit der Wiedereinführung des Mehrparteiensystems 1990.
Shah wurde zunächst als Rapper bekannt und machte sich später als Bürgermeister Kathmandus einen Namen. In Nepal verbinden viele Menschen mit ihm die Hoffnung auf einen politischen Neuanfang.
Wahl nach schweren Unruhen
Die vorgezogene Wahl am 5. März war die erste Abstimmung seit den tödlichen Unruhen vor rund einem halben Jahr. Eine Sperrung von Social-Media-Plattformen hatte im September Zehntausende, überwiegend junge Menschen der “Generation Z”, auf die Straße getrieben. Die Proteste richteten sich vor allem gegen Korruption und Vetternwirtschaft. Mehr als 70 Menschen waren durch Polizeigewalt ums Leben gekommen.
Infolge der Demonstrationen trat der damalige Regierungschef Khadga Prasad Sharma Oli zurück und das Parlament wurde aufgelöst. Übergangsweise führte die frühere Verfassungsrichterin Sushila Karki die Regierung.
Leitmotiv “Wandel”
Bei der Wahl Anfang März gewann Shahs zentristische Partei Rastriya Swatantra Party (RSP), die erst 2022 gegründet wurde, fast zwei Drittel der Sitze im Unterhaus. Mit 182 Mandaten setzte sie sich klar gegen etablierte Kräfte wie den Nepali Congress und die Kommunistische Partei Nepals (CPN-UML) durch. Das Unterhaus gilt als die einflussreichere Parlamentskammer.
Der Politologe Dinesh Kafle von der Universität von Kathmandu erklärt, “Wandel” sei das Leitmotiv des Wahlkampfs gewesen. Viele Menschen hätten einfach neue Gesichter in der Politik gewollt. “Wir wollten neue Leute, wir wollten junge Leute, die uns führen. Und wir wollten eine neue politische Kultur”, so Kafle.
Shah steht vor großen Herausforderungen
Shah steht nun vor erheblichen Herausforderungen. Innenpolitisch geht es darum, Korruption einzudämmen, die Wirtschaft anzukurbeln und die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.
Außenpolitisch muss sich die neue Regierung politisch und wirtschaftlich mit den beiden großen Nachbarn Indien und China arrangieren, ohne die Eigenständigkeit Nepals zu gefährden.

