Spanien vor Touristenansturm: 100 Millionen Besucher erwartet

Spanien vor Touristenansturm: 100 Millionen Besucher erwartet

Stand: 28.03.2026 • 08:13 Uhr

Trotz aller Krisen: Beim Urlaub wollen Deutsche nicht sparen. Spanien ist beliebter denn je. Das Land erwartet in diesem Jahr 100 Millionen Besucher. Doch es gibt eine Unbekannte in der Rechnung.

Sebastian Kisters, HR

An diesem Wochenende beginnen in vielen Bundesländern die Osterferien. Wobei: “Es kommen so viele Leute aus dem In- und Ausland. Wir können die Sommersaison als eröffnet betrachten”, sagt Patrick Le Metayer, Chef des Campingresorts “La Marina” bei Alicante. Fast alle Bungalows und Stellplätze für Wohnmobile seien vermietet. Mehr als 2.300 Urlauberinnen und Urlauber erwartet er. 40 Prozent seien Deutsche.

Viele spanische Städte stark gefragt

Sein Resort liegt in einer derzeit besonders gefragten Region: Alicante an der spanischen Mittelmeerküste. Das Buchungsportal Expedia verzeichnet gerade 75 Prozent mehr Anfragen nach Flügen hierher als vor einem Jahr. Aber auch andere spanische Städte lägen deutlich im Plus. 60 Prozent mehr Menschen als im vergangenen Frühjahr interessierten sich für Sevilla. 50 Prozent mehr für Malaga und Madrid.

Schon vor dem Beginn der großen Reisewelle am Wochenende ist Familie Feldcamp in Alicante angekommen. Warum sie dieses Ziel gewählt haben? “Hier war ich früher schon mit meinen Eltern”, sagt Daniel. Jetzt hätten sie gedacht: “Fahren wir doch mal wieder hin!” So denken gerade wohl viele Deutsche.

“Abstand zum Alltag”

In krisenhaften Zeiten gilt offensichtlich zweierlei. Erstens: Am Urlaub wird nicht gespart. In der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) heißt es: “Trotz relativ negativer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage sind die Urlaubspläne der Deutschen sehr positiv.” 76 Prozent der Bevölkerung planten 2026 eine Reise. Als Motiv gaben 65 Prozent der Menschen an, sie suchten “Abstand zum Alltag”. Das ist Deutschen eine Menge wert. Im vergangenen Jahr gaben sie dafür laut FUR 92 Milliarden Euro aus. So viel wie nie zuvor.

Derzeit gilt aber offensichtlich auch: Es darf gerne ein Ort sein, der bewährt und vertraut ist. Deutschlands größter Reiseveranstalter, die TUI, spricht von einem “deutlich gestiegenen Interesse an Urlaub in Spanien und Griechenland”. In den nun beginnenden Ferien werde es aufgrund hoher Nachfrage 68 zusätzliche Flüge geben. Etwa nach Mallorca, Fuerteventura oder Kreta.

“Faktor Sicherheit” spielt zunehmende Rolle

Der Süden Europas profitiert von der generellen Reiselust der Deutschen, aber auch von der Krise im Nahen Osten. Die Lufthansa Group hat Flüge in die Region gestrichen. “Die aktuelle geopolitische Lage hat spürbare Auswirkungen”, heißt es vom Anbieter Schauinsland Reisen. Es gebe eine klare Verschiebung der Nachfrage in Richtung Griechenland und Spanien.

Auch der Mitbewerber DERTOUR berichtet von Umbuchungen. Der Faktor “Sicherheit” spiele eine zunehmende Rolle. “Traditionelle Ziele” wie die Kanarischen Inseln seien gefragt.

In Spanien rechnet man nun mit einem Tourismusrekord. Von 100 Millionen ausländischen Touristinnen und Touristen in diesem Jahr ist die Rede. Das wären drei Millionen mehr als im vergangenen Jahr.

Verschiebung von Tourismus-Strömen

Schon einmal profitierte der Tourismussektor des Landes von einer Krise in der Nachbarschaft. In den Jahren nach der Protestbewegung Arabischen Frühling seien zwischen sechs und acht Millionen zusätzliche Touristen nach Spanien gekommen, hat der Tourismusverband Exceltur berechnet.

Im spanischen Tourismusministerium geht man auch jetzt wieder von einer “Verschiebung von Tourismusströmen” aus. Ein starkes Ostergeschäft sei durchaus wünschenswert, denn es verringere die Abhängigkeit vom Sommer. “Da stoßen wir in einigen Gebieten an Grenzen”, erklärt der spanische Tourismusminister Jordi Hereu Boher im ARD-Interview. Die Tourismusregionen müssten sich nun darauf vorbereiten, dass in den kommenden Wochen mehr Gäste kommen als erwartet.

Steigende Benzin- und Kerosin-Preise

Ob es am Ende einen neuen Tourismusrekord gibt? Patrick Le Metayer, Chef des Campingresorts in Alicante, würde nicht darauf wetten. Nach dem Arabischen Frühling habe auch er bemerkt, dass manche Touristen nach Spanien gekommen seien, die sonst eher in Tunesien oder Ägypten Urlaub gemacht hätten. Aber nun müsse man erst einmal abwarten, ob steigende Benzin- und Kerosinpreise nicht die Urlaubseuphorie mancher Menschen bremsten.

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