Ägypten und Jordanien spüren die indirekten Folgen des Iran-Kriegs

Ägypten und Jordanien spüren die indirekten Folgen des Iran-Kriegs

Stand: 31.03.2026 • 01:58 Uhr

In Ägypten gehen zur Hauptgeschäftszeit die Lichter aus – eine indirekte Folge des Iran-Kriegs. Die Vorschrift soll Energie sparen. Touristen sind ausgenommen, denn die will man nicht noch zusätzlich verschrecken.

Nina Amin

Um 21 Uhr gehen in Zentrum von Kairo die Schotten runter, es wird dunkel. Um Strom zu sparen, müssen Restaurants, Cafés und Geschäfte früher schließen. Anordnung vom Staat, die Polizei kontrolliert.

Auch Straßenlaternen oder großflächig beleuchtete Werbetafeln werden abends früher ausgeschaltet. Der Großteil des ägyptischen Stroms wird mit Erdgas produziert. Die Preise sind seit dem Iran-Krieg stark angestiegen, genauso wie der Ölpreis.

Es gehe auch um den Verkehr, sagt Premierminister Mostafa Madbouly. “Wenn die Läden schließen, sind weniger Menschen mit Fahrzeugen unterwegs. Auch das spart massiv Treibstoff. Wenn die Stadt früher zur Ruhe kommt, hilft das dem Staat, die tägliche Verbrauchsrechnung zu senken.”

Der Abend ist in Kairo eigentlich die Zeit, zu der die meisten Menschen unterwegs sind. Doch aktuell müssen Geschäfte und Cafés um 21 Uhr schließen.

Schließung fällt in die “nächtliche Rushhour”

Strom und Benzin sind in dem bevölkerungsreichsten Land in der arabischen Region stark subventioniert. Die wirtschaftliche Lage in Ägypten ist schlecht, der Staat ist auf internationale Geldgeber angewiesen. Jetzt versucht die Regierung mit kollektivem Energiesparen die Kriegsfolgen abzuschwächen.

Die meisten Ägypter und Ägypterinnen sind laut Statistik der ägyptischen Zentralbank gegen 9 Uhr abends unterwegs, sagt Reda Farahat. Der Experte für kommunale Entwicklung fasst zusammen. “Das bedeutet, dass die Schließung um 21 Uhr genau in das Zeitfenster fällt, das wir die ‘nächtliche Rushhour’ des ägyptischen Konsumenten nennen.”

Viele Menschen leben unter der Armutsgrenze

Restaurantbesitzer sehen genau deshalb die neue Anordnung kritisch. Diyaa Masoud führt ein Falafel-Restaurant mit rund 40 Mitarbeitern. “Es wird die Verkäufe um etwa 30 bis 40 Prozent beeinflussen”, sagt er. “Das wird sich auf meine Mitarbeiter auswirken. Aber wir müssen mit dem Strom schwimmen, bis sich die Lage verbessert.”

Kürzere Öffnungszeiten bedeuten weniger Einkommen. Für viele ägyptische Familien kann das schlimme Folgen haben: Ein Drittel der Menschen leben unter der Armutsgrenze, haben demnach weniger als zwei Dollar am Tag zur Verfügung. Auch wenn Ägypten nicht Zielscheibe im Iran-Krieg ist, fühlen sich die Menschen bedroht.

Kaum Besucher in der Felsenstadt Petra

In Jordanien als direkter Nachbar von Israel ist der Krieg viel näher. Regelmäßig gibt es Raketenalarm wegen Angriffen aus Iran. Wirtschaftlich halten sich die Auswirkungen noch im Rahmen, die jordanische Regierung federt die teureren Energiepreise bislang ab.

Aber der Tourismus, ein wesentlicher Pfeiler der jordanischen Wirtschaft, ist eingebrochen, sagt Marija Tomic. Sie arbeitet für die Hilfsorganisation Aktion gegen Hunger in Amman: “Es heißt, während der Feiertage zum Ende des Ramadans waren nur 2.000 Besucher in Petra. Das ist nichts in Urlaubszeiten.” Wenige Touristen in der antiken Felsenstadt Petra sind in Jordanien immer ein Warnzeichen. Das Urlaubsland galt bisher als sehr sicheres Reiseziel.

“Sperrstunde” gilt nicht für Touristen-Orte

Auch für Ägyptens Wirtschaft ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle. Vergangenes Jahr kamen nach Angaben der ägyptischen Regierung 19 Millionen Touristen ins Land – so viele wie nie zuvor. Jetzt gibt es erste Anzeichen, dass der Iran-Krieg auch ohne direkte Bedrohung für Ägypten Urlauber abschreckt.

In Touristenorten wie am Roten Meer gilt die Strom Spar-Anordnung deshalb nicht, wie der Tourismusminister ausdrücklich betont. Touristen sollen nicht von einer “Sperrstunde” betroffen sein. Im Rest des Landes ist sie zunächst für einen Monat in Kraft. Experten bezweifelt, ob das das reicht.

Je länger der Iran-Krieg und die Blockade an der Straße von Hormus dauern, desto gravierender werden die wirtschaftlichen Folgen sein. Masoud vom Falafel-Restaurant sorgt sich um sein Geschäft und um Ägyptens Bevölkerung: “Wer früher sechs Sandwiches gekauft hat, kauft jetzt vielleicht nur noch drei, um über die Runden zu kommen.”

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