Innerhalb der vergangenen zehn Tage hat die Ukraine mehrfach Russlands Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Das dürfte die russischen Ölexporte weiter erschweren – und das Land finanziell enorm schwächen.
Riesige schwarze Rauchschwaden über brennenden Öltanks: Das zeigen Bilder, veröffentlicht von mehreren Nachrichtenagenturen. Aufgenommen haben sie Satelliten über dem russischen Ostseehafen von Ust-Luga.
Ähnliche Bilder entstanden über Primorsk und Kirishi, ebenfalls in der Region Leningrad. Ausgelöst wurden die Brände durch ukrainische Drohnenangriffe.
Gouverneur Alexander Drosdenko äußerte sich dazu in seinem Telegram-Kanal. “Seit dem 22. März ist unsere Region in erhöhter Alarmbereitschaft. Das hängt mit den beispiellosen Angriffen feindlicher Drohnen auf die Objekte der Industrie und Verkehrsinfrastruktur in unserer Region zusammen”, so Drosdenko.
Die ukrainischen Drohnenangriffe galten vor allem den Ölexportanlagen im Nordwesten Russlands.
Experte: Rund ein Drittel des russischen Ölexports betroffen
Mit den “Objekten der Industrie und Verkehrsinfrastruktur” sind wohl Anlagen für russische Ölexporte, insbesondere Richtung Asien, gemeint. Diese seien damit eingeschränkt, sagt Boris Aronstein. Er ist ein unabhängiger russischstämmiger Experte für Rohstoffindustrie mit Sitz in Lettland.
Wie Aronstein schätzt, können von den drei betroffenen Ölterminals aus insgesamt bis zu drei Millionen Barrel Öl pro Tag exportiert werden. “Das heißt, dass das ein echter Schlag für die russischen Exportkapazitäten ist, denn es trifft 30 bis 40 Prozent der gesamten Exportkapazitäten”, erklärt der Experte.
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Ölexporte: Großer finanzieller Verlust für Russland
Der Kreml hält sich bedeckt, wenn es zu derlei Zahlen kommt. Reuters zitiert derweil nicht näher benannte Branchenquellen: Ihnen zufolge seien die Öllieferungen aus Ust-Luga Mittwoch vergangener Woche aufgrund der Angriffe eingestellt worden.
Für Russland bedeutet das schwere finanzielle Verluste. Laut Creas, einem renommierten Energieforschungsinstitut mit Sitz in Finnland, erzielte Russland im Februar noch fast eine halbe Milliarde Euro täglich durch Ölexporte. Und das war vor dem Ölpreisanstieg durch den Krieg der USA und Israel gegen das iranische Regime.
Reparatur der Anlagen könnte Monate dauern
Für den Energieexperten Boris Aronstein sind die ukrainischen Angriffe auf die drei russischen Ölexportanlagen ein kluger Schachzug. Sie seien “absolut perfekt – was das Timing angeht, die Ausrichtung und den Schaden”.
Wann Russland seine Ölexporte wieder aufnehmen kann, sei unklar, sagt Aronstein: “Wenn die Ukraine diese Angriffe fortsetzt, kann Russland die Anlagen auf absehbare Zeit nicht reparieren.” Selbst wenn die Ukraine die Angriffe stoppen würde, könne es Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Exporte wieder aufgenommen werden können.
Dann würde auch der russische Binnenmarkt leiden, vermutet Aronstein. Auch die Energiepreise in Russland würden weiter steigen – noch mehr, als sie es bereits im Zuge der aktuellen weltweiten Energiekrise tun.


