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Steve Jobs und später Tim Cook haben Apple vom Garagen-Start-up zu einem der mächtigsten und wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Zum 50. Geburtstag steht Apple aber vor großen Herausforderungen.
Den Dritten kennt kaum jemand. Neben Steve Jobs und Steve Wozniak gehört am 1. April 1976 auch Ronald Wayne zu den Apple-Gründern.
Mit dem ersten großen großen Auftrag über den Bau von 50 Computern kommt Familienvater Wayne aber ins Grübeln. “Dafür brauchten sie Teile für 15.000 Dollar. Heute wären das 100.000 Dollar. Hätte das nicht geklappt, wären wir persönlich haftbar gewesen. Ich hätte alles verlieren können.”
Innovative Produkte reichen nicht
Das will Wayne nicht riskieren und ist nach zwölf Tagen raus. Die erste Apple-Zentrale ist die Garage von Steve Jobs’ Eltern. Die Geschichte erzählt Jobs auch noch Jahrzehnte später. “Woz und ich haben mit Apple in der Garage meiner Eltern angefangen. Nach zehn Jahren ist aus den zwei aus der Garage ein Milliarden-Unternehmen mit 4.000 Beschäftigten geworden.”
Steve Jobs versteht sehr früh: Innovative Produkte reichen nicht. Wichtig sind auch gute Geschichten – das “Storytelling”, um die eigenen Geräte von anderen abzuheben, um sie begehrenswerter, cooler und zum Statussymbol zu machen.
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Apple feiert 50-jähriges Jubiläum
Jobs will mit Apple die Welt verändern. “Wir sind hier, um dem Universum eine Delle zu verpassen”, sagte er einmal in einem Interview mit dem Playboy. Auf seine Mitmenschen nimmt er dabei allerdings nicht immer Rücksicht.
“Er war schnell gereizt. Manchmal konnte er sehr, sehr gemein zu Leuten sein. Egal, ob es eine Kellnerin war oder ein Programmierer, der die ganze Nacht durchgearbeitet hatte.” Das sagt Walter Isaacson über Steve Jobs. Der Autor hat den Apple-Chef über 40-mal interviewt und kurz nach Jobs’ Tod 2011 eine Biografie über ihn veröffentlicht.
Der Computer für die Masse als Ziel
Steve Jobs ist der Visionär, Steve Wozniak das Computer-Genie. Apple macht das Design der Geräte zum strategischen Kern. Computer sollen aber nicht nur schick aussehen, jeder und jede sollte sie intuitiv bedienen können. Jobs will den Personal Computer für die Masse – nicht nur für IT-Fachleute.
Der Macintosh ist 1984 einer der ersten Computer mit einer Maus. Über eine grafische Oberfläche konnten User Programme starten, indem sie Symbole anklicken. Bis dahin mussten sie aufwändig Befehle eintippen. Apple hat weder die Maus noch die Oberfläche erfunden – aber weiterentwickelt und massentauglich gemacht.
Der erste iPod ist 2001 nicht nur ein Gerät, auf das Hunderte Song-Dateien passen. Im iTunes-Store verkauft Apple jetzt auch digitale Musik und wird ein mächtiger Mitspieler in der Musikindustrie.
iPhone bis heute das wichtigste Produkt
2007 stellt Steve Jobs in San Francisco das iPhone vor, es ist bis heute Apples wichtigstes Gerät. Der Konzernumsatz lag 2025 bei rund 415 Milliarden Dollar, über die Hälfte davon machen iPhone-Verkäufe aus.
“Das war ja eigentlich ein Computerhersteller, und durch den Erfolg des iPhones hat sich alles danach ausgerichtet”, sagt Philipp Alvares, Journalist und Apple-Experte beim Handelsblatt.
Die Apple-Story in der Mediathek
Vor 50 Jahren wurde Apple gegründet. Die dreiteilige ARD-Doku “Die Apple-Story – Eine Vision verführt die Welt” erzählt Apples Weg von der Gegenkultur zum Weltkonzern und den atemberaubenden Aufstieg des eigensinnigen Visionärs Steve Jobs. Die Doku zeichnet die Geschichte einer technologischen Revolution nach, die unsere digitale Gegenwart formte.
Ein Konzern mit viel Macht
Der Erfolg des Geräts verändert nicht nur das Unternehmen – sondern auch die Art, wie Menschen das Internet nutzen. “Das iPhone hat ja auch überhaupt diese Kategorie Smartphone etabliert und diese ganze App-Ökonomie in der wir heute leben und mit Uber unser Taxi bestellen oder unsere Finanzen über die Sparkassen-App regeln”, sagt Alvares.
Schon der eigene App-Store macht das Unternehmen extrem mächtig. Auf der ganzen Welt sind nach Unternehmensangaben 2,5 Milliarden Apple-Geräte aktiv. Allein Apple entscheidet, welche Apps auf die Geräte dürfen, welche nicht – und kassiert bei jeder Transaktion im App-Store mit.
Die Dominanz ausgenutzt?
Apple-Geräte sind eng verzahnt und funktionieren nahtlos miteinander. Verschiedene Systeme zu kombinieren, das macht der Konzern seinen Kunden allerdings schwer.
Nach Ansicht der Europäischen Union muss Apple gegenüber Konkurrenten offener sein. Das Unternehmen nutze seine Dominanz aus. Die EU hat schon verschiedenen Bußgelder gegen Apple verhängt, zum Teil in Milliardenhöhe.
Apple argumentiert mit Sicherheitsbedenken. Wenn man zum Beispiel alternative Appstores und Bezahldienstleister zulasse, sei der Datenschutz der User gefährdet.
Zurückhaltung bei Künstlicher Intelligenz
Seit 2011 ist Tim Cook der Konzernchef, er hat Apple zum zeitweise wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. Die Marke steht weiter für Innovation, Luxus und Style – noch. Die bisherige Macht und der Einfluss von Apple sind gefährdet, und das aus mehreren Gründen.
Künstliche Intelligenz verändert die Welt. Microsoft, Google, Anthropic oder OpenAI sind die führenden KI-Firmen in den USA, nicht Apple. KI verändert gerade die Machtverhältnisse in der Tech-Industrie, das wertvollste Unternehmen ist mittlerweile der Chiphersteller Nvidia.
Die großen KI-Firmen stecken Hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau von Rechenzentren, um eigene große KI-Modelle zu entwickeln – Apple hält sich da bisher zurück.
Um bei den KI-Funktionen konkurrenzfähig zu bleiben, will Apple künftig mit Google zusammenarbeiten – gibt also Kontrolle ab – was der Konzern eigentlich verhindern will. Es ist allerdings zu früh zu sagen, ob der derzeitige KI-Rückstand auch langfristig wirklich ein Nachteil für Apple ist. Die aktuellen iPhone 17-Modelle sind nach Unternehmensangaben sehr gefragt.
Die US-Politik von Trump und die Abhängigkeit von China
Unvorhersehbare US-Zölle sind für die ganze Weltwirtschaft eine Herausforderung, für Apple aber besonders. Denn ein Großteil der iPhones lässt Apple von der Firma Foxconn in China zusammenbauen – das ist wesentlich billiger.
“Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo Apple in dieser Qualität, dieser Menge und zu diesem Preis produzieren könnte – außer in China”, sagt der New York Times-Journalist Patrick McGee in der ARD-Doku “Steves Erben”.
Immer wieder ist über extrem harte Arbeitsbedingungen berichtet worden. “Wer bei Foxconn eine 12-Stunden-Schicht arbeitet – und das ist üblich”, so McGee, “darf nicht reden, Lachen wird bestraft. Monotone Routine, Stunde um Stunde, mit nur kurzen Pausen.”
Donald Trump will Chinas Macht eindämmen. Sollte er wieder hohe US-Zölle anordnen, würden die Kosten für Apple nach oben schnellen. Die Hightech-Produktion von iPhones ist so komplex und speziell, dass Apple sie nicht einfach schnell in ein anderes Land verlagern kann. Deshalb bemüht sich Tim Cook um ein gutes Verhältnis zum US-Präsidenten.
Zweifel am “Mythos Apple”
Aber die wohl größten Gefahren für Apple liegen vielleicht woanders. Apple hat nicht alles selbst erfunden. Die Maus gab es schon vor dem ersten Macintosh. MP3-Player vor dem iPod, internetfähige Telefone vor dem iPhone.
Der Konzern hat es aber hingekriegt, vieles besser und begehrenswerter zu machen als die Konkurrenz. Vor allem das iPhone – das ja noch aus Steve Jobs´ Zeit stammt. Unter Tim Cook hat Apple die vorhandenen Geräte zwar verbessert und Wege gefunden, immer noch mehr Geld damit zu verdienen. Wirklich neue Geräte haben sich unter ihm aber kaum durchgesetzt.
Die groß angekündigte Computerbrille Apple Vision Pro hat praktisch niemand interessiert. Apple soll auch an einem Auto gearbeitet und das Projekt beendet haben. Die große Frage: Wie lange hält sich noch der wertvolle Apple-Mythos, der unter Steve Jobs entstand und den Tim Cook nur bedingt verkörpert? Der Apple-Chef ist 65. Laut Insidern soll intern schon ein Nachfolger feststehen.


