Subventionen gestrichen: China verteuert Solarmodule

Subventionen gestrichen: China verteuert Solarmodule

Stand: 01.04.2026 • 17:13 Uhr

China beendet Export-Subventionen für seine Solarbranche. Das wirkt sich weltweit auf die Preise aus. Ist bald Schluss mit dem Balkonkraftwerk aus dem Baumarkt für unter 250 Euro?

Lucretia Gather

“Wir spüren das, was in China passiert”, sagt Henning Lorang. Er ist Geschäftsführer der KLE Energie in Hermeskeil. Seit mehr als 15 Jahren baut seine Firma Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für Kunden in der Region rund um Trier, aber auch im benachbarten Luxemburg oder Saarland.

Zwei Drittel seiner Kunden sind private Hauseigentümer, die sich eine Solaranlage aufs Dach bauen lassen. “Kurz nach dem chinesischen Neujahrsfest sind die Module dafür schon deutlich teurer geworden”, berichtet Lorang. “Davor waren sie noch günstig, aber alles, was jetzt neu reinkommt, kostet 25 Prozent mehr.”

Kunden in Deutschland zahlen mehr

Vom 1. April an beendet die chinesische Regierung die Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Photovoltaik-Produkte, die für den Export bestimmt sind. Diese Änderung am weltweit wichtigsten Produktionsstandort für Solartechnik wirkt sich weltweit auf die Preise aus. Auch auf das Geschäft von Henning Lorang.

Zwar komme die Preissteigerung nicht so stark bei seinen Kunden an, da die Solarmodule nicht mehr den größten Anteil der Kosten ausmachten. Dennoch rechnet er vor: “Für eine Anlage auf einem Einfamilienhaus, die zwischen 15.000 und 18.000 Euro kostet, zahlen unsere Kunden jetzt etwa 600 Euro mehr.”

“Wer also schon weiß, dass er eine Photovoltaik-Anlage installieren und sich selbst vor höheren Preisen schützen will, der sollte sich beeilen”, rät deshalb Martin Brandis, zuständig für die Energieberatung der Verbraucherzentralen. Aber: Überhastet müsse die Entscheidungen dennoch nicht getroffen werden. Importeure von PV-Komponenten müssten von nun an höhere Preise zahlen und diese an die Verbraucher weitergeben. Bis diese aber beim Endkunden ankommen, dauere es noch eine gewisse Zeit.

“Es ist ohnehin sinnvoll, auszuwählen und im günstigsten Fall mehr als ein Angebot zu haben, um vergleichen zu können,” so Brandis. Das rate er Verbrauchern grundsätzlich, auch wenn möglicherweise höhere Preise kommen werden. Seine Empfehlung: “Trotzdem die nötige Sorgfalt walten lassen bei der Auswahl geeigneter Angebote.”

Massive Einbrüche befürchtet

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V., fürchtet durch die Preissteigerung in China Einbrüche für die Unternehmen in Deutschland: “Die deutsche Solarbranche mit ihren rund 100.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 30 Milliarden Euro ist hauptsächlich im Downstream tätig, das heißt in den Bereichen Handel, Projektieren und Handwerk. Höhere Einkaufskosten für chinesische Importware belasten deren Margen.”

Aktuell würden Kostensteigerungen beim Einkauf nur teilweise an die Kundschaft weitergegeben. Im Fall weiter steigender Importkosten könnte sich das aber ändern, so Körnig, “und darunter könnte dann auch die Rentabilität neuer Solaranlagen leiden”.

Kritisch sieht das der Bundesverband vor dem Hintergrund der Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Demnach soll die Förderung für neue, kleine Solaranlagen eingestellt werden. Die Preise für Anlagen und Speicher seien deutlich gesunken, nennt die Ministerin als Grund.

Noch sind es Pläne. Werden sie aber Wirklichkeit, würde das aus Sicht des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. dazu führen, “dass die Nachfrage im nächsten Jahr massiv einbricht”. Das hätten Umfragen bei Immobilieneigentümern und Berechnungen des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ergeben.

Bremse für die Energiewende

Auch dem Unternehmer Henning Lorang aus Hermeskeil bereiten die Pläne der Bundeswirtschaftsministerin mehr Sorgen als die Preissteigerungen auf dem chinesischen Markt. Diese seien “aktuell wirtschaftlich zu verkraften”, sagt er. Was ihn wütend mache, seien die Vorschläge aus Berlin. “Die Anlagen unserer Kunden werden künftig weniger wirtschaftlich und das führt dazu, dass Kunden keine Investitionsentscheidung mehr treffen.” Das Privatkundengeschäft werde einbrechen, fürchtet Lorang.

Inzwischen mache er sich ernsthafte Gedanken um seine Firma und seine Mitarbeiter. Gerade ist Lorang dabei, Kontakt zu allen Bundestagsabgeordneten in seiner Region aufzunehmen. Er will sie überzeugen, sich dafür einzusetzen, dass Reiches Pläne nicht umgesetzt werden: “Weil es wichtig ist, Menschen an der Energiewende zu beteiligen, und wir wollen, dass es möglich bleibt, dass Hauseigentümer ihre Dächer nutzen und ihren Beitrag dazu leisten können.”

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