Geflügelpest und hohe Nachfrage: Reichen die Eier für alle?

Geflügelpest und hohe Nachfrage: Reichen die Eier für alle?

Stand: 02.04.2026 • 04:25 Uhr

Vor Ostern kaufen viele Familien große Mengen an Eiern. Doch nach der jüngsten Vogelgrippen-Welle ist der Eiermarkt angespannt, Geflügelhöfe stehen unter Druck. Und in den Supermarkt-Regalen?

Von Philipp Wundersee, WDR

Auf dem Bengerhof im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen laufen 15.000 Hühner laut gackernd frei herum. Sechs Hektar groß ist die Auslauffläche von Geflügellandwirt Philipp Benger. So friedlich, wie es aussieht, sei es aber gar nicht, sagt er. Denn auch sein Hof stehe unter immensem Druck.

“Aktuell ist es so, dass wir fast die doppelte Menge aus dem Vorjahr verkaufen könnten”, sagt Benger. “Das ist den Hühnern nur schwer abzuringen.” Etwa 70 Supermärkte und Hofläden versorgt der familiengeführte Geflügelhof. Viele Bestellungen von Neukunden musste Philipp Benger schon ablehnen.

Stallpflicht für vier Monate

Eine Ursache der Knappheit: die Vogelgrippe. Im Herbst kam es zu einer Infektionswelle in Deutschland, auch der Kreis Kleve war betroffen. Vier Monate mussten auch die Tiere im Bengerhof im Stall bleiben, seit dem 1. März dürfen sie wieder ihren Auslauf genießen. “Das hat mich schlecht schlafen lassen”, erzählt Landwirt Benger. “Im Umkreis gab es Fälle. Da mussten wir aufpassen, dass man die Tiere gesund hält.”

Auch der Bundesverband Ei spricht von einer herausfordernden Situation: “Aus unserer Sicht ist die Lage am Eiermarkt derzeit zwar angespannt”, sagt Verbandspräsident Hans-Peter Goldnick – aber: “Wir gehen davon aus, dass der Lebensmitteleinzelhandel weiterhin zuverlässig beliefert wird.”

Der Konsum steigt

Neben Geflügelpest und geringeren Importen vor allem aus den Niederlanden sorgt hauptsächlich die hohe Nachfrage für die momentanen Engpässe. Denn Eier werden immer beliebter und der Eierkonsum ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 2025 lag er laut Bundesverband bei 252 Eiern pro Kopf, vor vier Jahren waren es noch 234.

Das liege laut Verband auch an einem Imagewandel: “Das Ei gilt nicht mehr als Cholesterinbombe, sondern als sympathischer Proteinträger.” In der Tat sehen viele Menschen in Eiern inzwischen ein regelrechtes Superfood. Der Eier-Hype ist unabhängig von Ostern groß.

Doch wieviel Ei ist wirklich gut und gesund? “Der aktuelle Stand der Wissenschaft ist, dass ein Ei am Tag kein Problem ist”, erklärt Allgemeinmediziner Ralph Eisenstein aus Düsseldorf. “Sie sind Lieferanten für Eiweiß, was wichtig ist für den Muskelaufbau.” Außerdem liefern Eier Vitamin A, Vitamin D und viele Mineralstoffe.

“Alle werden ihre Eier finden”

Trotz der Engpässe geht der Bundesverband Ei davon aus, dass die Regale zu Ostern grundsätzlich gut gefüllt sein werden – auch wenn es punktuell zu kurzfristigen Einschränkungen kommen kann. “So kann es beispielsweise vorkommen, dass einzelne Sortimente wie Bio-Eier zeitweise nicht verfügbar sind oder bei gefärbten Ostereiern die Auswahl eingeschränkt ist”, erwartet Verbandspräsident Goldnick. Von einem generellen Versorgungsengpass könne aber keine Rede sein.

Laut Verband werden in Deutschland pro Tag rund 56 Millionen Eier produziert. Und Ostern sei gar nicht die Zeit mit dem höchsten Eierkonsum. Das stärkste Eiergeschäft liege eigentlich in der Weihnachtszeit. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich jedenfalls keine Sorgen um die Eierversorgung machen, beruhigt Goldnick. “Alle werden zu Ostern auch ihre Eier finden.”

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