Iran-Krieg und China-Knappheit: Warum Wolfram knapp wird

Iran-Krieg und China-Knappheit: Warum Wolfram knapp wird

Stand: 07.04.2026 • 06:01 Uhr

Wolfram ist für Werkzeuge, Maschinenbau und Rüstung unverzichtbar. Der Iran-Krieg hat den Preis auf ein Rekordhoch getrieben. Für die deutsche Wirtschaft ist das ein Alarmsignal.

Angela Göpfert

Der Preis für Wolfram schießt nach oben – und das ist mehr als nur eine Randnotiz von den Rohstoffmärkten. Zwar kennen viele das Metall höchstens noch von den alten Glühbirnen. Für zahlreiche Schlüsselbranchen ist es aber unverzichtbar: Wolfram steckt in Werkzeugen, Maschinen, Elektronik, Munition und Hightech-Anwendungen.

Ein kritischer und strategischer Rohstoff

Für Deutschland und die EU ist das heikel: Wolfram gilt in Brüssel offiziell als kritischer und strategischer Rohstoff. Der jüngste Preissprung hat viel mit Krieg, Rüstung und geopolitischer Abhängigkeit zu tun.

Ende März erreichte der Preis für Ammoniumparawolframat – das wichtigste Zwischenprodukt bei der Herstellung von Wolfram – am Rotterdamer Markt ein Rekordhoch von 3.150 Dollar je metrischer Tonnen-Einheit. Das entspricht einem Anstieg von rund 50 Prozent seit Beginn des Iran-Kriegs und hat damit eine vergleichbare Größenordnung wie die Ölpreisrally im selben Zeitraum.

Iran-Krieg treibt den Preis weiter an

Der Hintergrund: Wolfram ist ein extrem hartes Metall. Von allen Metallen hat es den höchsten Schmelzpunkt (3.422 Grad Celsius). Deshalb steckt es auch in panzerbrechender Munition und Raketenkomponenten, wie sie im Iran-Krieg zum Einsatz kommen.

Doch anders als in vielen Industrieanwendungen ist Wolfram in Raketen nicht recycelbar. Mit jeder Rakete, die explodiert, geht also auch Wolfram unwiederbringlich verloren.

China dominiert globale Wolframproduktion

Allerdings war Wolfram schon vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten knapp. Seit Ende Dezember hat sich der Preis mehr als verdreifacht, seit Juni 2025 sogar mehr als versiebenfacht.

Der Iran-Krieg ist damit zwar ein Beschleuniger – aber nicht der einzige Grund für den rasanten Preisanstieg. Eine große Rolle spielt der Faktor China: Die Volkrepublik dominiert die globale Wolframproduktion, nach Daten der US-Geologiebehörde USGS förderte China im vergangenen Jahr 67.000 Tonnen und steht damit für rund 79 Prozent der weltweiten Produktion.

Chinas Exportkontrollen dämpfen Ausfuhren

Im Februar 2025 führt Peking neue Exportkontrollen ein – auch aufgrund der in den vergangenen Jahren eskalierten Spannungen mit den USA. Seither ist das chinesische Exportvolumen um rund 40 Prozent gefallen. Exporteure benötigen nun staatliche Genehmigungen, bevor sie ihre Waren aus China ausführen.

Hinzu kommen strukturelle Probleme: Eine sinkende Erzqualität und strengere Förderquoten haben die chinesische Minenproduktion zuletzt gedrückt. Der Iran-Krieg wird damit zu einem zusätzlichen Preistreiber auf einem ohnehin schon stark angespannten Markt.

Maschinenbau und Rüstung: Warum Europa verwundbar ist

Den niedrigeren Exporten aus China steht jedoch nicht nur eine steigende militärische Nachfrage gegenüber; auch in der Industrie ist Wolfram hochbegehrt. Seine Härte und Hitzebeständigkeit machen das Metall zentral für Hartmetallkomponenten, also für Bohrer, Fräser, Schneidplatten und andere Präzisionswerkzeuge.

Für die Bundesrepublik ist das besonders brisant, weil Wolfram damit in genau den Branchen gebraucht wird, die das industrielle Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden: im Maschinenbau, der Metallverarbeitung und der Fahrzeugfertigung. Die EU stuft Wolfram laut dem Critical Raw Materials Act zudem ausdrücklich als strategisch relevant für Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigung ein.

Aus dem Nischenmetall Wolfram ist damit ein strategischer Engpassrohstoff geworden. Der Iran-Krieg verschärft das Problem weiter. Das Beispiel zeigt, wie verwundbar Deutschland und Europa bei kritischen Rohstoffen sind – in der Industrie genauso wie im Rüstungssektor.

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