Geht es nach Vizekanzler und SPD-Chef Klingbeil, muss in Deutschland mehr gearbeitet werden. DGB-Chefin Fahimi widerspricht dem deutlich. Den Sozialdemokraten empfiehlt die Gewerkschafterin, ihr Profil zu schärfen.
Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat zentrale Aussagen von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zur Arbeits- und Rentenpolitik zurückgewiesen. Es gebe hierzulande kein Problem mit dem Arbeitsvolumen, “in Deutschland wird genug gearbeitet”, sagte Fahimi der Zeitung Tagesspiegel.
Die Gewerkschaftschefin widersprach damit Klingbeils jüngster Forderung, die Gesellschaft müsse insgesamt mehr arbeiten. “Was soll der Industriearbeiter, der gerade auf Kurzarbeit ist, von solchen Aussagen halten?”, fragte Fahimi. “Oder die 120.000 Menschen, die 2025 in der Industrie ihren Job verloren haben?” In Vollzeitjobs werde in Deutschland nicht weniger gearbeitet als im europäischen Ausland.
Deutschland habe eine überproportional hohe Teilzeit-Quote, was aber “ein Grund zur Freude, nicht zur Klage” sei, denn damit sei die Frauen-Erwerbsquote deutlich gestiegen, erklärte Fahimi weiter.
Gewerkschaftschefin übt Kritik an SPD
Auch Klingbeils Aussage, Deutschland müsse aufhören, ein früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu fördern, bezeichnete Fahimi als falsch. Wer länger arbeiten wolle, könne dies bereits tun – vielen fehle aber schlicht die Möglichkeit. Die gestiegene Erwerbsquote Älterer sei kein Erfolg der Rente mit 67, sondern einer verbesserten Arbeitsmarktpolitik.
Kritisch äußerte sich Fahimi zudem zu Klingbeils Befürchtung, die SPD werde zu sehr als Partei der Transferleistungsempfänger wahrgenommen. Dieses Feedback müsse die SPD “sehr ernst nehmen”, sagte sie, und wieder stärker einem klaren Kurs sozialer Gerechtigkeit folgen, statt sich in “kleinteiligen Kompromissen” zu verlieren. “Das Profil der SPD ist offenbar zu unscharf”, sagte die ehemalige SPD-Generalsekretärin.

