Die Öffnung der Straße von Hormus ist ein zentraler Punkt der Waffenruhe-Vereinbarung zwischen den USA und Iran. Doch bisher blockiert Teheran die Meerenge offenbar weiter. Ein Grund: Israels anhaltende massive Angriffe auf den Libanon.
Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bleibt laut iranischen Angaben trotz des Waffenstillstands mit den USA und Israel weitgehend eingestellt. Öltanker müssten umkehren, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, die der Revolutionsgarde nahesteht. Grund dafür sind demnach die massiven Angriffe im Libanon, die Israel auch nach Trumps Ankündigung fortgesetzt und sogar noch ausgeweitet hat.
Die iranische Hafenbehörde riet Schiffen davon ab, die Meerenge ohne Abstimmung mit der Revolutionsgarde zu passieren. Die Behörde verwies in einer Mitteilung, die unter anderem über den staatlichen Nachrichtenkanal Khabar-Fouri und den Staatssender IRIB verbreitet wurde, auf die Gefahr von Minen.
In dem Schaubild, das die halbamtlichen Nachrichtenagenturen Isna und Tasnim veröffentlichten, ist auf einer bisherigen Standardroute ein großer gelber Kreis mit dem Wort “Gefahrenzone” zu sehen. Die Grafik legt nahe, dass die Revolutionsgarde dort Seeminen verlegt hat und Schiffe eine Route weiter nördlich nehmen sollen, die näher am iranischen Festland und der Insel Larak liegt. Die in der Grafik genannten Daten reichten vom 28. Februar bis zum heutigen Donnerstag. Unklar ist, ob die Revolutionsgarde die mögliche Verminung wieder geräumt hat.
Weiter nur sehr wenige Durchfahrten
Nach Angaben von Fars passierten seit Beginn der Waffenruhe nur zwei Tanker die Straße von Hormus. Auch unabhängige Analysten zählten nur eine geringe Zahl von Tankern. Auch während der De-facto-Blockade hatte Iran zeitweise einige Schiffe passieren lassen.
Laut dem Unternehmen Windward, das den internationalen Schiffsverkehr beobachtet, müssen alle Schiffe, die durch die Meerenge fahren, die sichere Durchfahrt mit den iranischen Behörden koordinieren und außerdem eine Maut von einem Dollar pro Barrel transportiertes Öl zahlen – und zwar in Kryptowährung. Windward zufolge warnte Iran in Funksprüchen an Tanker im Persischen Golf, wer ohne Genehmigung durchfahre, werde angegriffen.
Iran beansprucht das Recht für sich, eine Maut zu erheben, um mit den Einnahmen seinen Wiederaufbau zu finanzieren. Das wäre ein Verstoß gegen die Freiheit der friedlichen Schifffahrt. Die USA und viele weitere Länder lehnen den iranischen Vorstoß ab.
Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis forderte einen gebührenfreien und sicheren Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. “Ich glaube nicht, dass die internationale Gemeinschaft bereit wäre zu akzeptieren, dass der Iran für jedes Schiff, das die Straße von Hormus durchquert, eine Mautstelle einrichtet”, sagte er CNN. Griechenland verfügt über eine der größten Handelsflotten.
Auch Großbritannien fordert eine gebührenfreie Schifffahrt durch die Straße von Hormus. “Die grundlegenden Freiheiten der Meere dürfen nicht einseitig entzogen oder an einzelne Bieter verkauft werden”, sagt Außenministerin Yvette Cooper laut vorab veröffentlichten Auszügen aus einer Rede.
Libanon laut USA nicht Teil der Waffenruhe
Die USA drängen Iran zur sofortigen Öffnung der Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump drohte mit einer neuen militärischen Eskalation gedroht, falls Teheran sich nicht komplett an das Waffenruheabkommen halte: Iran dürfe keine Atomwaffen haben, zudem müsse die Straße von Hormus “offen und sicher” sein. Das US-Militär werde in der Region bleiben, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Dies gelte, bis das “erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird”. Es werde alles bereitgehalten, was für die “Vernichtung” eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei.
Anders als Iran sehen die USA und Israel den Libanon nicht als Teil der Feuerpause. US-Vizepräsident JD Vance sagte, dass Iran davon ausgehe, sei ein Missverständnis. “Weder wir noch die Israelis haben gesagt, dass dies Teil der Waffenruhe sein würde.”
Nach Angaben des Vermittlers Pakistan gilt die Feuerpause allerdings ausdrücklich auch für den Libanon.
Viele Fragezeichen vor Verhandlungen
Vance soll in den kommenden Tagen für die US-Seite die Gespräche mit Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad leiten. Unklar ist, ob es dazu überhaupt kommt. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf nannte die Verhandlungen “unsinnig”. Er warf den USA und Israel vor, gegen die Vereinbarungen zu verstoßen und begründete dies unter anderem mit den erneuten israelischen Angriffen.
Irans Außenminister Araghtschi erklärte auf X, die Bedingungen des Abkommens seien klar und deutlich. Die USA müssten sich zwischen einer Waffenruhe und der Fortsetzung des Krieges entscheiden. Die Weltgemeinschaft werde hinschauen, ob die USA ihr Wort hielten, sagt er mit Blick auf die Fortsetzung der Angriffe Israels auf den Libanon.

