Wenn das Öl knapper wird

Wenn das Öl knapper wird


marktbericht

Stand: 10.04.2026 • 13:59 Uhr

Die Sperrung der Straße von Hormus führt weiterhin dazu, dass weniger Öl auf den Weltmarkt kommt. Wer unmittelbar Öl braucht, muss für das geringere Angebot tiefer in die Tasche greifen. Der DAX baut seine Gewinne derweil aus.

Der Ölpreis scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen – nach oben. Bis zu 120 Dollar musste zuletzt für ein Barrel der Nordseesorte Brent (159 Liter) gezahlt werden – für eine Lieferung im Juni. Aktuell sind es rund 97 Dollar.

Der genannte Liefertermin ist bei den Preisdaten jedoch eine wichtige Klarstellung. Denn wenn derzeit von steigenden Ölpreisen berichtet wird, ist der Terminpreis gemeint – also eigentlich ein Lieferzeitpunkt in der Zukunft. In diesem Fall der Juni.

Ein Spiel von Angebot und Nachfrage

Der zentrale Lehrsatz in der ökonomischen Theorie sagt aus, dass bei einem geringeren Angebot die Preise steigen und umgekehrt. Besonders zu spüren bekommen dies nicht nur private Verbraucher, sondern auch europäische und asiatische Raffinerien. Diese müssen jetzt mehr kaufen, um die Ausfälle aus dem Nahen Osten zu ersetzen.

Immerhin rund 12 Millionen Barrel fehlen dem Weltmarkt derzeit durch die Sperrung des Seeweges. Das sind rund 12 Prozent der Weltproduktion.

Spotpreise deutlich über den Terminpreisen

Die Folge sind kräftige Preissprünge bei anderen Ölsorten. Bis zu 150 Dollar für ein Fass wurden bereits bezahlt, wie Händler berichteten – und damit deutlich mehr, als am Terminmarkt verlangt wird. Haupttreiber für diese sogenannten Spotpreise sei die “Panik” bezüglich der Versorgungslage, so der Ölhändler Adi Imsirovic gegenüber dem Portal Market Screener.

“Wenn ein echter, physischer Mangel herrscht, denken die Akteure nicht an die Lieferung im Juli – also die Verladung im Juni und damit die Juni-Futures-Preise -, sondern an Öl, das sofort verfügbar ist”, so der Experte.

Fachleute sprechen in einem solchen Fall von einer “Backwardation”, einer Situation, die eine extreme Angebotsknappheit anzeigt. Das Gegenteil, also ein Überangebot, wäre eine “Contango”-Lage.

Terminpreise signalisieren Entspannung

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Denn die Terminpreise bei 97 Dollar für Juni und 80 Dollar für Dezember signalisieren, dass der Markt zukünftig wieder fallende Preise erwartet. Allerdings bleibt auch genügend Skepsis – denn das Terminpreisniveau von vor dem Iran-Krieg bei unter 70 Dollar (für den Juni-Kontrakt) bleibt noch in weiter Ferne.

Börse verhalten optimistisch

An der Börse werden daher die am Samstag beginnenden Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien mit Spannung und nach zunächst verhaltenem Start mit zunehmendem Optimismus erwartet. Denn die niedrigeren Öl-Terminpreise signalisieren, dass dann auch die Straße von Hormus wieder durchfahren werden könnte. Genau darum wird es bei den Verhandlungen unter anderem gehen.

Der DAX baut am frühen Nachmittag seine Gewinne aus und steigt rund ein Prozent auf knapp unter 24.000 Punkte. Am Vortag hatte noch mehr Skepsis geherrscht auf dem Parkett, der deutsche Leitindex hatte rund ein Prozent verloren.

Wall-Street erwartet Inflationszahlen

In der Nacht hatte schon die Wall Street ins Plus gedreht und für gute Vorgaben gesorgt. Der Leitindex Dow Jones gewann 0,6 Prozent. Vor wichtigen Konjunkturdaten am Nachmittag halten sich die US-Investoren heute vorbörslich bedeckt. Unter anderem neue Inflationsdaten für den März werden erwartet – die hohen Energiepreise dürften diese maßgeblich nach oben geschoben haben.

Auch hierzulande ist die Inflation im März auf 2,7 Prozent gestiegen, deutlich mehr als die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) verfolgt diese Zielmarke ebenfalls – die Notenbanker werden also genauso gespannt nach Pakistan blicken, wie alle anderen Marktteilnehmer.

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