Was die Ungarn-Wahl für die AfD bedeutet

Was die Ungarn-Wahl für die AfD bedeutet

Stand: 14.04.2026 • 09:12 Uhr

Viktor Orban galt als Galionsfigur der Neuen Rechten in Europa. AfD-Chefin Weidel lobte ihn als “großes Vorbild”, unterstützte seinen Wahlkampf. Wie reagiert die Partei auf Orbans Niederlage?

Julie Kurz, NDR

Alice Weidel hat ihr Profilbild auf der Plattform X noch nicht geändert. Man sieht sie dort, wie sie Viktor Orban die Hand reicht. Es soll staatsmännisch wirken. Doch was ist dieses Foto jetzt noch wert?

Orban war für Weidel eine Galionsfigur. “Wir werden dem Pfad von Ungarn, unserem großen Vorbild, folgen” – das sagte die AfD-Parteichefin noch bei ihrem Besuch in Ungarn 2025. Im ungarischen Wahlkampf hatte Weidel sogar an einem Werbevideo für Orban teilgenommen. Neben anderen Politikerinnen wie Giorgia Meloni oder Marine Le Pen sagte Weidel: “Europa braucht sie. Europa braucht Viktor Orban.”

Politikwissenschaftler: Orbans Niederlage ein “herber Schlag”

Die Niederlage von Orban sei ein herber Schlag für die Neue Rechte, meint der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder: “Orban ist die Referenzperson für die Neue Rechte in Europa gewesen, weil er den Kampf gegen Europa geführt hat, für Souveränität, gegen Migration und alles, was wichtig ist für die Neue Rechte in den programmatischen Positionen.”

Mit Orban gehe auch ein Brückenbauer zwischen den Lagern der Neuen Rechten verloren, die sich nicht immer einig waren, so Schroeder. “Weil er durch seine Stärke und durch seine Hartnäckigkeit gegenüber der Europäischen Kommission eine Autorität erlangte wie kaum jemand anders innerhalb der rechten Allianz.”

Weidel dankte dem scheidenden Ministerpräsidenten Orban und spricht auf der Plattform X von seinen Verdiensten um Europa, die für die AfD Ansporn seien. Doch längst ist in der AfD die Debatte ausgebrochen, was das für die Partei bedeutet. Der Abgeordnete Maximilian Krah war selbst in Ungarn und gesteht in einem Social-Media-Video ein: “Für uns ist es schlecht, das müssen wir zugeben. Aber jetzt geht es darum, den Blick nach vorne zu werfen.” Und Krah geht sogar noch weiter und schreibt auf X, Korruption koste Glaubwürdigkeit.

Der Vordenker der Neuen Rechten, Benedikt Kaiser, prophezeit ein Ende des außenpolitischen Glamours. Kaiser hatte schon in der Vergangenheit die Faszination einiger Abgeordneter für den US-Präsidenten Donald Trump kritisiert.

Der Politikwissenschaftler Schroeder glaubt, dass diejenigen jetzt gestärkt würden, “die weniger auf die Matadoren im Ausland schauen, sondern mehr einen eigenen Weg befürworten.” Das Ende der Orban-Ära ist für Ungarn eine Zäsur mit Auswirkungen auf die Allianz der Neuen Rechten in Europa.

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