Menschen in Iran fühlen sich als Spielball zwischen den USA und dem Regime

Menschen in Iran fühlen sich als Spielball zwischen den USA und dem Regime

Stand: 16.04.2026 • 09:15 Uhr

Wochenlang Krieg, dann Waffenruhe und nun immer neue Drohungen: Viele Menschen in Iran fühlen sich als Spielball zwischen den USA und dem Mullah-Regime. Hinzu kommt die Unsicherheit, wie es nun weitergeht.

Uwe Lueb

Die Menschen im Iran sind zum Spielball geworden. Zumindest fühlen sich viele wohl so. Erst herrscht Krieg, dann Waffenruhe. Mal ist von einem Ende des Regimes die Rede, dann wiederum scheint es fester im Sattel zu sitzen als zuvor.

Längst ist die Bevölkerung gespalten – in die Minderheit der Regimeanhänger und die große Mehrheit derjenigen, die zwar vor allem das dauerhafte Ende des Krieges herbeisehnen, aber auch das Ende des Regimes. Was sie alle eint: Sie leben in einer so großen Unsicherheit über ihre Zukunft, wie die meisten es noch nie erlebt haben.

“Es gibt kein normales Leben mehr”

Es sind die Rituale der Regimetreuen – aufgerufen auch vom Polizeichef des Landes, um so Widerstand gegen den Feind zu zeigen. Sie versammeln sich meist abends und rufen Parolen zur Unterstützung des Regimes. So preisen sie beispielsweise mitten in Teheran die Arbeiter in den iranischen Ölanlagen. Trotz feindlicher Angriffe hätten die weitergearbeitet – und so dafür gesorgt, dass das Leben im Land weitergeht.

Doch Benzin an den Tankstellen ist kein Garant für ein normales Leben. Das gibt es gar nicht mehr, meint ein Teheraner. Ihm ist es trotz weitgehender Internetblockade gelungen, einen Text mit seinen Beobachtungen zu schicken: “Viele Menschen haben Angst und sind verunsichert. Es ist, als hätten sie den Faden für ein normales Lebens verloren und wüssten nicht mehr, wie sie ihre Tage rumbringen sollen.”

Dazu kommt, dass viele nicht mehr arbeiten können, sagt er weiter. Die Wirtschaft sei wie gelähmt. Firmen würden mit Stellenabbau beginnen. Und immer wieder diese Ungewissheit, die ständigen Bedrohungen und Ultimaten. Immerhin gilt zurzeit eine Waffenruhe – die Nächte sind ruhiger geworden.

Hält die Feuerpause?

Aber viele fragen sich, wie lange die Feuerpause hält: “Trump hat gesagt, er werde die Waffenruhe nicht verlängern, aber ich denke, er lügt, wie immer. Das ist eine Farce, die er für sein politisches Spiel inszeniert”, sagt ein junger Mann in Teheran der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer spricht von Ungewissheit, davon, dass man nicht wissen könne, ob die Feuerpause verlängert werde oder nicht. Bei Trump sei alles möglich. “Trump prahlt immer mit irgendetwas und überrascht die Leute gerne. Er ist auch ein Clown! Also ich bin ich mir sicher, dass wir überrascht werden – mit Frieden oder mit Krieg.”

Viele fragen sich, ob es zu weiteren Verhandlungen kommt oder nicht. Immerhin würden weiterhin Nachrichten ausgetauscht zwischen den USA und Iran – über pakistanische Vermittler, sagt der Sprecher des Außenministeriums, Esmail Baghaei.

Viele wollen keinen Verhandlungserfolg

Dabei wollen etliche Iranerinnen und Iraner gar keinen Verhandlungserfolg. Denn das würde den Bestand des Regimes sichern. Und genau das wollten viele nicht, sagt Marmar, eine frühere Krankenpflegerin, der ARD: “Wir haben uns über die Verhandlungen neulich nicht gerade gefreut. Ich möchte nämlich nicht, dass die Verhandlungen irgendwelche Ergebnisse bringen. Aber es sieht so aus, als wären sie fruchtbar – zu meiner Enttäuschung. Sie wollen Ergebnisse erzielen. Und die zweiwöchige Waffenruhe wird verlängert werden.”

Wie auch immer eine mögliche Einigung aussieht und ob die Feuerpause zunächst verlängert wird oder nicht: Das Regime könnte am Ende tatsächlich weiter bestehen. Dessen Sturz ist nicht – oder nicht mehr – der Plan von US-Präsident Donald Trump. Der schickt Tausende zusätzliche Soldaten in die Region. Zugleich sagt er schon jetzt im Fox-News-Interview, der Krieg sei fast vorbei – er betrachte ihn als “fast beendet”.

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