65 Jahre Angriff auf Kuba: “Zu Ende bringen, was wir begonnen haben”

65 Jahre Angriff auf Kuba: “Zu Ende bringen, was wir begonnen haben”

Stand: 17.04.2026 • 14:32 Uhr

Die gescheiterte Invasion Kubas gilt als prägendes Ereignis des Kalten Krieges. Auch 65 Jahre später ist es politisch und emotional aufgeladen – und bekommt durch Präsident Trumps Rhetorik neue Bedeutung.

Gudrun Engel

Nach der kubanischen Revolution von 1959 unter Führung von Fidel Castro verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Kuba und den USA rapide. Die neue Regierung verstaatlichte US-Unternehmen und näherte sich politisch und wirtschaftlich der Sowjetunion an.

In Washington wuchs die Sorge, Kuba könne zu einem kommunistischen Brückenkopf vor der eigenen Haustür werden. Nur 145 Kilometer trennen Florida und Havanna. Bereits unter Präsident Dwight D. Eisenhower entwickelte die CIA Pläne, um das Castro-Regime zu stürzen.

Rafael Gutierrez und Carlos Acosta nahmen an der Invasion in der Schweinebucht teil. Heute wollen sie ein Museum über die gescheiterte Mission eröffnen.

Mission: Castro stürzen

In dieser Zeit verließen viele junge Kubaner ihr Land in Richtung USA, um dort einen möglichen Widerstand und schließlich einen Regimewechsel zu organisieren: so auch Rafael Gutierrez und Carlos Acosta, heute 83 und 82 Jahre alt. Beide seien damals willens gewesen, für ihr Vaterland zu sterben, erzählen sie. Ein kommunistisches Kuba, das sei für sie nicht infrage gekommen.

In Guatemala und Nicaragua wurden sie von der CIA rudimentär ausgebildet. Das seien die einzigen Länder gewesen, die diese Umsturzvorbereitungen gut geheißen hätten, sagt Acosta.

Am 17. April 1961 landeten etwa 1.400 Exilkubaner der Brigade 2506 an der Südküste Kubas – in der Bahía de Cochinos, der Schweinebucht. Die Mission damals: das Regime von Fidel Castro stürzen und eine neue Regierung installieren. Doch die Operation scheiterte innerhalb weniger Tage militärisch, strategisch und politisch.

1.400 Exilkubaner landeten in der Schweinebucht. Die meisten gerieten in Gefangenschaft, viele starben.

Schlechte Planung, außenpolitisches Desaster

Mehrere Faktoren führten zum Fiasko: die zunächst versprochene, aber dann fehlende Luftunterstützung durch die USA. Das Unterschätzen von militärischer Stärke und Loyalität gegenüber Castro. Deshalb das Ausbleiben eines erwarteten Volksaufstands – und eine mangelhafte Planung und Geheimhaltung.

Für die Vereinigten Staaten wurde der Einsatz unter Präsident John F. Kennedy zu einem außenpolitischen Desaster. Die kubanischen Streitkräfte schlugen den Angriff schnell zurück. Mehr als 1.200 Angreifer gerieten in Gefangenschaft, viele verloren ihr Leben. Zu den Gefangenen gehörten auch Carlos Acosta und Rafael Gutierrez. “Wir dachten, wir könnten etwas verändern”, sagt Carlos rückblickend. “Aber wir waren nicht vorbereitet auf das, was kam.”

Das Scheitern stärkte Castros Position nachhaltig: Kuba erklärte sich zum sozialistischen Staat und rückte enger an die Sowjetunion heran. Ein Jahr später gipfelte die Entwicklung in der Kuba-Krise.

Heute leben Acosta und Gutierrez in Miami – wie viele ehemalige Mitglieder der Brigade 2506. 65 Jahre nach der Invasion planen sie gemeinsam mit anderen Exilkubanern die Eröffnung eines Museums. Es soll die Geschichte der Invasion für kommende Generationen bewahren und, das ist ihnen besonders wichtig, an die gefallenen Kameraden erinnern, die dort vergebens ihr Leben ließen.

Politische Forderungen bleiben präsent

Während der Blick zurück für viele im Vordergrund steht, richten andere ihre Erwartungen auch an die Gegenwart. Gutierrez verbindet mit der Erinnerung an 1961 klare politische Hoffnungen. Von US-Präsident Donald Trump wünscht er sich eine konsequente Haltung gegenüber Kuba. “Er sollte zu Ende bringen, was wir vor 65 Jahren begonnen haben”, sagt er.

Solche Aussagen zeigen, dass die Ereignisse von damals bis heute nachwirken – nicht nur historisch, sondern auch politisch, insbesondere unter Exilkubanern. Etwa 1,6 Millionen Menschen mit kubanischen Wurzeln leben allein im US-Bundesstaat Florida.

Wenn Trump “Cuba is next” sagt, handelt es sich wohl um eine bewusst zugespitzte politische Aussage. In den meisten Fällen zielt seine Rhetorik darauf ab, Stärke zu demonstrieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Gleichzeitig kann die Formulierung innenpolitisch wirken, etwa um bestimmte Wählergruppen anzusprechen.

Militärische Drohung?

Eine direkte militärische Drohung ist hingegen äußerst unwahrscheinlich, da solche Schritte nicht in dieser Form kommuniziert werden. Wahrscheinlicher ist, dass Kuba als Ziel politischer Kritik oder weiterer Sanktionen gemeint ist.

Insgesamt spricht vieles dafür, dass es sich eher um strategische Rhetorik als um einen konkreten Plan handelt. Doch das Verhältnis zwischen den USA und Kuba bleibt angespannt.

Die Ereignisse im April 1961 zeigen, wie riskant verdeckte militärische Operationen in einem globalen Machtkonflikt sein können. Bis heute gilt die Invasion in der Schweinebucht als Lehrstück für gescheiterte Interventionen und geopolitische Fehleinschätzungen.

Zugleich steht sie für die tiefen ideologischen Gräben des Kalten Krieges, deren Nachwirkungen noch immer spürbar sind. Für Zeitzeugen wie Carlos Acosta und Rafael Guiterrez ist sie mehr als ein historisches Ereignis: Sie ist Teil ihrer Lebensgeschichte.

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