Die Lage in der Straße von Hormus bleibt angespannt. US-Präsident Trump drohte allen iranischen Minenlegerschiffen mit tödlichem Beschuss und behauptete zudem, die USA hätten die Kontrolle über die Meerenge. Aktuelle Daten zeigen ein anderes Bild.
Der Konflikt um die Straße von Hormus spitzt sich offenbar wieder zu. Nachdem Teheran wiederholt erklärt hatte, Seeminen verlegt zu haben, kündigte US-Präsident Donald Trump nun Gegenmaßnahmen an: “Ich habe die US-Marine angewiesen, jedes Boot, so klein es auch sein mag, … das Minen in den Gewässern der Straße von Hormus auslegt, zu beschießen und zu töten”, schrieb er auf Truth Social. Es dürfe kein Zögern geben.
Alle 159 iranischen Kriegsschiffe lägen auf dem Meeresgrund, schrieb Trump. “Darüber hinaus räumen unsere Minensuchboote die Straße gerade in diesem Moment.” Die Aktivitäten sollten mit dreifacher Intensität fortgesetzt werden. Laut dem Präsidenten sind Minenräumer im vollen Einsatz, um die Gefahren für Schiffe zu beseitigen.
Die Räumung könnte einige Zeit dauern. Laut der Washington Post nannte das Pentagon einen Zeitraum von sechs Monaten. Ein Sprecher dementierte die Schätzung jedoch auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP. Eine sechsmonatige Sperrung der Straße von Hormus sei “unmöglich und für den Minister völlig inakzeptabel”.
Datenanbieter widersprechen Trump
Widersprüchliche Angaben gibt es auch darüber, wer die Straße von Hormus kontrolliert. Trump erklärte, die USA hätten die “vollständige Kontrolle”; die Meerenge sei “dichtgemacht”, bis Iran einem Abkommen zustimme.
Die aktuellen Entwicklungen zeichnen hingegen ein anderes Bild: Wie der Datenanbieter Vortexa schreibt, haben 34 sanktionierte Tanker oder Tanker mit Verbindungen zu Iran das Gebiet vom 13. bis 21. April durchfahren – am 13. April begann die US-Seeblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen.
Auch nach Bewertung des maritimen Datenanbieters Lloyd’s List Intelligence durchquerten bis zum Montag mindestens 26 Schiffe der sogenannten Schattenflotte die Blockade. Und der maritime Softwareanbieter AXSMarine schrieb, der meiste Verkehr durch die Straße von Hormus entfalle weiter auf Schiffsbetreiber, die sanktioniert seien oder undurchsichtige Eigentumsverhältnisse aufwiesen.
Auch iranische Medien hatten immer wieder berichtet, Schiffe des Landes hätten die US-Seeblockade durchfahren. Centcom, das US-Regionalkommando für den Nahen Osten, widersprach den Berichten: Die USA hätten im Rahmen der Blockade 29 Schiffe angewiesen, umzukehren oder in den Hafen zurückzukehren, hieß es in einer Stellungnahme auf X. Berichte über konkrete Schiffe, die die Blockade durchfahren hätten, seien falsch.
Iran betonte mehrfach, die US-Seeblockade sei ein Hindernis für weitere Verhandlungen. Trump hält aber trotz seiner einseitigen Verlängerung der Waffenruhe mit Iran vom Dienstag an der Blockade fest.
USA stoppen weiteres Schiff mit Öl aus Iran
Die USA wollen Teheran damit von wichtigen Einnahmequellen abschneiden. Nach eigenen Angaben hat das US-Militär kurz nach dem iranischen Angriff auf drei Frachtschiffe einen Öltanker im Indischen Ozean aufgebracht. In der Nacht zu Donnerstag sei das sanktionierte und staatenlose Schiff “Majestic X” gestoppt worden, gab das Verteidigungsministerium auf X bekannt. US-Einsatzkräfte seien an Bord des Frachters gegangen, der Öl aus Iran transportiert habe.
US-Marineminister muss gehen
Das Pentagon kündigte zudem einen Personalwechsel an: Marineminister John Phelan scheide mit sofortiger Wirkung aus dem Amt, hieß es in einer kurzen Erklärung – ohne Nennung eines Grunds. Der bisherige stellvertretende Marineminister Hung Cao übernehme die Leitung der Teilstreitkraft kommissarisch.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichtet, wurde Phelan entlassen – unter anderem, weil er Reformen zur Beschleunigung des Schiffbaus zu langsam umgesetzt habe. Außerdem habe er sich mit der Pentagon-Führung um Verteidigungsminister Pete Hegseth überworfen. Der Abgang des Milliardärs, dem enge Verbindungen zu Trump nachgesagt werden, reiht sich in einen umfassenden personellen Umbruch im Pentagon unter Hegseth ein.

