marktbericht
Der Energietechnikkonzern Siemens Energy wird optimistischer für das laufende Geschäftsjahr. Der Ausbau der Künstlichen Intelligenz treibt die Gewinne in die Höhe. Die Aktie legt weiter zu.
Im DAX stehen heute die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy im Fokus. Ein überzeugendes Zahlenwerk für das zweite Geschäftsquartal treibt das Papier auf ein neues Rekordhoch bei bisher 191,66 Euro, aktuell steht die Aktie leicht darunter.
Es ist vor allem die Netztechnik-Sparte Grid Technologies, die bei Siemens Energy für volle Auftragsbücher sorgt. Weltweit werden aktuell Rechenzentren gebaut, die große Mengen an Energie benötigen. Genau dafür liefert Siemens Energy die nötigen Komponenten. Siemens Energy hat hier zu Jahresbeginn unerwartet viele neue Aufträge verbuchen können.
Im Konzern wird nun für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 bis Ende September ein Nettogewinn von vier Milliarden Euro erwartet. Zuvor waren drei bis vier Milliarden Euro erwartet worden. Der Umsatz soll, bereinigt um Wechselkurs- und Portfolioeffekte, um 14 bis 16 Prozent zulegen. Bisher waren maximal 13 Prozent Umsatzplus erwartet worden.
Zudem wird der Konzern profitabler als gedacht: Die Umsatzrendite, also der prozentuale Anteil des Gewinns am Umsatz, soll auf zwischen zehn und zwölf Prozent steigen. Allein bei der Netztechnik-Sparte rechnet Siemens Energy nach der Auftrags-Flut im abgelaufenen Quartal mit einem Umsatzsprung um 25 bis 27 Prozent.
Besonders erfreulich ist für den Konzern auch die Entwicklung bei der Tochter Siemens Gamesa. Das spanische Windenergie-Unternehmen Gamesa war von Siemens Energy 2017 übernommen worden, hatte allerdings jahrelang für starke Verluste gesorgt. Nach dem vollzogenen Konzern-Umbau läuft es nun ganz offensichtlich besser.
Der Umsatz soll hier um bis zu fünf Prozent wachsen. Bisher war man im Vorstand lediglich von einem Plus von maximal drei Prozent ausgegangen. Ganz ohne Sorgen ist man bei der Windenergie-Tochter noch nicht. Das Ziel bleibe eine “schwarze Null”, teilte Siemens Energy mit.
Von Januar bis März schrumpfte der Verlust der Sparte immerhin auf 44 Millionen Euro zusammen. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres verbuchte Siemens Gamesa noch einen Verlust von 249 Millionen Euro. Analysten hatten im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass die Verluste in diesem Umfang sinken könnten.
Mit der Vorlage der Ergebnisse konnte Siemens Energy allerdings nicht auf ganzer Linie überzeugen. Für den Gesamtkonzern können die Münchner nur bei den neuen Aufträgen positiv überraschen. Im zweiten Quartal schnellte der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 17,75 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten auch hier mit weniger gerechnet.
Der Umsatz von Januar bis März überzeugte weniger: Er stieg zwar um knapp zehn Prozent auf 10,29 Milliarden Euro, sorgte aber für Enttäuschung. Analysten hatten im Vorfeld mit rund einer halben Milliarde mehr gerechnet. Auch das operative Ergebnis vor Sondereffekten und der Nettogewinn hinkten den Prognosen hinterher.
Unter dem Strich steht für den Gesamtkonzern ein Gewinn von 835 Millionen Euro, Analysten hatten Siemens Energy aber im Schnitt mehr als 900 Millionen zugetraut. Beim Auftragseingang ragte neben der Netztechnik-Sparte vor allem die Gas-Sparte heraus. Beide blieben aber beim Gewinn hinter den Erwartungen zurück.
Die Aktie von Siemens Energy dreht nach zunächst volatilem Handelsverlauf bis zum Mittag nachhaltig ins Plus. Zwischenzeitlich erreichen die Papiere bei Stand von 191,66 Euro sogar ein neues Rekordhoch. Siemens Energy sind im DAX in diesem Jahr bislang der stärkste Wert mit einem Zuwachs von über 50 Prozent.
Da der Konzern in der Liste der wertvollsten DAX-Unternehmen inzwischen die Nummer drei ist, hilft das auch dem Leitindex insgesamt. Zusammen mit dem Software-Konzern SAP, der ebenfalls überzeugende Zahlen vorgelegt hatte, stützen sie den Leitindex. Auch die SAP-Aktie legt kräftig zu und steht an der DAX-Spitze.
Der DAX ist mittlerweile ins Plus gedreht, nachdem auch die Ölpreise deutlich nachgegeben haben. Sollte es bei einem positiven Handelsschluss bleiben, wäre die Verlustserie von zuletzt vier Sitzungen in Folge gerissen. Gestern hatte der DAX 0,16 Prozent tiefer geschlossen.

