EZB-Umfrage: Banken verschärfen Vergabe von Krediten

EZB-Umfrage: Banken verschärfen Vergabe von Krediten

Stand: 28.04.2026 • 13:39 Uhr

Wer einen Kredit aufnehmen will, muss bei den Banken mit strengeren Bedingungen rechnen. Laut einer EZB-Umfrage sind die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs der Auslöser dafür. Ein Kurswechsel ist vorerst nicht in Sicht.

Im ersten Quartal 2026 haben die Banken im Euroraum ihre Vergabe von Krediten deutlich verschärft – und das in allen Kreditkategorien. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Zentralbank hervor, an der 161 Finanzinstitute teilgenommen haben. Die Verschärfung der Vergabekriterien für Kredite fiel demzufolge stärker aus als erwartet.

Zusätzlich stieg auch der Anteil abgelehnter Kreditanträge. Dieser Anstieg war bei Konsumkrediten höher als bei Firmenkrediten und Wohnungsbaudarlehen.

EZB sieht geringere Risikotoleranz

Hintergrund sind die wirtschaftlichen Entwicklungen vor allem vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs. Die geopolitische Lage hat laut EZB für Druck gesorgt und somit zu einer Verschärfung geführt. “Einige Banken berichteten über zusätzliche Verschärfungen im Zusammenhang mit Engagements bei energieintensiven Firmen und im Nahen Osten”, hieß es in dem Bericht.

Als konkrete Gründe für eine verschärfte Kreditvergabe nannten die Banken selbst die gestiegenen Energiepreise und höhere Refinanzierungskosten. “Die geringere Risikotoleranz und die höheren Risikowahrnehmungen der Banken waren die Hauptgründe für die Verschärfung der Kreditvergabe bei Konsumkrediten”, ordnete die EZB in ihrem Bericht mit.

Kreditvergabe soll noch strenger werden

Bei den Firmenkrediten war es die deutlichste Straffung seit dem dritten ​Quartal 2023. Für das bis Ende Juni laufende zweite Quartal erwarten die Banken eine nochmals deutlichere Verschärfung ihrer Vergabestandards. Insbesondere bei Unternehmens-, Haus- und Konsumentenkrediten sei damit zu rechnen.

Die Nachfrage nach Krediten ging in den ersten drei Monaten 2026 entgegen den Erwartungen der Banken leicht zurück. Als Grund wurde vor allem die Investitionszurückhaltung der ​Unternehmen wegen der gestiegenen Unsicherheit genannt. Die Finanzinstitute gehen aus, dass die Kreditnachfrage von Unternehmen und Konsumenten im zweiten Quartal weiter zurückgehen wird.

EZB-Zinsentscheid am Donnerstag

Die Ergebnisse der Umfrage sind für die Währungshüter eine Orientierungshilfe für ihre Geldpolitik. Die Zentralbank dürfte allerdings Fachleuten zufolge am Donnerstag erneut die Zinsen bei 2,0 Prozent belassen.

Im Zuge der Turbulenzen durch den Iran-Krieg und die seitdem gestiegene Inflation hat EZB-Chefin Christine Lagarde wiederholt die Handlungsbereitschaft der Zentralbank betont. Eine Zinserhöhung auf der Sitzung im Juni gilt unter Experten ‌durchaus als ‌eine Option.

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