BMW und Tesla schaffen gegen den Trend neue Industriejobs

BMW und Tesla schaffen gegen den Trend neue Industriejobs

Stand: 29.04.2026 • 07:19 Uhr

Der deutschen Industrie geht es schlecht, die Autobauer verzeichnen Gewinneinbrüche – doch mitten in der Krise gibt es auch Hoffnungszeichen. Zwei Beispiele aus Brandenburg.

Andre Kartschall

Helmut Schramm, Werksleiter des BMW-Standorts in Berlin, ist sichtlich stolz. Eine nagelneue Lackiererei geht in Betrieb, “mit Sicherheit die modernste der Welt”, wie Schramm sagt. In Berlin steht das Stammwerk der BMW-Motorradsparte – ein Standort mit Tradition.

Seit 1969 werden die Zweiräder hier montiert. Auf dem Werksgelände prangen Banner: “4 Millionen Motorräder” sind seitdem hier vom Band gelaufen. Die Sparte gilt als profitabel, Marge und Absatzzahlen der Zweiräder erreichten in den vergangenen Jahren Rekordstände.

1,3 Millionen Teile pro Jahr in 20 verschiedenen Farben werden am neuen BMW-Standort lackiert.

50-Millionen-Euro-Investition

Das soll so weitergehen, von der viel beschworenen Krisenstimmung in der Automobilbranche gibt es hier keine Spur. Es wird investiert. Mehr als 50 Millionen Euro hat die neue Lackiererei gekostet. Werksleiter Schramm schwärmt: “20 Farben – das bietet kein Wettbewerber weltweit an.”

1,3 Millionen Teile sollen hier pro Jahr lackiert werden, alle 57 Sekunden eines. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-System. Alle Abläufe sind neu und zum großen Teil automatisiert. Roboter sprühen die Lackschichten nach Programm auf. Schramm sagt, die Mitarbeiter hätten die Neuerungen zum Teil selbst mitentwickelt.

Er betont, dass die Innovationsfähigkeit eines Standortes auch immer an der Bereitschaft des eigenen Personals hänge. Auf seine Mitarbeiter lässt er da nichts kommen: “Die sind schnell, die wollen mehr, die sind kreativ.”

Auch nachhaltig sei die neue Lackierstraße. Mehr als 80 Prozent Einsparung an Wasser, Abfall und CO2 – und das bei rund dem halben Energieverbrauch im Vergleich zur alten Lackiererei.

Neben Schramm steht Betriebsrat Markus Kapitzke. Auch von ihm sind vor allem Erfolgsmeldungen zu hören. “Wir haben in drei Jahren über 800 unbefristete Einstellungen geschafft”, erzählt er zufrieden. Und die Zahl der Auszubildenden pro Jahrgang habe sich fast verdoppelt.

Die neue Lackiererei arbeitet deutlich nachhaltiger als die alte. Das zeigt diese plastische Darstellung.

Neueinstellungen bei Tesla

Es sind nicht die einzigen Erfolgsmeldungen aus der Region. Der Elektroautobauer Tesla hat angekündigt, 1.000 neue Jobs zu schaffen. Und das bereits bis Ende Juni. Der Grund: Nach einem Absatzeinbruch im vergangenen Jahr seien die Zulassungszahlen für den Mittelklasse-SUV Model Y wieder gestiegen.

Das passe ins Gesamtbild, sagt Thomas Hüne. Er ist “Senior Referent” für Volkswirtschaft beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und hat eine differenzierte Sicht auf den Industriestandort Deutschland. Die Automobilwirtschaft etwa schlage sich besser als oftmals berichtet. Die Tesla-Nachricht passt da ins Bild.

“Deutschland ist weltweit hinter China auf Platz zwei der Elektroautoproduktion”, sagt Hüne mit Blick auf die Statistiken. Im Vergleich der letzten fünf Jahre sei die Autoindustrie in Deutschland auch immer noch eine Wachstumsbranche. Zwar sei hierzulande insgesamt die Industrieproduktion rückläufig, doch es gebe Ausnahmen.

“Zu den Gewinnern zählen Pharmaindustrie und der sonstige Fahrzeugbau – etwa Flugzeuge, Schienenfahrzeuge, Schiffe”, zählt Hüne auf. “Der dritte Bereich ist der Fahrzeugbau.” Verlierer seien Chemie, Baustoffindustrie, Papier und die Metallindustrie. Branchen also, die besonders unter den hohen Strom- und Gaspreisen leiden. “Schwächen haben wir in den energieintensiven Branchen”, konstatiert der BDI-Experte.

Werkserweiterungen werden seltener

Investitionen wie die von BMW in Berlin seien branchenübergreifend eher zur Ausnahme denn Regel geworden. “Wir sehen, dass Werkserweiterungen kaum noch in Deutschland stattfinden, sondern eher im Ausland”, sagt Hüne. BDI-Präsident Peter Leibinger hatte es kürzlich drastischer ausgedrückt: Der Standort Deutschland stecke in der tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Wirtschaft befinde sich “im freien Fall”.

BDI-Volkswirt Hüne drückt es technischer aus: “Die Auslastung in der deutschen Industrie ist seit elf Quartalen unterdurchschnittlich. So eine lange Phase haben wir noch nicht erlebt.” Beide Aussagen meinen das gleiche: Deutschland als Wirtschaftsstandort insgesamt zeigt sich außergewöhnlich schwach.

Ein Faktor: der Konkurrent China liefert mittlerweile in fast allen Branchen ähnlich gute oder zumindest günstigere Produkte als deutsche Unternehmen. Den Kern des Problems sieht Hüne aber in Deutschland selbst: “Hauptgrund sind die Energiekosten.”

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *