Presslufthammer, Sirenen, Gehupe. Der Alltag in New York ist vor allem eines: extrem laut. Knapp 1.800 Beschwerden gingen im vergangenen Jahr täglich über die Lärm-Hotline ein. Die Stadt will handeln.
New York City gehört zu den aufregendsten, kreativsten und tollsten Städten der Welt. Die Sinfonie dieser Großstadt kann jedoch ganz schön nerven: Sirenen, Gehupe, Geschrei.
Die Sirenen der Polizei- und Rettungsfahrzeuge erträgt nur, wer sich die Ohren zuhält. Als Deutscher sehnt man sich nach dem niedlichen “Ta-Tü-Ta-Ta” unserer Polizeiwagen. Wenn dann auch noch die New Yorker Feuerwehr-Trucks ausrücken, um irgendwo einen Brand zu löschen oder sich Donuts für die Kaffeepause zu besorgen, geht man als Fußgänger besser in Deckung. Wenigstens bis zur nächsten Baustelle wird es etwas ruhiger – in Manhattan wird ständig irgendwo gebaut, gegraben oder mit dem Presslufthammer gebohrt.
Knapp 650.000 Lärmbeschwerden gingen im vergangenen Jahr unter der städtischen Lärm-Hotline 311 ein – jeden Tag etwa 1.800. Einmal im Jahr veröffentlicht die Stadt eine Rangliste mit den Bezirken, in denen es die meisten Lärmbeschwerden gibt.
Laute Orte können über App gemeldet werden
Doch seit einigen Monaten bietet New York seinen Bürgern auch eine Lärm-App zum Download an. Mit “New York Noise” kann man Krach aufnehmen und die Dezibel-Daten direkt weiterleiten. “Damit wollen wir echte Daten bekommen, an welchen Stellen in New York es den meisten Lärm gibt”, sagt der Chef der städtischen Umweltschutzamtes, Rohit Aggarwala.
Aus Datenschutzgründen überträgt die App nicht die tatsächlichen Geräusche, sondern nur den Aufenthaltsort und die Lautstärke in Dezibel. Dennoch erhofft sich die Stadt, mit diesen Daten gezielter gegen Lärm-Hotspots vorgehen zu können. Aggarwala weiß, wo der Big Apple am lautesten ist: “Am Times Square. Allerdings beschweren sich die Leute darüber nicht, weil sie am Times Square Lärm erwarten.”
Die riesigen Leuchtreklamen und digitalen Plakatwände sorgen nicht nur für optische Reizüberflutung. Auch die Ohren bekommen hier immer was ab – mal dröhnt Alicia Keys “New York”-Hymne aus den Boomboxen der Fahrrad-Taxis, mal tobt sich ein Schlagzeuger aus.
“Lärm gehört nun mal zu New York dazu”
Zachary Schwam kann sich nicht über mangelnde Kundschaft beklagen – er ist Ohrenarzt in Manhattan. Unter seinen Patienten seien viele Polizisten und Feuerwehrleute, sagt er. “Aber auch Rettungssanitäter und Bauarbeiter. Sie alle haben Gehörschäden, weil sie ständig dem Lärm dieser Stadt ausgesetzt sind.”
Die Lärm-Hotspots im Big Apple sind 90 Dezibel laut. Damit gehört New York City zu den zehn lautesten Städten der Welt. Robert, der hier aufgewachsen ist, stört das nicht: “Lärm gehört nun mal zu New York dazu. Da kannst Du nichts gegen machen.”
Lärm-Kameras aufgestellt
New York City will dennoch mehr tun. Neben der Lärm-App wurden bereits mehrere Lärm-Kameras an Orten aufgestellt, wo es immer wieder Beschwerden gibt. Ab einer Lautstärke von 85 Dezibel macht die Kamera automatisch ein Foto. Damit sollen frisierte Motorräder auf frischer Tat ertappt werden oder tiefergelegte Autos mit wummernder Musik.
Mit den Kameras hat New York zumindest eines jetzt schon erreicht: Die Lärmsünder mussten in den vergangenen fünf Jahren 1,7 Millionen Dollar Bußgelder zahlen.


