Warum China Seltene Erden in Myanmar abbaut

Warum China Seltene Erden in Myanmar abbaut

Stand: 05.05.2026 • 08:28 Uhr

Dass der Abbau Seltener Erden die Umwelt belastet, weiß auch die chinesische Führung. In der Provinz Jiangxi hat sie deshalb viele Minen geschlossen. Die begehrten Metalle besorgt sich das Land nun in Myanmar.

Jörg Endriss

Manchmal sieht man die runden Becken sogar vom Straßenrand aus: Sie sind mit Planen ausgeschlagen, in ihnen sammelt sich Flüssigkeit. Die Region von Longnan in der Provinz Jiangxi im Südosten Chinas ist geprägt von solchen Seltenen-Erden-Minen.

Schwere Seltene Erden werden hier abgebaut. Sie werden mit Säure aus dem Erdreich geschwemmt und in den Becken aufgefangen. Manche Hügel sind übersät von Rohren. Die wertvollen kritischen Metalle sind Grundstoffe für Computerchips, Smartphones, Elektromotoren.

Oft bleiben beim Abbau Giftstoffe zurück, die ins Grundwasser dringen. Doch wer hier Fragen stellt, wird schnell gestoppt. Mitarbeiter eines staatlichen Minenbetreibers stellen sich dem ARD-Team erst in den Weg, später folgen Aufpasser.

Auf die Frage, ob es hier Auswirkungen gibt, sagt ein Bauer zunächst: “Da drüben in Xiaojikou. Die Reisfelder wurden verseucht und …” Dann ruft einer der Verfolger dazwischen und fordert den Bauern auf, nicht weiterzusprechen. Der beendet daraufhin den Satz mit ” … ah, aber jetzt ist alles gut!” Als dann ins Haus geht, rechtfertigt er sich: “In Xiaojikou ist alles gut, habe ich denen gesagt.”

Renaturierung und neue Bezugsquellen

Immer wieder gab es hier Berichte über verseuchte Felder und über erhöhte Krebsraten. Die kommunistische Führung hat inzwischen Konsequenzen gezogen. Viele Minen sind verstaatlicht oder geschlossen worden. Einige verlassene finden sich noch in der Gegend, oft ungesichert, teils stehen alte Chemikalienkanister herum.

Andernorts wurden ehemalige Minen renaturiert. Erdreich wurde abgetragen und es wurden Parks angelegt, für umgerechnet viele Millionen Euro. Die örtliche Regierung hat jetzt verarbeitende Industrie angesiedelt, die aus Seltenen-Erden-Produkten zum Beispiel gleich Elektromotoren baut.

Der Rohstoff kommt zu einem Teil zwar noch aus der Gegend, wird aber mittlerweile auch von woanders angeliefert.

Die Beschäftigten ziehen weiter

Die Spur der Seltenen Erden führt in Chinas äußersten Südwesten, die Provinz Yunnan. Dort sind auffällig viele Lastwagen mit Säcken Richtung myanmarische Grenze unterwegs. In ihnen befindet sich Ammoniumsulfat zur Lösung von Seltenen Erden aus dem Gestein.

Auf der chinesischen Seite, nahe des Grenzübergangs, ist alles voller Lagerhäuser und Läden, die Rohre, Planen, Pumpen und Generatoren für die Minen verkaufen. Menschen aus Jiangxi, die in ihrer Heimat Minen schließen mussten, scheinen in Richtung Myanmar weitergezogen zu sein, bestätigt uns zumindest eine Arbeiterin aus einem der Läden.

Ihr Boss komme aus Jiangxi, berichtet sie, die Kunden kämen alle von den Seltenen-Erden-Minen – in Myanmar.

Viele neue Minen in Myanmar

In das Bürgerkriegsland zu fahren ist dem Team nicht möglich. Satellitenbilder zeigen aber, wie sich auf der myanmarischen Seite die Zahl der Seltenen-Erden-Minen vervielfacht hat.

“An der Grenze Myanmars zu China gibt es Gebiete, die nicht unter voller Kontrolle des zentralen Militärs oder einer der ethnischen Gruppen stehen. Das gibt den chinesischen Unternehmen Raum jeweils mit dem ein Abkommen zu schließen, der gerade eine Region kontrolliert, um dann die Seltenen Erden dort abzubauen”, sagt Yun Sun, Politik-Analystin am US-Forschungsinstitut Stimson Center.

Der Bürgerkrieg spiele den chinesischen Unternehmen in die Hände. Viele Milizen verdienen mit und finanzieren damit ihren Kampf. Das Wissen bleibt bei den chinesischen Firmen.

Insider erzählen, dass die chinesischen Minenbosse ihr Know-how nicht an Einheimische weitergeben dürften und den Rohstoff zurück nach China exportieren müssten. “Ich denke, das Motto der chinesischen Führung ist: Lass uns dort den Abbau der Seltenen Erden kontrollieren, damit wir weiterhin die Dominanz bei den Seltenen Erden gegen die ganze Welt ausspielen können, analysiert Yun Sun.

Auch nach Laos verlagern chinesische Geschäftsleute den Abbau der Seltenen Erden, um sie zur Verarbeitung nach China zu exportieren. Seine Monopolstellung will China behalten, aber die eigenen Ressourcen schonen. Dabei wird die Umweltverschmutzung in Gebiete verlagert, in denen kaum jemand Umweltstandards kontrolliert.

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