marktbericht
Rheinmetall blieb im ersten Quartal unter den Erwartungen, verspricht aber eine Aufholjagd im zweiten Quartal. Der Rüstungskonzern kann sich vor Aufträgen kaum retten. Der DAX-Titel ist heute gefragt.
Fast acht Prozent Wachstum klingen für einen DAX-Konzern nicht schlecht – für einen DAX-Konzern im Zentrum eines beispiellosen Rüstungsbooms klingen sie aber weniger überzeugend. Die Quartalszahlen von Rheinmetall werden heute an der Börse dennoch mit deutlichen Kursgewinnen quittiert.
Bis zum frühen Nachmittag gewinnt die Aktie fast fünfeinhalb Prozent auf knapp 1.450 Euro und zieht damit auch den DAX nach oben, der um 1,3 Prozent zulegen kann.
Deutliche Beschleunigung erwartet
Denn während das Umsatzplus von 7,7 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro enttäuschte, konnte der Rüstungskonzern seine Profitabilität erhöhen. Das operative Ergebnis legte gegenüber dem ersten Quartal 2025 um gut 17 Prozent auf 224 Millionen Euro zu. Damit stieg die Ergebnismarge um 1,1 Prozentpunkte auf 11,6 Prozent, was im Rahmen der Markterwartungen lag.
Noch wichtiger ist aber, dass die Düsseldorfer im zweiten Quartal deutlich schneller wachsen wollen und ihre Jahresziele bestätigt haben. Nach einem starken Jahresstart und schwachem zweiten Quartal 2025 dürfte es in diesem Jahr nun genau andersherum laufen, kommentierte JPMorgan-Analyst David Perry. Die Ergebnisse des ersten Quartals lägen nur wegen Timing-Effekten unter den Markterwartungen.
So wird die Bundeswehr einen Großauftrag bereits vorproduzierter Lastwagen erst im laufenden zweiten Quartal abnehmen. Im ersten Quartal hatte zudem eine Explosion in einem spanischen Munitionslager die Produktion gebremst. Bei dem Vorfall bei der Rheinmetall-Tochter Expal Munitions in der Region Murcia waren Ende Januar sechs Menschen verletzt worden.
Gewaltiger Auftragsbestand
Für das Gesamtjahr stellt Rheinmetall-Chef Armin Papperger ein Umsatzplus von 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht. Die Ergebnismarge erwartet der Rüstungskonzern bei rund 19 Prozent.
Damit werden die Düsseldorfer nur einen kleinen Teil ihres Auftragsbestands abarbeiten können, der mittlerweile auf 73 Milliarden Euro angewachsen ist. Das sind 31 Prozent mehr als vor einem Jahr, wozu auch die Übernahme des Marineschiffbauers NVL im vergangenen September beitrug.
Große Auftragseingänge für Kampffahrzeuge erwartet der breit aufgestellte Konzern etwa aus Italien und Rumänien. Beobachter erwarten auch weitere Wachstumsimpulse aus der Distanzierung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump von der NATO und dem geplantem Abzug von US-Truppen aus Deutschland. Diese dürften die Nachfrage aus Europa nach Waffen und Munition weiter ankurbeln.
Aktie zuletzt unter Druck
Der heutige Kursgewinn bei der Rheinmetall-Aktie ist auch als Reaktion auf die jüngsten Kursverluste zu verstehen. Denn die Investoren sind in den vergangenen Monaten kritischer geworden. Trotz der hohen Wachstumsaussichten haben sie zunehmend auf die bereits hohe Bewertung der Aktie geblickt. So hat der DAX-Titel in den vergangenen drei Monaten fast 18 Prozent an Wert verloren.
Selbst die weitere geopolitische Zuspitzung im Zuge des Iran-Krieges hatte diese Tendenz nicht umgekehrt.

