Firmen bauen weiter Jobs ab und verlagern sie ins Ausland. Auch der Maschinenbau ist betroffen.Trotz positiven ersten Quartals sieht der Branchenverband keine grundsätzliche Besserung.
Es war eine Schocknachricht für Speyer: Der Maschinenbauer Mann+Hummel schließt sein Werk. Vor drei Wochen sprach sich das in der Stadt herum. Die Reaktion der Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler spricht Bände: “Das Unternehmen gehört seit über 70 Jahren zu unserer Stadt und hat den Industriestandort Speyer maßgeblich mitgeprägt. Dass diese Geschichte nun enden soll, nehmen wir nicht einfach hin.”
Der Maschinenbauer will den Standort bis Ende 2028 schließen. Nach derzeitigem Stand wäre dies das Ende von rund 600 Arbeitsplätzen. Mann+Hummel stellt in Speyer bislang unter anderem Luft- und Öl-Filteranlagen her – für die Landwirtschaft und den Maschinenbau.
“Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass für die Beschäftigten tragfähige Lösungen gefunden werden und dass der Standort eine industrielle Zukunft behält”, gibt sich die Oberbürgermeisterin kämpferisch. Sie fürchtet auch um die wegfallenden Gewerbesteuer-Einnahmen für die Stadt.
Schlechte Standortfaktoren
Als Gründe für die Standortschließung nennt das Unternehmen das schwache Wirtschaftswachstum in Europa sowie gestiegene Energie- und Arbeitskosten in Deutschland. Die Produktion vom Speyerer Werk soll schrittweise an andere Werke verlagert werden.
Wohin, ist noch unklar. Das Unternehmen hat weltweit 80 Standorte und plant offenbar, die Produktion aus Speyer dorthin zu verlegen. Die Unternehmensführung will sich zum weiteren Fortgang derzeit nicht äußern.
Auch in der Belegschaft wollen sich viele nicht in der Öffentlichkeit äußern. Daniel Di Naro, der in der Warenausgabe arbeitet, spricht im SWR aber offen seine Ängste aus: “Nach 26 Jahren ist es für mich die pure Ohnmacht. Die finanzielle Stabilität für meine Familie und mich ist zusammengebrochen. Ich hoffe, dass ich wieder eine neue Arbeit finden werde. Aber: Wie geht es jetzt weiter?”
Die Werksschließung und die Angst der Beschäftigten sind ein weiteres Beispiel für die derzeitig schlechte Lage der Maschinenbau-Industrie. Die Branche leidet unter hohen Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und Fachkräftemangel kommen noch hinzu.
Durchwachsene Quartalsbilanz
Die schwierige Gesamtlage zeigt sich auch in der Bilanz des ersten Quartals 2026 der deutschen Maschinenbauer. Auf den ersten Blick gab es zwischen Januar und März zwar ein Plus von vier Prozent. Allerdings: Der Zuwachs findet auf einem schwachen Niveau statt.
Die Produktion war in den vergangenen drei Jahren rückläufig. In den ersten beiden Monaten 2026 war der Auftragseingang zudem schwach. Im März gab es dann Bestellungen für einige Großanlagen und andere einzelne größere Aufträge.
Keine Trendwende in Sicht
Der Branchenverband VDMA sieht daher keine Trendumkehr. “Diese Sondereffekte sind sehr erfreulich. Sie markieren aber leider nicht den Beginn eines breiten Aufschwungs, sondern beschönigen die Lage”, sagt VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt.
Und weiter: “Für einen dauerhaften Aufschwung fehlen auch die zwingend notwendigen strukturellen Reformen in der deutschen und europäischen Politik. Ein Jahr nach ihrem Start tut sich die Regierungskoalition in Berlin vor allem mit internen Streitigkeiten hervor, statt mit Weichenstellungen, die unsere Unternehmen in eine bessere Position im globalen Wettbewerb bringen könnten. Für eine Ankündigungs-Regierung kann sich niemand etwas kaufen”, wendet sich der Chefvolkswirt mit ungewöhnlich klaren Worten an die Adresse der Politik.
Neben hausgemachten Standortproblemen sieht der VDMA allerdings auch wirtschaftliche und geopolitische Probleme: die Kriege in der Ukraine und in Iran sowie den anhaltenden Zollstreit mit den USA. Insgesamt herrsche international ein Klima der Verunsicherung. Investitionen bleiben laut Branchenverband deshalb aus.
Sorgen in Speyer
In Speyer geht die Sorge vor den langfristigen Folgen der Werksschließung um – etwa bei den Einzelhändlern. Hunderte gut bezahlte Industriejobs dürften bald wegfallen – und damit zahlungskräftige Kunden.
“Das wird sich bei uns bemerkbar machen. Viele Beschäftigte und Firmenkunden kommen mittags bei uns essen, bestellen auch mal am Abend in der Spätschicht”, erzählt Silke Stephan. Sie ist Geschäftsführerin der Pizzeria Pasta Pasta 5 Sterne, die in der Nähe des Werkes liegt. “Einnahmen werden uns fehlen. Bis zu 100 Stammkunden dürften wir verlieren.”
Neben der Oberbürgermeisterin will auch die Gewerkschaft IG Metall um die Arbeitsplätze kämpfen. “Wir werden uns organisieren – mit der Belegschaft. Wir kämpfen um diesen Standort”, kündigt Wladislaw Wolter von der Gewerkschaft an. “Wir fordern den Arbeitgeber auf, die Entscheidung rückgängig zu machen und über konkrete Zukunftspläne zu verhandeln.” Allerdings: An den schlechten Standortbedingungen dürften auch die angekündigten Proteste der Gewerkschaft nichts ändern.


