Der Ölriese Shell ist mit einem Gewinnsprung ins neue Jahr gestartet. Treiber waren die wegen des Iran-Kriegs explodierten Öl- und Gaspreise. Die Aktionäre sollen eine höhere Dividende bekommen.
Der niederländisch-britische Ölriese Shell ist prächtig ins neue Jahr gestartet. Der Konzernüberschuss sprang auf 6,92 Milliarden Dollar von 5,58 Milliarden ein Jahr zuvor und übertraf damit die mittleren Markterwartungen um mehr als eine halbe Milliarde. Im Vergleich zum Schlussquartal des Vorjahres verdoppelte sich der Gewinn sogar. Haupttreiber waren die extrem gestiegenen Öl- und Gaspreise infolge des Krieges am Persischen Golf.
Die Shell-Aktie verliert an der Londoner Börse trotzdem rund zwei Prozent auf 3.140 Pence, war aber zuvor sehr gut gelaufen. Noch im Januar wurden rund 2.400 Pence bezahlt, das Jahreshoch lag Ende März bei knapp 3.600 Pence. Die in Frankfurt notierte Euro-Aktie war von 30 auf 40 Euro gestiegen, zuletzt wurden rund 36,40 Euro bezahlt.
Produktion sinkt nach Raketenbeschuss
Der Konzern erreichte sein höheres Ergebnis, obwohl die Öl- und Gasproduktion gegenüber dem Vorquartal um vier Prozent gesunken war. Was primär mit dem Beschuss einer großen Gasanlage des Konzerns in Katar durch Iran am Persischen Golf zu tun hat. Die Reparatur werde rund 500 Millionen Dollar kosten und etwa ein Jahr dauern, erklärte Finanzchefin Sinead Gorman. Sie fügte allerdings auch hinzu, dass Shell bereit stünde, sobald die Straße vor Hormus wieder eröffnet werde.
Der Mittlere Osten steht für rund 20 Prozent der Ölförderung des Konzerns, die Hälfte davon aber im Oman. Ein Land das außerhalb der Straße von Hormus liegt.
Quartalsdividende steigt
Ölkonzerne gelten traditionell als gute Dividendenzahler. So wird die Quartalsdividende um fünf Prozent auf 39,06 US-Dollar-Cent je Aktie erhöht. Dafür kürzt Shell-Chef Wael Sawan die Ausgaben für den Rückkauf eigener Aktien von 3,5 auf 3 Milliarden Dollar im Quartal. Ein Schritt, der bei einigen Anlegern nicht gut ankam.
Shell erhöht dafür die Investitionsausgaben von bisher geplanten 20 bis 22 auf 24 bis 26 Milliarden Dollar. Was auch mit der geplanten Übernahme des kanadischen Schieferölkonzerns ARC Ressources für 16,4 Milliarden Dollar zu tun hat. Es ist die größte Übernahme seit einem Jahrzehnt.
Solides Ergebnis
JPMorgan-Analyst Matthew Lofting sprach von einem soliden Ergebnis. Er verwies darauf, das geopolitische Entwicklungen gerade für europäische Ölkonzerne zunehmend wichtiger werden.
Die Investmentbank Oddo BHF hat Shell von “Neutral” auf “Outperform” hochgestuft und das Kursziel von 42 auf 44 Euro angehoben. Thijs Berkelder betonte in einer heute vorliegenden Studie die über den Erwartungen liegenden Resultate, die der Ölkonzern für das erste Quartal vorgelegt habe. Er hob außerdem die erhöhte Quartalsdividende hervor.
DAX im Seitwärtstrend
Der DAX bewegt sich derweil bei geringen Bewegungen seitwärts um die Marke von 24.900 Punkten. Noch ist unklar, ob der von den Investoren lang ersehnte Friedensdeal im Nahen Osten tatsächlich bald verkündet wird. Der deutsche Leitindex war gestern rund zwei Prozent gestiegen und hatte kurzzeitig die Marke von 25.000 Punkten überwunden.
“Die Anleger erwarten nun Taten statt Worte und damit belastbare Fortschritte statt weiterer Ankündigungen”, sagte Timo Emden von Emden Research. Die Nervosität dürfte hoch bleiben, solange die Gefahr neuer Eskalationen bestehe.
Gleichzeitig geht heute die Berichtssaison der Unternehmen weiter. Unter anderem Vonovia, Siemens Healthineers und Henkel aus dem DAX legen Quartalszahlen vor. Allianz hält zudem heute die Hauptversammlung ab. Die Aktionäre von Europas größtem Versicherungskonzern müssen über die Ausschüttung einer Rekorddividende von 17,10 Euro abstimmen.
