marktbericht
Trotz guter US-Vorgaben und neuer Friedenshoffnungen bleiben die Anleger zurückhaltend. Der DAX hält sich zwar auf hohem Niveau, zu mehr reicht es derzeit aber nicht.
Es bleibt das alles überragende Dauerthema an der Börse: Wann kommt es zu endlich einer Verständigung der Kriegsparteien im Nahen Osten, wann wird die Straße von Hormus endlich wieder geöffnet? Schon seit Tagen warten die Anleger auf die erlösende Botschaft und scharren mit den Hufen. Schon kleinste Gerüchte reichen, um die Kurse sofort nach oben zu treiben.
Gestern hatte der DAX deutlich rund zwei Prozent zugelegt – allen Konjunktursorgen zum Trotz. Diese werden von den Anlegern weiter konsequent ignoriert. Aber noch ist der Durchbruch am Golf nicht da, trotz immer neuer, aber bisher fruchtloser Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump.
“Die Börse setzt auf einen zeitnahen Friedensdeal, doch nun steht die Hoffnung vor ihrer Bewährungsprobe”, erläuterte Timo Emden, Marktanalyst von Emden Research. “Die Anleger erwarten nun Taten statt Worte und damit belastbare Fortschritte statt weiterer Ankündigungen.” Solange die Gefahr neuer Eskalationen bestehe, dürfte die Nervosität hoch bleiben.
Der DAX tendierte heute in Erwartung neuer Nachrichten zunächst seitwärts und gab im späteren Geschäft noch deutlicher nach. Der Schlussstand lag bei 24.663 Punkten, ein Verlust von 1,02 Prozent. Der MDAX der mittelgroßen Werte ging bei 31.561 Punkten um 0,69 Prozent leichter aus dem Handel.
Dabei wäre eigentlich alles für eine große Party bereit, denn die Wall Street ist weiter im Höhenrausch. Auch heute erreichen der S&P 500 und der Auswahlindex Nasdaq 100 zunächst neue Rekordstände, die KI-induzierte Goldgräberstimmung geht damit weiter. Trotz des Kriegs im Nahen Osten und einer drohenden weltweiten Energiekrise. Beflügelt werden besonders die technologielastigen Indizes S&P 500 und Nasdaq von robust wachsenden Unternehmensgewinnen, einer soliden Konjunktur und eben dem anhaltenden KI-Boom. Anders als in Europa spielen die Ölpreise in der US-Berichtssaison bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Mehr als zwei Drittel der Bilanzen für die ersten drei Monate des Jahres 2026 sind schon vorgelegt und die S&P-500-Unternehmen sind auf dem besten Weg, das stärkste Quartalswachstum seit mehr als vier Jahren zu verzeichnen. Nachdem einige der schlimmsten wirtschaftlichen Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg nachgelassen haben, konnten sich die Anleger wieder auf die Stärke der Unternehmensgewinne konzentrieren.
“Da sich die Lage nicht verschlechtert hat und der Waffenstillstand nun schon seit einiger Zeit in Kraft ist, waren es die Gewinne, die den Aufwärtstrend vorangetrieben haben”, sagt Chris Fasciano, Chef-Marktstratege beim Commonwealth Financial Network.
Derweil ging heute die Berichtssaison der Unternehmen auch hierzulande weiter. Gleich mehrere Unternehmen aus dem DAX öffneten wie schon am Vortag ihre Bücher. So Siemens Healthineers. Anhaltende Probleme der Labordiagnostik-Sparte in China sowie die wieder steigende Inflation lassen das Unternehmen pessimistischer werden. Der Erlanger Medizintechnik-Konzern kappt deshalb seine Umsatz- und Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Die Anleger zogen die Reißleine, das Papier gehörte zu den schwächsten Titeln im DAX.
Auch Vonovia-Aktien gaben ebenfalls nach. Vonovia, Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern, profitiert wie alle Vermieter zwar von einer hohen Nachfrage vor allem in den Ballungsgebieten. Operativ verdiente der Konzern im Quartal 1,4 Prozent mehr auf 711,6 Millionen Euro. Doch der stark verschuldete Konzern ist sehr zinssensibel und bekommt höhere Finanzierungskosten zu spüren. Vonovia leidet spätestens seit 2021 schon unter dem Ende der Nullzinsphase, als der Abstieg der Aktie begann.
Aber es gab auch gute Nachrichten. Der Düsseldorfer Kosumgüterkonzern Henkel überzeugte die Anleger mit seinen Quartalszahlen. Der Umsatz legte im ersten Quartal bereinigt um die Folgen des starken Euro und den Verkauf von Sparten um 1,7 Prozent auf 4,95 Milliarden Euro zu. Angaben zum Abschneiden beim Ergebnis macht Henkel nur halbjährlich. Die Aktie war DAX-Spitzenreiter mit einem Plus von rund fünf Prozent.

