Schwäbischer Anlagenbauer Voith will Tausende Jobs streichen

Schwäbischer Anlagenbauer Voith will Tausende Jobs streichen

Stand: 09.12.2025 16:43 Uhr

Beim schwäbischen Maschinen- und Anlagenbauer Voith könnten bis zu 2.500 Stellen wegfallen – vor allem wohl in Deutschland. Damit wäre ein Zehntel der Belegschaft betroffen.

Der schwäbische Anlagenbauer Voith will bis zu 2.500 seiner 22.000 Arbeitsplätze abbauen. Voith prüfe “Anpassungen seiner Organisationsstrukturen und Belegschaft im Rahmen einer strategischen Weiterentwicklung”, teilte das Unternehmen im baden-württembergischen Heidenheim mit.

Besonders hierzulande könnten zahlreiche Jobs wegfallen: Deutschland nehme eine zentrale Rolle bei dem möglichen Stellenabbau ein, weil die strukturellen Herausforderungen hier besonders groß seien. “Dazu gehören insbesondere hohe Energie- und Arbeitskosten, komplexe regulatorische Anforderungen und ein insgesamt hoher bürokratischer Aufwand”, hieß es in der Mitteilung.

Abbau im globalen Rahmen

Endgültig beschlossen ist das aber noch nicht: Voith ließ zunächst offen, wo konkret wie viele Stellen wegfallen sollen. Der erwartete Stellenabbau beschreibe “einen globalen Rahmen und stellt keine Aussage über bestimmte Standorte, Bereiche oder Funktionen dar”. In den kommenden Wochen prüfe man Optionen, die gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert und bewertet werden sollen.

Der exportorientierte Maschinen- und Anlagenbau ist einer der wichtigsten Industriezweige im Südwesten. Voith hat seinen Stammsitz im schwäbischen Heidenheim an der Brenz. Im Stammland hat der Konzern noch weitere Werke. Darüber hinaus ist Voith in Bayern, NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit Standorten vertreten. Für den Mittelständler arbeiten weltweit rund 22.000 Menschen in mehr als 60 Ländern.

“Langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfähiger”

Ziel des Stellenabbaus sei es, das Unternehmen “langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfähiger” zu machen. Es gehe darum, Prozesse zu vereinfachen, schneller zu entscheiden und in Zukunftsfelder zu investieren. “Voith steht vor großen Herausforderungen auf dem Weltmarkt, weshalb wir eine umfangreiche strategische Analyse unseres Geschäfts vorgenommen haben”, sagte Vorstandschef Dirk Hoke. Der ehemalige Airbus-Manager steht seit April an der Spitze des Familienunternehmens.

Der Konzern könne langfristig nur dann bestehen, wenn er seine Zukunft in die eigene Hand nehmen könne und das nötige Geld für Investitionen habe, so Hoke. Voith stellt Turbinen für Wasserkraftwerke, Papiermaschinen und Antriebstechnik für Züge oder Schiffe her.

Im Geschäftsjahr 2023/24 (per Ende September) war der Umsatz um fünf Prozent auf 5,23 Milliarden Euro geschrumpft, unter dem Strich blieb ein Gewinn von 73 Millionen Euro. 2024/25 sollte es mit Gewinn und Umsatz wieder aufwärtsgehen, konkrete Zahlen hat Voith aber noch nicht genannt.

Maschinenbau in der Krise

Der angekündigte Stellenabbau fällt in eine für den deutschen Maschinenbau äußerst schwierige Phase. Die Branche schrumpft 2025 nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bereits das dritte Jahr in Folge. Es wird erneut mit einem Produktionsrückgang von fünf Prozent gerechnet.

Seit Anfang 2023 befindet sich die Produktion demnach im Sinkflug – inzwischen seit zwölf Quartalen in Folge. Die Auslastung der Fabriken liegt mit 78,3 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel von rund 85 Prozent. Erst 2026 erwartet der Verband ein leichtes Plus. Die schlechte Lage hinterlässt dem Verband zufolge immer deutlichere Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Beschäftigung um 2,4 Prozent auf gut eine Million Menschen zurückgegangen. In den Betrieben werde häufiger Kurzarbeit angewandt.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *