marktbericht
Beim Rüstungskonzern Rheinmetall ist der Gewinn stark gestiegen, trotzdem reagieren Anleger unzufrieden. Das Wachstum hat sich im ersten Quartal abgeschwächt, zudem sind milliardenschwere Zukäufe geplant.
Mit deutlichen Abschlägen reagieren Anleger heute auf das Zahlenwerk des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Wie schon am Vortag steht das Papier des Düsseldorfer Rüstungskonzerns am DAX-Ende und fällt unter die Marke von 1.300 Euro. Damit notiert die Aktie so tief wie seit dem April 2025 nicht mehr.
Der seit Januar intakte Abwärtstrend setzt sich damit in verschärfter Form fort. Zwar waren Eckdaten des Konzerns zum Ergebnis des ersten Quartals bereits veröffentlicht, das endgültige Zahlenwerk kam aber bei Anlegern und Analysten nicht gut an.
Ergebnis unter Erwartungen
Konkret stieg der Umsatz zwischen Januar und März zwar um acht Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro, Analysten hatten aber mehr erwartet. Das operative Ergebnis kletterte um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro. Konzernchef Armin Papperger hofft nun auf eine Aufholjagd im laufenden zweiten Quartal und hält an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest.
Aber die Börse geht da erstmal nicht mit. Vor allem skeptischere Analystenkommentare belasten. Besonders schwer wiegt, dass der bisherige Optimist David Perry von JPMorgan seine “Outperform”-Empfehlung aufgegeben hat. Gleichzeitig kürzte er sein Kursziel von 2.130 auf 1.500 Euro.
Auch Adrien Rabier von Bernstein Research stellte die Anleger auf eine “Verlängerung des Bärenszenarios” ein. Eine Trendwende müsse von einem Umsatzschub kommen, aber der verzögere sich. Anders als Perry behielt Rabier aber sein Kursziel von 2.050 Euro bei.
Bieterkampf um German Naval Yard
Wachsen will Rheinmetall auch im maritimen Geschäft, in das der Konzern Anfang des Jahres eingestiegen ist. Für 1,5 Milliarden Euro übernahm er die Marine-Sparte des Schiffbaukonzerns Lürssen. Ein Auge hat Rheinmetall nun auch auf den Marineschiffbauer German Naval Yards Kiel (GNYK) geworfen, womit er sich einen Bieterkampf mit der Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS liefert.
“Wir haben ein unverbindliches Angebot vorgelegt, um die German Naval Yards zu kaufen”, sagte Firmenchef Papperger am Donnerstag im Gespräch mit Analysten. Dann könne Rheinmetall seine Kapazitäten im Marine-Geschäft ausbauen. Dort winken allein aus Deutschland riesige Aufträge wie etwa das Fregatten-Programm F126. Rheinmetall habe hier ein Angebot unterbreitet. Berichte über ein Volumen von zwölf Milliarden Euro erschienen als nicht ganz falsch, sagte Papperger.
TKMS hatte zuvor bereits ein Gebot für das früher als Howaldtswerke-Deutsche Werft bekannte Unternehmen German Naval Yards eingereicht. Der Konzern führe entsprechende Gespräche mit den GNYK-Eignern, sagte ein Sprecher. “Für uns wäre das eine Opportunität, aber kein Muss”, so TKMS-Chef Oliver Burkhard. Die Kieler Werft gehört aktuell zum französischen Familienkonzern CMN Naval.
Zusammenarbeit mit OHB?
Auch beim ebenfalls stark wachsenden Bremer Satellitenbetreiber OHB ist Rheinmetall im Gespräch – als möglicher Partner in einem 50:50 Gemeinschaftsunternehmen, mit dem man ein eigenes, satellitengestütztes Kommunikationssystem für die Bundeswehr aufbauen will.
OHB-Mehrheitseigner Marco Fuchs erklärte, die Bundeswehr wolle jedes Jahr sieben Milliarden Euro für Raumfahrt ausgeben. Da müsse man investieren, eine Kapitalerhöhung bei OHB ist im Gespräch, auch um gegen “Bromo” zu bestehen – den geplanten Zusammenschluss der Raumfahrtsparten von Airbus, Leonardo und Thales. Dieser wird derzeit von der EU-Kommission geprüft.
DAX im Minus
Der DAX knüpft derweil an sein schwaches Schlussgeschäft vom Donnerstag an und verliert am frühen Nachmittag weitere rund 0,9 Prozent. Auslöser sind die erneuten Spannungen im Persischen Golf. Trotz Waffenruhe hatten sich die USA und der Iran gegenseitig in der Straße von Hormus beschossen.
Die Verluste hielten sich damit zwar in Grenzen, aber die Nervosität an den Märkten nahm wieder zu. “Die Situation in der Krisenregion bleibt angespannt und die Waffenruhe ist mehr als brüchig”, warnte Christian Henke, Marktanalyst vom Broker IG. “Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, könnten sich die Anleger sehr schnell ernüchtert zeigen und den Börsen den Rücken zuwenden.”

